M+S-Reifen bedeutet nicht Winterreifen!

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M+S-Reifen bedeutet nicht Winterreifen!

Beitragvon Beda » 05.03.2005 - 13:10

Hallo zusammen,
fast alle Geländewagenreifen tragen eine M+S-Kennung.
Leider hat dieses Symbol im Laufe der Zeit eine völlig andere Bedeutung erhalten.
Wenn ich auf mein Auto Reifen montieren will, die die mögliche Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs garnicht vertragen, ist dies zulässig, wenn der Reifen eine M+S-Kennung trägt.

Das führt im Alltag dazu, daß ahnungslose Reifenhändler ahnungslosen Kunden völlig ungeeignete Reifen verkaufen.

Unabhängige Hilfe zur Wahl des geeigneten Reifens findet man beim Offroad-Magazin.
Ein Händler der sich ausschließlich mit Offroadreifen befaßt ist die Fa. Mayerosch.
Auch Reifen-Direkt sortiert nach Fähigkeiten und nicht nach Benennung.

http://www.adac.de/Tests/Reifentests/Gelaendewagen/235_70_R_16/default.asp?ComponentID=32074&SourcePageID=32066%230

235/70 R16 (11/2002)

Winterreifen für Geländewagen: Der "Etikettenschwindel"
Vorurteile halten sich oft hartnäckig - und manche sind richtig gefährlich. So argumentieren viele Besitzer von allrad-getriebenen Geländewagen: »Wozu brauche ich Winterreifen? Meine Sommerreifen haben grobstollige Profile, mit denen komme ich überall durch. Und die M+S-Markierung für die Wintertauglichkeit ist auch drauf« - ein erschreckende Selbstüberschätzung, die zwei Ursachen hat: den Etikettenschwindel der Industrie und überhebliche Sorglosigkeit.

Der M&S - Etikettenschwindel
Der Schwindel mit der M+S-Markierung (»mud+snow« oder »Matsch+Schnee«) ist nach offizieller Lesart gar keiner - und trotzdem haarsträubend. Zum Hintergrund: In den USA kamen für den boomenden Markt der Geländefahrzeuge ständig neue Spezialreifen auf den Markt, die zwar toll aussahen und im besten Fall offroadtauglich waren, aber ein Dilemma hatten - sie konnten bei der Höchst-geschwindigkeit der immer schneller werdenden Fahrzeuggattung nicht mehr mithalten. Das Problem wurde kurz und trocken gelöst: Man druckte einfach das M+S-Symbol auf die Flanke, der Reifen wurde so zum Winter- bzw. Ganzjahresreifen. Der Clou: Er darf so gekennzeichnet auch dann aufgezogen werden, wenn das Auto wesentlich schneller fährt als es die Reifenbauart erlaubt.
Und jetzt wird der Schwindel zum Skandal. Denn fragt man nach den rechtlichen Grundlagen, die zum Tragen des M+S-Symbols berechtigen, stellt man verblüfft fest: Es gibt überhaupt keine! Alle Hersteller können nach Lust und Laune »M+S« auf ihre Reifen schreiben - und glauben Sie uns: Bei den Geländereifen tun sie es auch. Wohlgemerkt: Dieses rechtliche Vakuum gilt auch für die Pkw-Reifen, doch hier hält sich die Industrie sozusagen an eine freiwillige Ehrlichkeit. Bei Geländereifen jedoch herrschen durch den Einfluss des amerikanischen Marktes Wild-West-Methoden - ohne Rücksicht auf Verluste.
Besonders tückisch ist, dass Offroadreifen mit ihren groben Stollen und den offenen Querprofilen tatsächlich den Anschein schneepflügender Qualität erwecken - und so den Fahrer in wohliger Sorglosigkeit wiegen. Im Notfall stehen ja noch Allradantrieb, ABS und ESP als Lebensretter zur Verfügung.

Was macht einen richtigen Winterreifen aus?
Ach, wenn Chemie und Physik doch immer so einfach wären. In der Tat fehlen den aufgepeppten »Winterreifen« aber zwei entschiedene Elemente: eine Gummimischung, die auch bei Temperaturen unter 7° C noch elastisch bleibt, und Mikrolamellen, die durch die Verzahnung mit Schnee und Eis für ausreichend Grip sorgen. Beim Beschleunigen mit der Traktion des Allradantriebs fällt dieses Manko noch nicht auf, doch spätestens beim Bremsen, in Kurven oder beim Bergabfahren wird's gefährlich. Ohne Lamellen und mit verhärteten Reifen bricht die Verzahnung mit der Fahrbahn ab, das Fahrzeug kommt ins Rutschen und kann - weil Schwergewicht - auch nicht mehr unter Kontrolle gebracht werden - Abflug!

Der wintertaugliche Off Road-Reifen
Die Reifenindustrie hat auf dieses Sicherheitsrisiko reagiert - wenigstens seit dem Zeitpunkt, als auch die deutschen Fahrzeugher-steller Mercedes und BMW mit der M-Klasse und dein X5 den boomenden Geländewagenmarkt (etwa 90 000 Neuzulassungen jährlich) bedienen wollten. Jetzt war hohe Erstausrüstungsqualität gefragt und deshalb beschränken sich die Reifenhersteller inzwischen nicht mehr nur darauf, amerikanische Offroadreifen zu importieren, sondern entwickeln außerdem Produkte für den europäischen Markt, eben auch ausgewiesene Winterreifen (meist mit dem Symbol einer Schneeflocke gekenn-zeichnet). An der Unsitte, jedes Exemplar im Programm mit M+S zu markieren, hat sich freilich nichts geändert - entsprechend groß bleibt die Verunsicherung bei den Kunden. Es wird also höchste Zeit, die Spreu vom Weizen zu trennen. Und der ADAC leistet Pionierarbeit: Erstmals in Deutschland mussten sich Geländereifen in einem kompletten Winterreifentest beweisen - bis auf wenige technisch bedingte Ausnahmen (z.B. Verschleiß) nach den üblichen harten ADAC-Kriterien.

Der ADAC-Test
Schwierig gestaltete sich die Auswahl der Testgröße, da der Markt sehr unübersichtlich ist: Fast jedes Geländefahrzeug hat seine eigene Reifendimension. Den größten gemeinsamen Nenner fanden wir schließlich im Ford Maverick (baugleich: Mazda Tribute) mit der Dimension 235/70 R 16. Immerhin elf Modelle kamen so zusammen, bekannte Namen wie Bridgestone oder Dunlop fehlen trotzdem. Wenn möglich testeten wir pro Hersteller ein ausgewiesenes Wintermodell und einen M+S-markierten Ganzjahresreifen, beide mit einem straßenorientierten Profil, was auch den realistischen Fahrgewohnheiten entspricht.

Enttäuschende "Ganzjahresreifen" und gute Winter-Spezialisten
Das Ergebnis unseres Vergleichstests ist für die Ganzjahresreifen (auf dem Geländewagensektor!) niederschmetternd: Kein einziger kann für den Einsatz im Winter empfohlen werden, alle fünf Kandidaten sind nicht wintertauglich! Auf Schnee und Eis wird eine Fahrt mit ihnen zur Zitterpartie (eine Ausnahme macht der Pirelli Scorpion S/T, der auf Schnee zwar überzeugt, dafür aber auf Nässe patzt).
Es geht auch anders: Immerhin drei Winterspezialisten erreichten auf hohem Niveau das Prädikat "besonders empfehlenswert" - mit unterschiedlichen Schwerpunkten: Der Conti 4x4 WinterContact punktet vor allem auf trockener Fahrbahn, der Michelin 4x4 Alpin auf Nässe und der Pirelli Scorpion Ice+Snow auf Schnee.
Empfehlenswerte Alternativen zum im Winter untauglichen Ganzjahresreifen sind auch der Fulda Tramp 4x4 Yukon und der Goodyear Wrangler UG. Beim Fulda muss man lediglich einige Abstriche beim Komfort machen und der Goodyear fällt etwas bei den Leistungen auf trockener und nasser Fahrbahn ab. Hervorragend auf Schnee und Eis präsentierte sich der Winter Slalom von BFGoodrich, doch auf Grund seiner Schwäche auf Nässe könnten wir ihn nur bedingt empfehlen.

Winterreifen übers ganze Jahr?
Also: Auch für Geländewagenfahrer sind Winterreifen unbedingt Pflicht. Doch wer jetzt glaubt, auch mit Winterrreifen das ganze Jahr über fahren zu können, täuscht sich. ADAC-Tests bei sommerlichen Temperaturen haben ergeben, dass Winterreifen dann erheblich längere Bremswege benötigen als Sommerspezialisten. Und auch der Verschleiß der Reifen wird sich dramatisch erhöhen. Wer das ganze Jahr sicher unterwegs sein will, wird um die Anschaffung eines zweiten Reifensatzes mit Felgen also nicht herumkommen.
Zuletzt geändert von Beda am 05.03.2005 - 16:58, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Sven » 05.03.2005 - 13:39

Hallo,
um Unklarheiten zu beseitigen: die unten angeführten Zitate beziehen sich auf einen alten Text den Beda zitiert hatte und der jetzt nicht mehr drin steht.

sven


bei ... Geländewagen und SUVs ... fahren gerade einmal 10 bis maximal 20 Prozent mit M+S-Reifen ... Der Grund liegt auf der Hand: Die meisten Geländereifen sind aufgrund ihrer Beschaffenheit bereits mit einem M+S-Symbol versehen.


:?: :?: :achselzuck:

Also wenn man weis, was der Mensch aussagen will, dan ists klar, aber ansonsten hat er leider eine misserable Ausdrucksweise erwischt. Besser wäre wohl:

bei ... Geländewagen und SUVs ... fahren gerade einmal 10 bis maximal 20 Prozent mit Winter-Reifen ... Der Grund liegt auf der Hand: Die meisten Geländereifen sind aufgrund ihrer Beschaffenheit bereits mit einem M+S-Symbol versehen ...


... und die meisten Leute meinen, sie hätten wintertaugliche Reifen ...

Grüße
sven
Zuletzt geändert von Sven am 07.03.2005 - 10:06, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Beda » 05.03.2005 - 13:56

Hallo Sven,
ich habe wirklich gesucht nach was Zitierbarem und war überrascht fast nichts zu finden :?
Zuletzt geändert von Beda am 05.03.2005 - 17:35, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Sven » 05.03.2005 - 14:18

Hallo Beda,

liegt vielleicht nicht gerade im Interesse der Reifenlobby, den Schmuh mit der M+S-Kennung an die große Glocke zu hängen.

Wie soll es denn ohne M+S-Kennung gehen? Wer dürfte denn dann noch richtige MTs fahren? Da ist doch überall spätestens bei 160km/h Schluss. Ich dürfte mit meinem ollen sicher noch, aber was ist die Höchstgeschwindigkeit eines V20 oder V60, gar Benziners?

Grüße
sven, wer keine Ahnung hat wird verar§%$t, egal bei was, und da helfen auch keine noch so komplizierten und ausgefeilten Verbraucherschutzgesetze was
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Beitragvon Crazy.max » 05.03.2005 - 14:30

Hallo Ihr Zwei

Sven hat geschrieben:
Wie soll es denn ohne M+S-Kennung gehen? Wer dürfte denn dann noch richtige MTs fahren? Da ist doch überall spätestens bei 160km/h Schluss. Ich dürfte mit meinem ollen sicher noch, aber was ist die Höchstgeschwindigkeit eines V20 oder V60, gar Benziners?



Da hat aber auch der Tüv seine Erzieherische Wirkung teilweise verfehlt . Denn wenn die Bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit > 160 km/h ist und der Reifen eine M+S Kennung hat muss ein Aufkleber im Sichtbereich des Fahrers auf die Höchstgeschwindigkeit hinweisen . Ich habe in den meisten Fahrzeugen ( Touareg / Cayenne und M sowie XKlasse ) keinen solchen gesehen - dort schaut man ja dann auch mal neugierig rein wie " Geldhabs " denn so fahren . Als geringer Mangel beim Tüv dürfte das schon so manche DisKussion und Belehrung nach sich gezogen haben wenn man es denn wirklich beachtet hätte.

Aber so fällt das Kind erst in den Brunnen bzw der Pajji in den Graben bevor die Leute schlau werden. Mal abgesehen , das vorsichtige Fahrweise im Winter auch nicht durch Winterreifen ersetzt sondern nur ergänzt werden kann.

Olaf - mangeös Finanzen noch immer auf Mt´s unterwegs , aber nächsten Winter ......
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Beitragvon Beda » 05.03.2005 - 17:21

Hallo zusammen,
eine Schneeflocke soll ab 2007 für mehr Klarheit sorgen. Schön wärs :?

http://www.pro-winterreifen.de/presse/MuSFlanke.jpg

Bild

Aus dem Hause Goodyear noch was zum Thema.
PS: Ich habe obigen Artikel ausgetauscht. Dadurch hängt Svens Beitrag leider etwas in der Luft.
Grüße vom Galloperflüsterer ohne Galloper

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Beitragvon MF » 05.03.2005 - 17:51

Hallo

Das mit der Schneeflocke ist ja eigentlich auch schon Schnee von gestern.

Die AMi's betreiben auch schon damit Mißbrauch.

Ich habe ja den Cooper Weathermaster, ein wirklicher Winterreifen
der meiner Meinung nach auch die Schnneflocke verdient.

Momentan fahre ich einen Pneu, den die meisten Leute schon im Sommer als
gewöhnungsbedürftig einstufen und viele bezeichnen ihn bei
regennasser Straße als bedenklich.
Und auch dieser Reifen trägt die Schnneflocke im Berg,
die ja ein Garant für einen Winterreifen darstellen soll.

Ich spreche vom BF AT KM 8O

Gruß Mario
Der es schade findet das es keine wirklichen Richtlinien gibt.
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Beitragvon Borsty » 07.03.2005 - 08:05

Hi
Ich dürfte mit meinem ollen sicher noch, aber was ist die Höchstgeschwindigkeit eines V20 oder V60, gar Benziners?

Meiner ist nach Typenschein mit 160 km/h angegeben :wink:
Noch zu Marios Tip. Ja, die BFG AT KO sind mit der Schneeflocke ausgerüstet. Kommt daher, das der KO feine Lamellen drin hat, gegenüber dem alten Profil. Nicht ein grosser Unterschied, aber es reicht um die Schneeflocke zu gebrauchen. Ich denke aber auch, das es keine Klarheiten gibt mit der Vergabe der Flocke.
Gruss UWE
BORSTY
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Beitragvon tuxsam » 08.03.2005 - 11:07

Ich bin gerade nicht ganz sicher wo ich es gelesen habe, aber als eindeutige Kennzeichnung für "echte" Winterreifen bei Geländewagen gilt im Moment das Symbol mit dem Berg der eine Schneeflocke umschließt. Zu sehen auf Bedas Bild direkt hinter dem "M+S".

Gruß, Andre
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Beitragvon tuxsam » 08.03.2005 - 11:30

Noch ein Nachtrag: Goodyear hat das entsprechende Symbol auch auf seiner Homepage für die Kennzeichnung ihrer "echten" Winterreifen verwendet -> Link.

Das reine Schneeflockensymbol stammt aus den USA und wird dort aber auch schon wieder verwässert. ES wird in Europa nicht als gesetzliche Kennzeichnung akzeptiert.

Gruß, Andre
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Beitragvon Beda » 08.03.2005 - 11:33

tuxsam hat geschrieben:.... als eindeutige Kennzeichnung für "echte" Winterreifen bei Geländewagen gilt im Moment das Symbol mit dem Berg der eine Schneeflocke umschließt. Zu sehen auf Bedas Bild direkt hinter dem "M+S".

Gruß, Andre

Hallo André,
das wäre schön :kopfgegenmauer:

Hier http://www.pro-winterreifen.de/profile.htm gibt es eine Liste aller Winterprofile.
Sie enthält mehrere Merkwürdigkeiten :?
Und hier http://www.pro-winterreifen.de/presse1-2004-11-19.htm ein Artikel zum Thema: Eindeutigkeit.
Grüße vom Galloperflüsterer ohne Galloper

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Beitragvon tuxsam » 08.03.2005 - 11:44

Hier noch die eindeutige Erläuterung von Goodyear Link. Es ist also wirklich das Bergsymbol aus Deinem Link und nicht die reine Schneeflocke.

Gruß, Andre

Edit: gerade sehe ich, dass Dein Goodyear-Link auch darauf verweist :oops:
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Re: M+S-Reifen bedeutet nicht Winterreifen!

Beitragvon Beda » 24.04.2009 - 15:42

Hallo zusammen,
gefunden bei www.dbv.eu
newsletter 30. Mai 2008
Wann ist ein Reifen ein Winterreifen?
Gerichtsurteil: „M+S-Reifen nicht zwingend Winterreifen“
Mit der Frage, wann ein Reifen als Winterreifen zu bezeichnen ist,
hat sich nach Informationen der Neue Westfälischen kürzlich das
Amtsgericht ein Bad Oeynhausen befasst. Den Anlass für den
dahinter stehenden Rechtsstreit hat demnach der Verkauf eines
Satzes M+S-Reifen für Geländewagen über die Internetplattform
eBay geliefert. Der Verkäufer hatte dem Bericht zufolge die Reifen
als Winterreifen bezeichnet, aber die spätere Käuferin aus dem
Würzburger Raum soll zwei Wochen nach dem Erwerb reklamiert
haben, dass es sich bei den fraglichen Reifen nicht um
Winterreifen handele, obwohl sie ein M+S-Symbol auf der
Seitenflanke tragen. Deswegen haben sie den Verkäufer auf
Rücknahme der Pneus verklagt und bekam vom Amtsgericht Bad
Oeynhausen recht. Bei seinem Urteil beruft sich das Gericht
offenbar auf ein von ihm in Auftrag gegebenes Gutachten. „Danach
ist die Kennung als M+S-Reifen nicht zwingend mit der Eignung als
Winterreifen gleichzusetzen. Vielmehr signalisiert nur das auf der
Reifenwand aufgebrachte Schneeflockensymbol die
nachgewiesene Wintereigenschaft des Reifens“, zitiert die Zeitung
aus der Urteilsbegründung.
In einer Stellungnahme gegenüber dem Blatt soll Hans-Jürgen
Drechsler, Geschäftsführer des Bundesverbandes Reifenhandel
und Vulkaniseur-Handwerk e.V. (BRV), dies als „Quatsch“
bezeichnet und auf die entsprechenden Richtlinien auf
gesamteuropäischer, EU- sowie nationaler Ebene verwiesen
haben. „Dort heißt es: Winterreifen sind mit dem M+S-Symbol zu
kennzeichnen“, werden Drechslers Aussagen wiedergegeben.
Doch gilt tatsächlich auch der Umkehrschluss bzw. sind M+SReifen
gemäß einer gesetzlichen Grundlage automatisch mit
Winterreifen gleichzusetzen? Dies bejaht wie Drechsler auf
Nachfrage der NEUE REIFENZEITUNG unter Bezug auf ECE-R 30
Pkt. 2.2 (Begriffsbestimmungen) bzw. die EU-Richtline 92/23 EWG,
Anhang II, Pkt. 2.2 (Begriffsbestimmungen) ganz klar.
„(Ein) M+S-Reifen ist ein Reifen, bei dem das Profil der Lauffläche
und die Bauart so ausgelegt sind, dass das Verhalten in Matsch
und frisch gefallenem oder schmelzendem Schnee besser als bei
normalen Straßenreifen ist. Das Profil der Lauffläche eines M+SReifens
ist im Allgemeinen durch größere Profilrillen und/oder
Stollen gekennzeichnet, die voneinander durch größere
Zwischenräume getrennt sind, als dies bei einem normalen
Straßenreifen der Fall ist“, zitiert der BRV-Geschäftsführer die
entsprechende Textpassage der Richtlinien. „Was es allerdings
nicht gibt, ist ein Prüfprozedere im Rahmen der
Typengenehmigung der Reifen nach ECE-R 30 oder EU-Richtlinie
92/23/EWG, das sozusagen den Nachweis erbringt, dass die
Begriffsbestimmung – dass das Verhalten in Matsch und frisch
gefallenem oder schmelzendem Schnee besser als bei normalen
Straßenreifen ist – beim betreffenden und entsprechend
gekennzeichneten Reifen auch tatsächlich eingehalten wird“, so
Drechsler weiter.
Solange also nicht entweder die Reifenhersteller selbst oder aber
der Gesetzgeber die ECE-R 30, auf welche die EU-Richtlinie 92/23
und die Straßenverkehrszulassungsordnung Bezug nähmen, um
ein solches Prüfprozedere ergänzten, sei es theoretisch möglich,
dass von Reifenherstellern zurzeit noch – insbesondere für den
USA-Export gedachte – typengenehmigte Sommerreifen auch mit
dem M+S-Symbol gekennzeichnet würden. „Allerdings – und das
muss ich an dieser Stelle ausdrücklich betonen – sind uns aus der
Praxis bis dato de facto keine maßgeblichen Fälle (allerhöchstens
Einzelfälle) bekannt, in denen am deutschen Markt Sommerreifen
mit M+S-Kennzeichnung in Verkehr gebracht worden wären“, weiß
Drechsler zu berichten. Schließlich habe man die eigenen
Mitglieder diesbezüglich eindeutig aufgeklärt.
„Kritisch sehen wir in diesem Zusammenhang allerdings noch den
Bereich Offroad-/4x4-Bereifung, wo nach wie vor – hier in erster
Linie von den maßgeblichen Reifenherstellern – Profile mit M+SKennzeichnung
angeboten werden, die keine Winterprofile sind,
was wohl mit dem hohen USA-Exportanteil bei diesen Reifen
zusammenhängt“, ergänzt er. Theoretisch sei daher denkbar, dass
es sich – so Drechsler gegenüber der Neue Westfälischen – bei
den fraglichen Reifen in dem Bad Oeynhausener Gerichtsverfahren
um US-Importe handele. „Denn hier werden grundsätzlich alle
Reifen mit dem M+S-Symbol gekennzeichnet. Das hat dazu
geführt, dass hier das Schneeflockensymbol als freiwilliger
Industriestandard eingeführt wurde“, erklärt der BRVGeschäftsführer
den Sachverhalt in dem Beitrag des Blattes. „Man
muss beachten, dass es einerseits in den USA und Kanada eine
gesetzliche Vorschrift für das Schneeflockensymbol gibt“,
verdeutlicht er und weist auf das dabei zugrundeliegende
Prüfprozedere nach ASTM E 1136 – das Akronym ATSM steht für
American Standard for Testing and Materials – in Bezug auf einen
Referenzreifen (Uniroyal „Tiger Paw“ in der Dimension und 195/75
R14).
„Andererseits gibt es die WdK-Initiative (d.h. der dort
angeschlossenen Reifenhersteller), auch in Deutschland und in
Europa auf freiwilliger Basis das Schneeflockensymbol
einzuführen“, meint Drechsler. Dies sei in der Praxis – zumindest
für Deutschland – bereits die Regel, allerdings wohl mit einem
modifizierten/aktualisierten Prüfprozedere zum ASTM E 1136, fügt
er hinzu. Darüber hinaus habe sich der Wirtschaftsverband der
deutschen Kautschukindustrie e.V. (WdK) das
Schneeflockensymbol zwischenzeitlich als Warenzeichen schützen
lassen, was dessen Hauptgeschäftsführer Fritz Katzensteiner auf
Anfrage dieser Fachzeitschrift denn auch bestätigt. „Wir haben das
Schneeflockensymbol in Deutschland und nach Beratungen mit
unserem europäischen Dachverband ETRMA (European Tyre and
Rubber Manufacturers’ Association) auch in Europa als Marke
eintragen lassen“, so Katzensteiner.
Die Kennzeichnung mit einem entsprechenden Logo auf der
Seitenwand soll der hinter diesem Schritt stehenden Logik zufolge
denjenigen von WdK- und ETRMA-Mitgliedern bzw. an deren
außereuropäischen Standorten produzierten Reifen vorbehalten
sein, die einen an das ASTM-Prüfverfahren angelehnten Test –
gemäß dem Verfahren in Nordamerika muss mit einem Reifen zum
Erhalt des Schneeflockensymbols beim Bremsen auf Schnee ein
um mindestens sieben Prozent höherer Verzögerungswert erreicht
werden als mit dem Referenzreifen – erfolgreich durchlaufen
haben. Das genaue Vorgehen bei dem Prüfverfahren befinde sich
jedoch noch in der Diskussion, beispielsweise sei ein anderer
Referenzreifen als der bisherige im Gespräch. Noch ist jedenfalls
nichts fix.
Insofern könnten das Bad Oeynhausener Urteil und die
gleichzeitigen Bestrebungen des WdK doch als erster kleiner
Schritt in die richtige Richtung gewertet werden, um dem
Verbraucher mehr Sicherheit bei der Beurteilung zu geben, was
denn nun genau ein Winterreifen ist, oder etwa nicht? Vom
Grundsatz her sieht zwar auch Drechsler dies so. Doch wenn die
(WdK)-Schneeflocke geschützt sei, hätten nicht im WdK (bzw.
ETRMA) vertretene Reifenhersteller keinen Zugriff darauf. „Und
man darf auch dabei nicht vergessen, dass es sich hier um
Eigenprüfungen der jeweiligen Reifenhersteller handelt und nicht
um neutrale Überprüfungen, wie zum Beispiel im Rahmen des
Typengenehmigungsverfahrens. Dementsprechend sehen wir das
Schneeflockensymbol in Deutschland zwar als nützlich an, aber
nach wie vor auch sehr kritisch, da es – als WdK-Label – nicht die
grundsätzlichen Probleme – insbesondere für den Verbraucher –
löst“, meint der BRV-Geschäftsführer.
„Wir fordern daher schon seit Längerem – auch im Sinne der
Chancengleichheit für alle Anbieter – die Einführung eines
Prüfprozedere/Prüfverfahrens im Rahmen der Typengenehmigung
nach ECE-R 30 oder EU-Richtlinie 92/23/EWG, nur damit wäre
grundsätzlich abgesichert, dass jeder M+S-gekennzeichnete
Reifen auch tatsächlich ein Winterreifen ist“, ergänzt er. Bis es
soweit ist, wird man wohl oder übel – so scheint es jedenfalls –
weiterhin mit einem gewissen Maß an Uneindeutigkeit leben
müssen. „Für die Polizei ist es bei Kontrollen zwar das Indiz, dass
es sich um Winterbereifung handelt. Faktisch gibt es aber auch
Reifen auf dem Markt, vor allem aus asiatischer Produktion, die
trotz M+S-Symbol keinerlei Wintereigenschaften haben. Das ist
schon eine Grauzone“, hat beispielsweise Ralf Collatz,
Pressesprecher des ADAC in Ostwestfalen, die Problematik
gegenüber der Neue Westfälischen umrissen und Verbrauchern
angesichts dieser „unübersichtlichen Lage“ geraten, sich am
besten an den Fachhandel zu wenden.
Der schuldig gesprochene Reifenverkäufer will sich angesichts
dessen aber anscheinend nicht mit dem Richterspruch abfinden,
sondern hat angekündigt, in Berufung gehen zu wollen. Zu diesem
Zweck ist er auch auf Suche nach möglichen Mitstreitern, die – so
die Zeitung – „ähnliche Erfahrungen mit der undurchsichtigen
Kennzeichnung von Winterreifen gemacht haben“. Dies zeigt, dass
– zumindest bei einem Teil der Verbraucher – in der Tat noch nach
wie vor Verwirrung darüber besteht, was denn nun eigentlich ein
Winterreifen ist. Die Beantwortung dieser Frage könnte vor dem
Hintergrund der schwammigen Formulierung in der
Straßenverkehrsordnung (StVO), wonach die Ausrüstung eines
Kraftfahrzeuges den Witterungsverhältnissen anzupassen ist und
dabei insbesondere auf eine „geeignete Bereifung“ explizit
hingewiesen wird, irgendwann einmal durchaus von mehr als nur
akademischem Interesse sein.
Zwar interpretiert die überwiegende Mehrheit der Branche die
StVO in dem Sinne, dass der Gesetzgeber wohl den Einsatz von
Winterreifen bei winterlichen Straßenverhältnissen und
entsprechend Sommerreifen in den wärmeren Monaten des Jahres
gemeint hat. Doch selbst wenn sich zwei im Falle eines Falles vor
Gericht streitende Parteien hierüber einig wären, zeigt das Bad
Oeynhausener Urteil, dass die Meinungen darüber was denn nun
ein Winterreifen ist, durchaus unterschiedlich sein können. Paradox
wird die ganze Sache übrigens, wenn der BRV entgegen aller
schlüssig vorgebrachter Argumente Ganzjahresreifen „statistisch
gesehen“ zu den Sommerreifen rechnet, obwohl sie die M+SKennung
tragen und damit – wie auf den Webseiten des
Branchenverbandes nachzulesen ist – „de facto als akzeptable
Alternative zu reinen Winterreifen gesehen werden – von
Verbrauchern, aber auch im Sinne der Forderung nach ‚geeigneter
Bereifung‘“

Noch Fragen? :kopfgegenmauer:
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Re: M+S-Reifen bedeutet nicht Winterreifen!

Beitragvon Andreas Possenig » 24.04.2009 - 23:00

Hallo.

Ja eine hab ich noch. Muss ich dass wirklich lesen?? :shock:

Gruß Andreas
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Re: M+S-Reifen bedeutet nicht Winterreifen!

Beitragvon Schlappohr » 25.04.2009 - 00:46

Puuuh..Andreas - ich hatte schon befürchtet Du fragst ob das jemand versteht...

Gruß
Florian
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