L300 Unterdruckdose reparieren?

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patrick
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L300 Unterdruckdose reparieren?

Beitragvon patrick » 17.06.2019 - 13:19

Hallo beieinander,

Nachdem wir wirklich viel Zeit und Geld in den kaputten Motor gesteckt haben, der nächste Dämpfer: keine Kraft mehr beim Beschleunigen. :cry:
So wie es aussieht ist die Unterdruckdose am Turbo nicht mehr funktionstüchtig. Sie lässt sich zwar bewegen (recht schwer) wenn sie ausgebaut ist, und scheint auch Unterdruck zu produzieren (schmeckt zwar scheußlich, aber meine Zunge hat gehalten), aber eingebaut verkeilt sich das Gestänge scheinbar dauernd.
Hat irgendwer eine Ahnung ob man das Teil zerlegen kann, bzw, eine andere Unterdruckdose verbauen kann? Das Originalersatzteil - MD106720 ist laut Mitsubishi Österreich nicht mehr lieferbar, und im Netz finde ich nichts. Schrauben hätte ich jetzt auch keine gefunden, um da mal reinzusehen ob sich vielleicht irgendwas an der Feder verklemmt hat.

In dem Zusammenhang eine 2. Frage: sollte sich das Gestänge bewegen, wenn ich den Motor im Stand hochdrehe? Dann könnte ich das zumindest optisch überprüfen, ob sich wirklich nichts bewegt, oder vielleicht ganz woanders ein Problem besteht. Oder funktioniert das nur unter Last?

Bin auf alle Fälle für jede Hilfe dankbar - in 4 Wochen soll es nach Korsika gehen, und mit der derzeitigen Motorleistung kommen wir kaum über die Alpen...

lg
Patrick (mit dem langsamsten L300 des Forums)

Nachtrag: der örtliche Turbo-Spezialist hast gemeint er könne mir vielleicht helfen, wenn ich ihm die genaue Teilenummer des Turbos sage. Leider ist die so dämlich aufgedruckt, dass ich keine Chance habe da ohne ein Periskop hinzukommen. Kennt vielleicht jemand von euch die entsprechende Nummer für einen LNXTL6 (GLX(4DOOR/TURBO),5FM/T LHD). Es ist noch der ölgekühlte Turbo.
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bm
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Re: L300 Unterdruckdose reparieren?

Beitragvon bm » 17.06.2019 - 14:59

Hallo Patrick

Das ist keine Unterdruckdose sondern eine Druckdose.
Bei ca. 0,7 bar Druck soll die Stange den Hebel am Turbo betätigen.
Kommt der Schlauch der Membrandose direkt vom Turboausslass oder geht der erst noch über ein Magnetventil?
Sind die Schläuche überhaupt richtig aufgesteckt?
Ohne Last reagiert die Dose noch nicht.
Im dritten Gang beschleunigen, dann sollte sich was rühren.

Gruss Bernd

1999er,Galloper 2.5 TDI,Plechfelgen,lang,Basic,Nachrüstkat Euro2
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patrick
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Re: L300 Unterdruckdose reparieren?

Beitragvon patrick » 17.06.2019 - 15:45

Hi Bernd,
Druckdose! Verflixt. Danke!
Damit wird mir auch die Funktionalität um einiges klarer. Aber 0,7Bar klingt jetzt nicht allzu viel - um das Gestänge von Hand zu bewegen ist schon ein ziemlicher Kraftaufwand nötig.
Ob der Schlauch richtig steckt bzw. in einem Magnetventil endet kann ich jetzt nicht wirklich sagen, aber ich glaube es ist direkt im Turbo. Ich hab das mal fotografiert um hier keinen Blödsinn zu schreiben.
Der Rechte Schlauch ist der, der zur Druckdose geht.
Aber wenn das nur unter Last schalten soll, muss ich mit etwas überlegen - während der Fahrt kann ich das Gestänge schlecht beobachten...

vieln dank für die Aufklärung schon mal
lg
Patrick
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Re: L300 Unterdruckdose reparieren?

Beitragvon motorang » 17.06.2019 - 16:18

Hi
ich nehme an Du suchst am falschen Ende.
Die Dose kriegt Druck und bewegt das Gestänge,
das Gestänge wiederum betätigt das Wastegate unten beim Turbo (eine Art Drehklappe die die Auspuffgase in Richtung Turbo leitet oder eben nicht).

Ich nehme an dass da eher das Wastegate klemmt.
Einfach mal das Gestänge aushängen und das Wastegate von Hand (bzw mit der Zange) bewegen, es sollte leichtgängig sein.
Wahrscheinlich reicht das "Durchbewegen" schon.

Wenn das Wastegate in Position "offen" steckt hast Du keinen Turbodruck.

Lesestoff: viewtopic.php?f=2&t=8335

PN mir Deine Fahrgestellnummer und ich schau in der ASA nach der Teilenummer der Druckdose.
Die Nummer die Du oben zitierst ist die vom Turbo.

Um die Funktion zu testen kannst Du das Gestänge mit Papierklebeband irgendwo festkleben (Malerabdeckband), eventuell einen kleinen Schnitt als Sollbruchstelle reinmachen. Bei Ansprechen solltest Du nach Testfahrt ein gerissenes Band vorfinden. Oder eine Druckanzeige einbauen, wenn man das provisorisch macht ist das keine große Hexerei. Schlauch, T-Abzweiger, Manometer. Siehe Link oben.

Gryße!
Andreas, der motorang
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patrick
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Re: L300 Unterdruckdose reparieren?

Beitragvon patrick » 17.06.2019 - 18:29

Hi Andreas,
Du hast natürlich Recht - ich hab inzwischen so viele Zettel rumliegen, dass ich die falsche Nummer abgetippt habe. Was ich eingetippt habe, war meine Vermutung für die Nummer vom Turbo aber sicher war ich mir nicht ob sie stimmt (die Zahl hab ich von einer seltsamen russischen Seite).
Die von der Druckdose ist MD103818. Die hab ich vom Generalimporteur, aber das Teil ist eben nicht mehr lieferbar. Andererseits bin ich mir jetzt nicht mehr ganz sicher ob das Ding - wie mein Mechaniker sagte - überhaupt die Fehlerquelle ist. Dicht ist sie - da bin ich mir relativ sicher. Allerdings wenn sich das Gestänge bei 0,7Bar Druck schon bewegen sollte... Ich weiß jetzt nicht was das in Kraft ist, aber 0,7 Bar sollte ich doch sogar mit meiner Raucherlunge erzeugen können - und mit Lungenkraft lässt sich die Dose sicher nicht aufpusten! Hab's probiert.

Aber ja - ich hab in die falsche Richtung gedacht. Langsam erschließt sich mir das Prinzip. Ich werde das Gestänge unten mal aushängen und versuchen diesen Hebel am Wastegate zu bewegen. Falls er nicht will - ist WD40 an dieser Stelle angebracht, oder eher eine Schnapsidee?
lg
Patrick
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Re: L300 Unterdruckdose reparieren?

Beitragvon motorang » 18.06.2019 - 08:54

Hi
ich würd da eher mit einem kriechfähigen alkoholbasierten Rostlöser drangehen.

MD103818 gab es bis 1993, ab da MR187611
den kriegst Du vielleicht noch, der macht bei 0,8 bar auf.

Ich denke der könnte auch passen. An Karosse und Motor wurde bei den Bussen ja nix geändert.

Mit Lungenkraft schaffst Du vielleicht 0,1 bar Überdruck. Trompeter schaffen 0,15-0,2 bar.

Gryße!
Andreas, der motorang
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Re: L300 Unterdruckdose reparieren?

Beitragvon patrick » 18.06.2019 - 09:09

Hi,
Ich hab gestern dann doch ein wenig WD40 an den Hebel vom Wastegate gesprüht (leider nichts anderes daheim gehabt) und heute früh konnte ich das Gestänge bewegen.
Welcher Kraftaufwand ist denn da normalerweise nötig? Ich bin jetzt nicht unbedingt ein Herkules, aber es braucht schon eine Zange und einiges an Zugkraft, um das gegen den Zug der Druckdose zu bewegen...

Der MR187611 würde dann - soweit ich es verstanden habe - erst etwas später den Turbo zuschalten (was mir persönlich jetzt vollkommen egal ist - Rennwagen wird das sowieso keiner mehr, und weniger Verbrauch ist auch kein Fehler) . Dann werde ich wegen dem auch noch einmal bei Mitsu-Österreich anfragen.

lg
Patrick
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Re: L300 Unterdruckdose reparieren?

Beitragvon Hirvi » 18.06.2019 - 09:30

Hallo Patrick!

Ich kenne das nur von meinem Smart CDI, aber ich bekomme da ein Wastegate auch nicht ohne Hilfsmittel bewegt. Man unterschätzt gerne was Druck für Kräfte entwickelt. Andreas hat es ja schon beschrieben.

Es grüßt

Volker
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Re: L300 Unterdruckdose reparieren?

Beitragvon MF » 18.06.2019 - 09:34

Moin

Da verstehst du die Druckdose IMHO falsch.

Bei 0.7 Bar öffnet die Dose, also hast du nie mehr Ladedruck wie 0.7 Bar.

Mit der 0.8 Bar Dose erhöhst du den Ladedruck .

Gruß Mario
Galloper 2.5 Exceed
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Re: L300 Unterdruckdose reparieren?

Beitragvon motorang » 18.06.2019 - 15:17

Hallo

Wastegate = Abfallklappe.

Das Abgas wird von Leerlaufdrehzahl weg durch den Turbo geleitet. Das ergibt einen gewissen Ladedruck HINTER dem Turbo. Dort geht das Druckschläucherl zur Druckdose.
Ab einem gewissen Ladedruck wird über das Gestänge das Wastegate geöffnet, und der Abgasstrom kann am Turbo vorbeirauschen - der Ladedruck sinkt.

Wenn der Ladedruck zu hoch wird nimmt der Motor Schaden bzw wird die Ansaugluft zu stark hochgeheizt (Ladeluftkühler erforderlich). Deswegen gibt es nochmal ein extra Überdruckventil das unabhängig von dieser Druckregelung öffnet (dann pfeifts unter dem Sitz).
Der Ladedruck ist schon von vielen Leuten schadlos auf 0,8 bis 0,85 bar geregelt worden. Einfach mal die Links lesen ...
Hier nochmal:

Lesestoff: viewtopic.php?f=2&t=8335 (da sind auch gleich im 2. Beitrag weitere Beiträge verlinkt).

Gryße!
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Re: L300 Unterdruckdose reparieren?

Beitragvon patrick » 18.06.2019 - 15:20

Oh! Also hatte ich es bislang wirklich komplett falsch.
Also ist die Funktion: Turbolader gibt Druck auf die Druckdose -> Druckdose bewegt ab 0.7 Bar den Wastegate um Druck im Turbolader abzubauen und ans Abgassystem abzugeben. Es handelt sich also um eine Art Sicherheitsventil. Oder lieg ich wieder ganz daneben?
Oder
Was aber nach meiner Logik bedeutet, dass wenn nur die Druckdose sich nicht bewegen würde, weil das Gestänge klemmt, oder die Membran undicht ist, eigentlich mehr (oder eher zu viel) Leistung da sein müsste, da das Wastegate nicht entlastet bis der Motor kollabiert. Also muss entweder das Wastegate nicht mehr ganz schließen (beweglich ist es ja), oder es liegt ein anderes Problem vor - ich hab ja zu wenig Leistung.
Wobei es gefühlt in der Stadt eigentlich ganz okay ist - der richtig auffällige Leistungsverlust ist eigentlich nur auf der Autobahn beim bergauffahren bemerkbar.

lg
Patrick (der ein blutiger Laie ist - sorry für die vielleicht blöden Fragen)
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Re: L300 Unterdruckdose reparieren?

Beitragvon MF » 18.06.2019 - 15:52

Moin

patrick hat geschrieben: Es handelt sich also um eine Art Sicherheitsventil.


Passt so. :-)

Was ich schon mehrfach hatte,
dass der Schlauch der Druckschlauch der vom Turbo zur ESP führt nicht drauf steckte.

Vom Turbo geht ja eine Leitung zur Dose und eine zur ESP.
Bei mir geht sie vorher zu einem Magnetventil und dann zur ESP.

Bei dir sollte das direkt dahin gehen.

Diese Leitung gibt in der ESP mehr oder weniger Diesel frei.

Wenn sie bei mir abgerutscht oder zu löchrig war/ist,
fühlt sich das Auto an wie von dir beschrieben.

Bei niedriger Drehzahl und Stadt/Landfahrten merkt man es noch nicht so,
aber am Berg oder auf der AB braucht es ewig bis man auf Geschwindigkeit ist,
als ob einem 30PS fehlen.

Gruß Mario
Galloper 2.5 Exceed
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Re: L300 Unterdruckdose reparieren?

Beitragvon patrick » 18.06.2019 - 19:54

Ui! Das ist natürlich ein ganz heißer Tip.
Damit würde sich auch erklären, warum ich plötzlich so einen niedrigen Verbrauch habe (normal hat der Wagen ca. 450km Reichweite - derzeit über 520km). Da werde ich morgen Vormittag mal den Schlauch wechseln und berichten, ob sich etwas geändert hat.

lg
Patrick
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Re: L300 Unterdruckdose reparieren?

Beitragvon patrick » 20.06.2019 - 07:35

Moin,

also das Auswechseln der Schläuche dürfte es nicht gewesen sein. Jetzt hab ich neue blitzblaue racing-Silikonschläuche verlegt (etwas anderes war in der Geschwindigkeit nicht zu bekommen), und eigentlich fühlt es sich an wie zuvor... :cry: Zumindest in der Stadt. Autobahn kann ich erst heute testen.
Morgen bekomme ich einen Manometer und hoffentlich eine kleine Handpumpe um den Ladedruck zu messen - dann bin ich vielleicht etwas schlauer.

Aber nachdem das Wastegate sich (zumindest manuell) bewegen lässt, und die Schläuche als Fehlerquelle jetzt auch ausfallen, bekomme ich ein wenig Angst, dass die Ursache des Problems vielleicht die ESP sein könnte. Die hat ja schon einmal recht massive Probleme gemacht, und die Beschreibung von Mario umreißt das Problem sehr akkurat.

lg aus Wien
Patrick

PS: falls mal jemand hier die Druckschläuche wechseln will: es sind 4mm Schläuche.
PPS: Falls jemand in Wien zufällig 5mm Druckschlauch (blitzblau) braucht. Kann er sich gerne bei mir abholen :roll:
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Re: L300 Unterdruckdose reparieren?

Beitragvon Beda » 20.06.2019 - 09:42

Hallo Patrick,

Bild
https://www.motair.de/index.php?id=bauform-wastegate
Auf diesem Bildchen hast Du die komplette Ladersteuerung wie bei deinem L.
Die meisten Fehlermöglichkeiten hast Du schon abgearbeitet.
Eine Möglichkeit wäre noch, daß die Wastegate-klappe abgefallen ist und in den Auspuff verschwunden ist.
Das muß nicht bedeuten, daß der Lader Schrott ist. Wäre aber ein Suchaufgabe und es braucht eine Idee für eine sichere Reparatur.
Grüße vom Galloperflüsterer ohne Galloper

Beda

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