Beschreibung L300 4x4

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motorang
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Re: Beschreibung L300 4x4

Beitragvon motorang » 24.04.2013 - 10:49

Tach

Ich fand gerade im UK-Forum ein sehr schönes Bild. Da hat CaptainVeg eine ungefähre Innenansicht eines L300 4x4 gebastelt:

http://www.mdocuk.co.uk/forums/viewtopi ... 063#334063

Bild

Sogar als Linkslenker! Allerdings eine Version mit drei Sitzen vorne (entweder die Automatiks sind so, oder es ist ein 2WD cockpit).
Als "Unterlage" zum Ausbauten skizzieren jedenfalls sehr nett.

Gryße!
Andreas, der motorang
L300 4WD Technik-FAQ unter motorang.com/L300
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motorang
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Re: Beschreibung L300 4x4

Beitragvon motorang » 07.08.2013 - 20:21

Tach,
nachdem man in den Technikabteilungen naturgemäß oft nur die Problemstellen beleuchtet findet, möchte ich hier schnelle einen kleinen Text reinkopieren den ich auf unserer heurigen Urlaubsfahrt geschrieben habe und der versucht eine etwas ganzheitlichere Sicht der Dinge geben, ein Resümee über die letzten knapp 50.000 km und 5 Jahre.

Der L300 hat uns gerade wieder mal recht problemlos durch ein paar tausend Kilometer Europa getragen. Es ist einer aus der letzten Serie (1996) mit zuschaltbarem Allrad, manuellen Freilaufnaben und 87 PS Turbodiesel mit 2500 ccm.

Wir waren mit voller Beladung unterwegs inklusive Dachzelt Eezi Awn 180 (das maximalgroße), Campingmöbeln, Sperrholzausbau, zu dritt belegt, mit Kühlbox und Kochzeug und allem. Auf der Anhängerkupplung nochmal 50 kg Fahrräder.
Genau dafür wurde der Wagen angeschafft, und genau das tut er recht brav.

Er ist dank dem kurzen Radstand und der Pajero-Basis wendig und schmal genug für ligurische Innenstädte und französische Bergdörfer. Die Motorleistung reicht um auf außermitteleuropäischen Autobahnen mitzuschwimmen und die LKW-Spur öfter mal zu verlassen. Original und neu sollten das 87 PS sein bei 0,8 bar Ladedruck, unserer schafft nur 0,7 bar aber das reicht auf Strecke für dauernde 110 km/h, was ein gutes Reisetempo ist für den Wagen. Spitze in der Ebene so bei 125 km/h laut GPS aber dann dreht der Motor schon elendig hoch.

Dank der groben Reifen und der Dachlast sind die Windgeräusche jenseits der 100 km/h nicht unerheblich, das Radio kann man dann getrost abstellen und eine Unterhaltung mit den werten Mitreisenden bedarf erhobener Stimme. Bei gut 100 km/h rinnen dann etwa 12 Liter Diesel pro 100 km durch die mechanische Einspritzpumpe (bei nacktem Wagen ohne Beladung und Landstraße waren es mal unter 11, noch nie über 13 bei Straßenfahrerei).

Zur Schonung des Overdrives (ein draufgesetzter 5ter Gang der etwas anfällig auf Volllastfahrerei ist) werden Autobahnsteigungen grundsätzlich im direkten vierten Gang gefahren was bei 100 km/h gut geht, Drehmoment hat der Motor ja satt, und so viel Untersetzung bringt der fünfte Gang dann auch nicht mehr.

Da das Getriebe insgesamt sehr kurz ausgelegt ist, kann man ohne weiteres über größere Räder nachdenken was das Drehzahlniveau absenken würde. Die als Nachrüstung üblichen 235/70-15 sind im Umfang leider etwas kleiner als die originale Asphaltschneiderdimension 215-15.

Wenn man die Kühlanlage mal in Ordnung gebracht hat dann bleibt die Temperaturanzeige im unteren Drittel. Der Originalkühler setzt sich im Alter gerne mal zu, Abhilfe schaffte selbst der billige Chinesennachbau mit Kunststoffrahmen, obwohl der nur einreihig ist. Trotzdem behält man als geübter L300-Fahrer die Temperaturanzeige im Auge, auch das Warnlämpchen das nicht immer mit dem Zeiger korreliert. Wenn man nach strammer Bergfahrt für eine kurze (!) Pause anhält sollte man den Motor laufenlassen. Stellt man ihn ab und stoppt damit den Kühlkreislauf dann fängt es im Kühlsystem vernehmlich zu blubbern und zu kochen an, und beim anlassen des Motors ist dann die Temperaturwarnlampe an ...

Die Nähe des Ausgleichsgefäßes zur Batterie (IM Batteriekasten) hat uns bewogen auf eine geschlossene Optima Starterbatterie (rot, und durch die Rundzellentechnologie mit ausreichenden 55Ah) umzusteigen die nicht nur deutlich leichter ist als die originale Bestückung mit 80-100 Ah sondern eben auch nicht unter Flüssigkeitsverlusten zu leiden hat. Zudem wird sie schneller voll, was dann mehr Strom für die nachträglich eingebaute Zusatzbatterie (Kühlbox) übriglässt. Zwei Tage lang kalte Getränke waren auch heuer bei Tagestemperaturen von 35 Grad und sonnigem Stellplatz problemlos möglich (Waeco CF18 Kompressorbox, Banner Running Bull 72 Ah AGM Zusatzbatterie).

Während der Fahrt ist es sommers im Wagen reichlich warm, schließlich sitzt man auf dem Motor. Nicht dass man sich irgenwo die Füße verbrennen würde, aber bei 38° Außentemperatur hatte es im Wagen dann halt 40 oder mehr Grad, man fährt gerne mit offenen Fenstern und wünscht sich eine Klimaanlage (die manche Ausstattungen auch besitzen) oder ein Schiebedach (das manche Ausstattungen auch gesitzen). Die Lüftung tut immerhin was sie soll, und für den Fondpassagier muss ein Zusatzventilator etwas Fahrtwind simulieren. Es ist relativ eng für größere Fahrer, und der linke Haxen klebt gern am Noppenplastik der Türe, bääh ...

Auf kleineren und kurvigen Straßen spielt der Wagen dann seine Stärken schon eher aus. Auch wenn es mal steil wird oder man in eine Einfahrt oder Lücke will wo andere aus Furcht aufzusitzen nicht mehr reinfahren, der L300 krabbelt rein und auch wieder raus. Das allermeiste an losen und steilen Stücken geht mit der vom Fahrersitz aus einzulegenden 50% Untersetzung, nur selten muss ich mal raus und tatsächlich außen an den Vorderrädern die Naben sperren so dass 4WD wirksam ist, um aus einem sandigen Loch rauszukommen oder wenn die Verschränkung nicht ausreicht um beide Hinterräder am Boden zu haben - serienmäßig hat der L300 nämlich keine Sperren und kein Mitteldifferential. Der Allrad kommt nur rein wenn nötig, weil dann ein gewisser Schlupf nötig ist um Schäden an den Differentialen zu vermeiden.

Was unterwegs auffällt ist der Sympathiewert den der knuffige Wagen hat. Man wird öfter mal fotografiert, ausgefragt, kommt leicht mit Leuten ins Gespräch.

Die Zuladung ist nominell nicht sehr hoch, allerdings kann man den Wagen (mit original Stahlfelgen und entsprechend tragfähigen Reifen) relativ gnadenlos überladen, es gibt anscheinend eine Mitsubishifreigabe für eine Auflastung auf 2,8 Tonnen unter genau diesen Voraussetzungen, wobei das angebliche Leergewicht bei 1730 und das höchstzulässige Gesamtgewicht bei 2350 liegt (Werte aus dem Gedächtnis).

Was klar dagegen spricht ist allerdings die nicht sehr leistungsfähige Bremsanlage. Auf die muss man immer ein wenig schauen. Es neigen die vorderen Bremskolben und Klötze zum Klemmen und heißwerden, und hinten die Handbremsumlenkhebel. Frische Bremsflüssigkeit und zumindest zweijährliches Bremsenservice halten die Anlage auf einem akzeptablen Stand - und das ist deutlich weniger aufwändig und teuer als überhitzt gewesene Bremsscheiben vorne zu tauschen! Der geübte L300-Fahrer hat für Notfälle übrigens eine Schraubzwinge im Auto um einen klemmenden Bremskolben zurückzustellen ... Eine ordentlich gewartete Hinterradbremse (Trommel) hält den Wagen zuverlässig am Hang und auf Niveauausgleichskeilen (wegen des Dachzelts), sicherheitshalber ist dann trotzdem die Untersetzung und ein kleiner Gang eingelegt.

Der Wagen ist original recht hart (um nicht zu sagen bockig) gefedert. Nicht sehr komfortabel beim Fahren, aber zum schlafen im Dachzelt gerade recht.
Dachzeltschläfer von neueren Pajeros müssen sich da anscheinend schon eher mit Wagenhebern behelfen.

Unter der nach oben öffnenden Heckklappe steht man lange trocken, die kann bei Regen offen bleiben wenn es nicht stürmt. Bei den übrigen Türen regnet es dann naturgemäß rein, trotz Regenrinne. Im Campingfall empfiehlt es sich bei Regen eine Plane übers Dach zu spannen um nicht über die Zeit einen nassen Innenraum zu bekommen.


Was ich mir wünschen würde:

Einen Tank der weniger rostanfällig ist - mein Dieseltank war nach 15 Jahren durchgerostet. Noch gibt es Ersatz, mal schauen wie lange der hält.
Eine etwas leistungsfähigere Motorkühlanlage und bessere Bremsen (beides halt mit etwas mehr Reserven)
An wenigen Tagen im Jahr eine Klimaanlage.

Abgesehen von den üblichen Wehwehchen alter Autos funktioniert der L300 richtig gut für unsere Zwecke - und hoffentlich noch lange. Erlegen wird ihn wohl der Rost, die Radläufe sind teilweise zum zweiten Mal eingeschweißt und um die Scheibenrahmen knuspert es auch.

Lichtmaschine wurde einmal überholt.
Bremsleitungen sind inzwischen rundum neu. Und so halt.

Es ist für mich sicher kein Auto um täglich in die Arbeit zu fahren, oder um jede Kleinigkeit von der Mitsubishiwerkstatt erledigen zu lassen. Und auch die Teilepreise sind japantypisch fallweise utopisch. Eine Türdichtung um jenseits der 100 Euro? Aber noch gibt es Gebrauchtteile und Nachfertigungen ... (leider nicht von allen relevanten Teilen).

Der Wagen ist recht frei von elektronischen Kinkerlitzchen, hat Fensterkurbeln und keine Wegfahrsperre, kein AGR-System, keinen Russfilter, keinen Okxikat. Ideal für unterwegs und für ein (technisch) langes Leben, immer schwieriger für europäische Innenstädte. Das ist Szenario 2 der Außerbetriebsetzung. Bevor ich irgendwann das Grundstück nicht mehr verlassen darf wird der Wagen auf eine mehrjährige Weltreise gehen müssen ...

Gryße!
Andreas, der motorang
L300 4WD Technik-FAQ unter motorang.com/L300

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