Ukraine im März 2015 (+ Transnistrien + Moldawien)

Wälder, Weite, Moscheen und Basare

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Ukraine im März 2015 (+ Transnistrien + Moldawien)

Beitragvon Navigator » 15.09.2015 - 22:27

Servus,

dieses Jahr führte mich der Weg nun bereits zum zweiten Mal in die Pridnestrowische Moldauische Republik, oder einfach kurz Transnistrien. Wie lange versprochen kommt nun hier der Reisebericht zu meiner ersten Reise im März 2015 dort hin, und gleich dahinter dann der zur zweiten Reise Anfang September.

Ziel der ersten Reise war ja gar nicht Transnistrien; das lag eigentlich nur praktisch auf dem Weg. Mir ging es vor allem darum, die Ukraine (in den sicheren Gebieten) kennen zu lernen, und mir damit auch ein besseres Bild der aktuellen politischen Situation zu verschaffen. Da sowohl mein Reisebegleiter als auch ich eine starke Bahn-Affinität teilen, sollte dies auch das Verkehrsmittel der Wahl werden.

Tag 1: 17.03.15
Anreise, Teil 1

München Hbf ab 06:55
M 79007 Salzburg Hbf
Salzburg Hbf an 08:41

Salzburg Hbf ab 10:08
RJ 765 Wien Westbahnhof
Wien Westbahnhof an 12:30

Wien Hauptbahnhof ab 14:21
REX 2520 Bratislava hlavna stanica
Bratislava hlavna stanica an 15:26

Bratislava hlavna stanica ab 19:55
Kurswagen nach Košice
Košice an 07:41


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So richtig angefangen hat die Reise eigentlich in Bratislava - bis dahin bot die Strecke für uns wenig neues, bis auf den nagelneuen Wiener Hauptbahnhof (der von innen den geschmackvollen Charme der 50er verstrahlt) und die landschaftlich ungewöhnlichste Bahnstrecke Österreichs (Wien - Marchegg) - wo sonst gibt es dutzende Kilometer lange grade Bahnstrecken über flache Felder in Österreich? Im Bild der sozialistisch zeitlose *hüstel* Bahnhof von Bratislava. Für das Foto habe ich sogar gewartet, bis der freundliche Obdachlose mit der Bierdose in der Hand (nicht im Bild) sich vollends entleert hatte.

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Bratislava ist ein durchaus sehenswertes sehr hübsches Städtchen, dem man in der Altstadt die k.u.k.-Vergangenheit an jeder Straßenecke anmerkt.

Von Bratislava gibt es einen direkten Kurs-Schlafwagen nach Kiev. Da dieser aber zu unmenschlicher Uhrzeit, um 05:55 in Bratislava abfährt, haben wir uns entschlossen, mit dem Kurs-Schlafwagen der Slovakischen Eisenbahnen nach Košice bis ebendort vorzufahren. Weiterer Grund dafür ist, dass der Zug, an dem dieser Schlafwagen die erste Hälfte der Strecke hängt, einen slovakischen Speisewagen führt - und den zu schlagen, ist schwer, denn er bietet extrem gutes, frisch zubereitetes Essen zu selbst für slovakische Verhältnisse lächerlichen Preisen. Für diesen Preis nehme ich sogar den ziemlich furchteinflößenden Koch in Kauf, der immer wieder durch den Wagen rennt, um irgendeinen Knopf zu bedienen, und dabei die Teller mit einem Blick kontrolliert, der vermuten lässt, dass er plant, jeden, der nicht aufisst, selbst zu verspeisen.

Außer uns sitzen im Speisewagen übrigens noch der dritte Passagier des Schlafwagens, sowie eine Gruppe von 3 Personen, die die Speisewagenbedienung wohl gut kennen - zumindest setzt sie sich nachdem sie uns unser Essen gebracht hat zu ihnen und kramt aus irgendeiner Ecke eine Flasche Becherovka hervor, welche von den vieren in der nächsten halben Stunde geleert wird.

Tag 2: 18.03.15
Anreise, Teil 2

Košice ab 12:04+20
Kurswagen nach Kiev
Lviv an 00:43


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Stilvolles Frühstück im slovakischen Speisewagen auf dem Bahnsteig in Košice. Man merkt: Wir sind noch in Mitteleuropa. Ich vermute, das Croissant besteht aus einem dünnen Schokostäbchen, dass so lange auf dem Bahnsteig in Košice im Dreck gerollt wurde, bis es Croissantform annimmt.

Der Schalteristin in Bratislava konnten wir leider nicht klar machen, dass wir gerne für morgen eine Fahrkarte von Košice nach Lviv hätten; daher gaben wir das dann auf und probieren es am zweiten Tag in Košice mit etwas mehr Erfolg nochmal. Den Vormittag nutzen wir zu einem kleinen Stadtrundgang durch Košice - nachdem wir die Stadt aber erst im November besucht haben, ist nicht sonderlich viel neues dabei, außer noch mehr Baustellen.

Leider hat der Zug, der den ukrainischen Wagen aus Bratislava bringt, ordentlich verspätet. Da der Wagen ja dann auch noch umrangiert werden muss, verlassen wir Košice mit dickem Plus.

Der Kurswagen Bratislava - Kiev wurde von den UZ (Ukrzalyzniza, Ukrainische Staatsbahnen) sehr spontan improvisiert, da die Russische Staatsbahn kurzfristig zum Fahrplanwechsel ("aus Sicherheitsgründen") im letzten Dezember sämtliche Verbindungen über die Ukraine nach Mittel- und Westeuropa eingestellt hat. Der Wagen hängt daher von Košice bis Čierna nad Tissou, dem letzten slovakischen Bahnhof vor der Grenze, an einem lustigen Lokalzug, der nicht nur an jeder Milchkanne sondern eher an jeder Euterzitze hält.

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Sicherheitshinweis im UZ-Wagen mit kreativer englischer Übersetzung.

In Čierna werden wir mal wieder umgehängt, an einen Zug, der auch sonst nur zwischen Čierna und Chop, dem Grenzbahnhof auf ukrainischer Seite, pendelt. Dieser Zug fährt vom Bahnhof weiter zu einem kleinen Häuschen, welches direkt an der martialisch abgesicherten Grenze steht - hier steigt die slovakische Polizei zur Ausreisekontrolle zu. Uns kontrollieren zwei freundliche Herren, und obwohl ich kein tschechisch oder slovakisch kann, ist es relativ offensichtlich, dass der eine den anderen für einen Idioten und ziemlich unfähig hält. Dennoch verzweifeln sie beide am scheinbar recht neuen Pass-Einlesegerät, wie sie uns zu verstehen geben aufgrund von fehlendem Handynetz. Zudem streiten sie sich über unsere Nationalität - während der eine fortwährend "Nemec! Nemec!" (deutsch) ruft, deutet der andere auf einige Zettel mit dem ÖBB-Logo auf unserem Tischchen und ruft "Rakúsky! Rakúsky!" (österreichisch). Letztlich schauen sie dann beide doch irgendwann einfach im Pass nach, und nach noch längerer Warterei lassen sie uns dann passieren.

Auf ukrainischer Seite ist die Strecke hermetisch mit meterhohen Zäunen, Natodraht und Stegen über unseren Köpfen, auf denen Soldaten patroullieren, abgeriegelt. Die Einreise in Chop ist dennoch unproblematisch. Ein gelangweilter Grenzer haut einen Stempel in unsere Pässe, eine Zöllnerin lässt sich unseren Kofferinhalt durchwühlen. Nach einigem erklären kann ich ihr auch klarmachen, dass meine Tabletten zwar von zwei verschiedenen Firmen kommen, völlig anders aussehen, aber dennoch das selbe drin ist (verdammte Generika).

Übrigens kommen die Grenzer auch nur zu uns in den Wagen - alle Fahrgäste, die nur mit dem Pendelzug ankommen, reisen im Empfangsgebäude von Chop ein (das übrigens auch sehr sehenswert ist von innen, Bilder gibts im zweiten Bericht).

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Anschließlich werden wir in die Umspuranlage geschoben. Unser Wagen bekommt hier innerhalb der nächsten 3 Stunden die Drehgestelle ausgewechselt. Dafür wird der Wagenkasten mit diesen blauen, verschiebbaren Hebevorrichtungen angehoben, und die Normalspurdrehgestelle gegen russische Breitspurdrehgestelle ausgetauscht.

Mitten in der Nacht kommen wir in Lviv an und verschwinden umgehend im Hotel, das zum Glück relativ nah am Bahnhof liegt.

Tag 3: 19.03.15
Lviv/Lemberg

Lviv ab 23:16
99 Ujgorod - Kiev
Kiev Passagerny an 07:23+11


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Auch in Lemberg, Lviv, Lvov, wie auch immer, lebt die k.u.k.-Zeit weiter. Die große Prachtstraße, der Prospekt Svobody, sollte einmal ein etwas verkleinerter Nachbau der Wiener Ringstraße werden. Auch das Opernhaus ist eine verkleinerte Kopie der Wiener Oper.

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Verkehrschaos am zentralen Markt. Der Verkehr wälzt sich aber immerhin an der pittoresken Altstadt vorbei.

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Zum Burgberg hin - etwas abseits der Touristenpfade

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Lviv ist mit einer knappen Million Einwohner wesentlich größer, als das Stadtzentrum vermuten lassen würde.

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Im Norden der Stadt dominieren die sozialistischen Großwohnsiedlungen

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Blick auf die Altstadt vom Burgberg

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Im Bereich der Altstadt dominiert wunderbares Kopfsteinpflaster. Die Kirche im Hintergrund ist eine griechisch-katholische Kirche, welche sich von der griechisch-orthodoxen wohl quasi nur dadurch unterscheidet, dass sie den Papst anerkennt.

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Der Marktplatz auf der Rückseite des Rathauses. In einem der Häuser hat sich vor vielen vielen Jahren ein reicher Kaufmann einen prunkvollen italienischen Innenhof bauen lassen; leider hat das Gebäude aber zu.

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"Lemberg macht frei" liest man immer wieder in der Stadt. Dahinter steht die Aktion eines Aktionskünstlers, der damit satirisch die Doktrin der russischen Staatsmedien, dass im Westen der Ukraine sowieso alle Nazis sind, umsetzt.

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Lviv hat eine große armenische Minderheit, das ist die zugehörige armenische Kirche.

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Noch ein Blick auf das hübsche Opernhaus. Inzwischen zeigt sich kurzzeitig auch immer mal wieder die Sonne.

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Auf dem Prospekt (dem Ring-Nachbau) steht auch das Denkmal für Taras Schewtschenko, dem ukrainischen Goethe, der zusammen mit Iwan Franko zu den ersten Schriftstellern zählte, der statt Russisch die vermeintlich primitivere ukrainische Sprache für seine Werke wählte, und damit quasi der Vater der ukrainischen Nationalbewegung ist. Vor diesem Denkmal fand 2014 der Lviver Ableger der Euromaidan-Proteste statt...

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...ein letzter Rest davon hat sich sogar noch gehalten. Auf dem gesamten Prospekt Svobody sind übrigens Camouflageträger unterwegs, die Spenden für die Freiwilligenbattallione im Dombass sammeln.

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Das Rathaus (links) und der Marktplatz von der Vorderseite

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Etwas außerhalb des Stadtzentrums befindet sich der Lytschakivskyj-Friedhof. Am Rande des Friedhofs finden sich die frischen Gräber, und Särge, die noch nicht begraben sind, aber unter den Dekorationen kaum sichtbar sind.

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Der Rest des Friedhofs - abseits des akkurat-kühlen Soldatenfriedhofs des Polnisch-Gallizischen Kriegs - ist sehr verwunschen

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Und weil uns das Gelatsche auf den Burgberg noch nicht gereicht hat, quälen wir uns sogar noch den verdammt hohen Rathausturm rauf. Von dort oben gibt es allerdings einen durchaus sehenswerten Blick auf die Altstadt, hier wieder die griechisch-katholische Kirche.

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Von links nach rechts hinter der Kirche verläuft der Prospekt Svobody

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Ein abschließender Blick auf das Zentrum von Lviv. Wer findet den italienischen Innenhof? :)

Wir begeben uns des Abends dann wieder zum Bahnhof, um den Zug nach Kiev zu nehmen. Wie meistens im Breitspurland, also dem ehemaligen sowjetischen Schienennetz, führen die Nachtzüge drei Klassen: Lux (2 Personen pro Abteil), Kupe (gesprochen wie Coupée, 4 Personen pro Abteil) und Platzkartny (6 Personen in so halb abgetrennten Abteilen). Für Lviv - Kiev haben wir uns ein Lux und je einen Tee (kann man bei der Onlineticket-Bestellung gleich mit angeben) gegönnt. Jeder weitere Tee kostet übrigens 5 oder 6 Hryvnja, was zum damaligen Kurs 20 Cent entspricht.

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Stilvolles Reisen im Lux-Abteil

Alles in allen zeigt sich uns in Lviv eine durch und durch europäische Stadt, die sich ihres touristischen Potentials auch sehr bewusst ist. Vieles davon dürfte noch Nachwirkung der EM 2012 sein. In Lviv sind viele Dinge von touristischem Interesse dreimal ausgeschildert: Auf ukrainisch, auf ukrainisch transkripiert in lateinische Lettern, und auf Englisch. Öffentliche Toiletten haben oft sogar Kloschüsseln. Im Bahnhof wird auf ukrainisch und etwas englisch-ähnlichem durchgesagt ("liiif se steschn sru se tannels"). Was man nicht findet, ist Russisch. Man merkt Lviv an, am westlichen Rand der Ukraine zu liegen.

Tage 4-5: 20.03.15 - 21.03.15
Kiev

Kiev Passagerny ab 21:58+2
105 Kiev - Odesa
Odesa Glovna an 06:59+7


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Wir steigen in Kiev aus dem Zug und befinden uns schlagartig in einer völlig anderen Welt. Lemberg hätte durchaus noch EU sein können - Kiev nicht. Ich fühle mich spontan wie in Zentralasien, wobei ich da zwar noch nie war, mir das aber so ungefähr vorgestellt hätte wie am Bahnhof in Kiev. Grade der Weg vom Bahnhof zur ziemlich weit entfernten Trambahnhaltestelle, der im ersten Abschnitt gesäumt ist von offenen Marktständen, im zweiten Abschnitt vom Versuch, diese Marktstände in ein Mini-Einkaufszentrum umzuwandeln.

Unser Gepäck geben wir in der Gepäckaufbewahrung im Bahnhof ab, die sich als riesige sowjetische Schließfachanlage entpuppt. Die Dame, die die Tokens verkauft, mit der die Schließfächer bedient werden, rattert ihren offensichtlich zur EM auswendig gelernten Satz auf Englisch runter, wie die Dinger zu bedienen sind.

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Der erste Weg führt uns zum Maidan.

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Die Ziffern auf der Uhr sind immer noch von vor einem Jahr kaputt. Das Gebäude hinten, auf dem "Ehre der Ukraine! Den Helden Ehre!" steht, ist das Haus der Gewerkschaften, dass während der gewaltsamen Ausschreitungen ausbrannte. Rechts ein Teil der Schreine, für jedes Opfer einen.

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Ein bewegender Ort. Ständig kommen Leute, die frische Blumen bringen. Die einfach nur andächtig vor einem der Bilder von einem der Opfer niederknien.

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Das ukrainische Wappen aus Grableuchten. Das wird jeden Abend angezündet. Daneben stehen noch "Slava Ukraini, Heroyam Slava" (also wieder Ehre der Ukraine, den Helden Ehre) ebenso aus Kerzen.

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Die Nordseite des Maidans. Zwischen Süd- und Nordseite gibt es keinen Straßenüberweg, keine Ampel, keinen Zebrastreifen. Verbunden sind die Teile nur über ein echtes unterirdisches Einkaufszentrum (zu dem gehören die Oberlichter) sowie eine Straßenunterführung, die, wie überall in der Ukraine, kein grattliges greisliges dreckiges Loch ist, sondern ein kleines Einkaufszentrum, ein kleiner unterirdischer - und verdammt gut frequentierter - Markt, ist.

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Eines der zahlreichen imposanten Klöster in Kiev. Leider hat auch dieses zu.

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Und noch eines!

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Kiev ist eine ausgesprochen hügelige Stadt. Zum Dnipro herab fällt das Gelände schroff ab. Im Bild übrigens nur einer der beiden Arme dieses riesigen Flusses.

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Straßenansicht aus Kiev. Fast alles ist inzwischen gelbblau, in Nationalfarben, angemalt, vom Lampenmast bis zum Geländer am Straßenrand.

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Das Mahnmal für die Opfer der Hungersnöte in der Ukraine, vor allem der von 1932/33. In der Kerze ist ein Glockenspiel, das fortwährend melancholische Töne anschlägt. Ein seltsamer Ort. Scheinbar sind außerdem hohe Staatsgäste aus der Türkei zu Besuch, zumindest ist die Straße dorthin mit türkischen Fahnen geschmückt, und das benachbarte Denkmal für den unbekannten Soldaten ist durch die Polizei abgesperrt.

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Links des Dnipros befinden sich fast ausschließlich sozialistische Großwohnsiedlungen.

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Noch ein Kloster

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Alles aus der selben Klosteranlage am Ufer des Dnipros

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Das ist so ziemlich das gelbblauste Bild das ich finden konnte :)

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Maidan bei Nacht

Unser Hotel... Nunja. Es ist nicht wirklich ein Hotel. Also zunächst scheitern wir mal beim Versuch, das ganze zu finden, wir landen im Hinterhof eines Wohnhauses an einer großen Ausfallstraße Richtung Westen. Also rufen wir mal bei der Telefonnummer an, die auf unserer Buchung steht, und wenige Minuten später steht eine große junge rothaarige Frau vor uns, die uns in einen Hauseingang führt. Es stellt sich heraus, dass unser Hotel kein Hotel, sondern viel mehr eine große Wohnung ist, die sich die dort wohnende Familie mit Gästen teilt. Es geht alles etwas eng zu, dafür sind unsere Gastgeber ausgesprochen gastfreundlich und fürsorglich. Die Rothaarige scheint den Tag damit zu verbringen, alle halbe Stunde ihre Frisur zu ändern. Dennoch ist die Atmosphäre sehr angenehm, und zumindest ich würde dort jederzeit wieder absteigen.

Kiev bei Nacht ist durchaus schön - es gibt an vielen Ecken kleine Bars, die meisten Geschäfte haben sehr lang auf (der Billa unterm Maidan sogar 24 Stunden), es herrscht also - grade am Wochenende - sehr viel Leben. Am zweiten Tag, einem Samstag, wurde Nachmittags dann auch die Chreschtschatyk, der zentrale Boulevard der Stadt, der auch den Maidan in zwei Hälften teilt, für Autos gesperrt und in eine Fußgängerzone verwandelt - mit zahlreichen Straßenkünstlern, kleinen Ständen und sehr viel Leben.

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Eine Ansicht von etwas abseits des Zentrums

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So sieht es dann hinter den Buden aus - alles ein durchgehender Markt rund um diese Kreuzung

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Das örtliche Theater

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Zum Abschluss noch eine Innenansicht des Bahnhofs

Kiev zeigt sich uns als wesentlich russischer als alles andere bislang. Dennoch versprüht die Stadt einen starken Nationalstolz - weniger im Sinne eines Nationalismus im Sinne von "Wir sind besser als der Rest", sondern eher "Wir sind ein Volk und müssen zusammenstehen".

Tage 6-7: 22.03.15 - 23.03.15
Odessa

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Viel zu früh fallen wir in Odessa aus dem Zug. Es ist kalt, es riecht nach Meer - und die Völkerwanderung aus dem Zug Richtung Bahnhofsgebäude beginnt. Unser Zug ist gesteckt voll, er ist auch quasi der Pracht-Zug der UZ.

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Schon der Bahnhof lässt etwas von der Schönheit der Stadt erahnen.

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Vor dem Bahnhof steht ein großer Militärkonvoi. Insgesamt sind Menschen in Camouflage in der Ukraine sehr präsent, ich denke aber, dass nur wenige davon dem Militär tatsächlich angehören. Viele sammeln, wie auch in Lviv oder auf dem Maidan, Spenden für Freiwillige im Dombass.

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Odessa ist als Planstadt angelegt. Ursprünglich gegründet von Katharina der Großen und als "Sankt Petersburg des Südens" konzipiert, merkt man der Stadt an, dass sie sehr stark russisch beeinflusst ist. Die Altstadt liegt auf einem rechteckigen Straßengitter aus breiten Alleen mit prunkvollen Häusern in mal besserem, mal schlechterem Zustand.

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Sonntag früh morgens ist natürlich auch absolut nichts los.

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Die zahlreichen Drähte sind ein Gewirr aus Telefonleitungen, Stromleitungen, Straßenbeleuchtung und Oberleitung für den Trolleybus.

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Die Promenade am Meer, die die zwei Hauptsehenswürdigkeiten Odessa, das Opernhaus (sehenswert) und die Potempkintreppen (sehenswert nur für Steintreppenfanatiker mit Hang zu dunkelgrauen Steintreppen), miteinander verbindet. Touristen machen sich rar, was wir auch nicht zuletzt an den lächerlichen Hotelpreisen merken.

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Imposant nimmt sich das Opernhaus mit seiner reich verzierten und unendlich detailreichen Fassade aus. Da verzichte zumindest ich sehr gerne auf Nachbauten der Wiener Oper.

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Dieser Platz ehrt Katharina die Große, die jedoch konsequent nur als Katharina II. bezeichnet wird.

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Der Weg zu den Potempkin-Treppen. Das moderne Hochhaus im Hintergrund ist der Kreuzfahrthafen, der übrigens - wie nicht nur wir, sondern auch ein ukrainisches Pärchen feststellen durften - keine geöffneten Toiletten besitzt.

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Der freundliche Herr ist der erste Stadthalter von Odessa, der die Stadt eigentlich erst so richtig populär gemacht hat. Der Platz (am oberen Treppenabsatz der Potempkintreppe) wirkt irgendwie ziemlich italienisch...

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...was nicht zuletzt an den dort vertriebenen Waren liegen dürfte.

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Strand oder Uferpromenade gibt es hier übrigens weder noch - Odessa ist eine Hafenstadt, die das Wort "Hafen" wohl ziemlich ernst nimmt. Das ist der Hafen unmittelbar westlich des gezeigten Kreuzfahrtterminals.

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Durch Teile der Stadt zieht sich ein enges Tal, welches von Brücken überquert wird und aus Sicht der "oberen Etage" wie ein Loch im Stadtbild wirken.

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Dieses Denkmal ist vermutlich inzwischen Geschichte. Zwei Monate nach unserer Reise hat die Werchowna Rada, das Parlament in Kiew, ein Gesetz verabschiedet, das vorschreibt, dass sämtliche Denkmäler, die an die Sowjetzeit erinnern, entfernt werden müssen. Das hat inzwischen auch den meisten der letzten paar Hundert Leninstatuen in der Ukraine den Kopf gekostet.

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Und ich weiß zwar nicht, wer der General ist, den die Büste darstellt, aber schon alleine diese Plakette dürfte Grund genug zur Entfernung sein. Ebenso betroffen sind übrigens Straßen- und Ortsnamen. Betroffen davon ist als prominentestes Beispiel auch die Stadt Dnjepropetrowsk, welche nach Grigori Petrowski, einem der Hauptverantwortlichen für die große Hungersnot 32/33 benannt ist. Man konnte sich wohl inzwischen darauf verständigen, die Stadt umzubenennen in "Dnjepropetrowsk" - Stadt am felsigen Dnepr.

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Ein völlig anderes Bild gibt der große Markt unmittelbar westlich des Bahnhofs ab. Es handelt sich angeblich um den größten überdachten Markt in einer ehemaligen Sowjetrepublik. Wer fordert, dass die Ukraine sofort Teil der EU werden soll, der schaue sich bitte zuerst das an - da ist noch sehr viel zu tun. Und Waschbenzin, dass in Wasserflaschen verkauft wird (die nicht umbeschriftet wurden), muss jetzt auch nicht zwingend sein.

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Sprung zurück in die Altstadt, wo Museum und Nachbildung der Laookon-Gruppe Griechenland vermuten lassen - oder eher eine Disney-Interpretation davon.

Odessa ist eine durch und durch sehenswerte Stadt. Politisch - nunja, ich glaube, in Odessa wären die meisten Leute einfach froh wenn Ruhe wäre. Meinem Gefühl nach herrscht da weder große Nationaltümelei noch Russland-Hass oder -Liebe - Menschen aus Odessa sind halt einfach Menschen aus Odessa. Die Stadt leidet ziemlich unter der politischen Situation, inzwischen gibt es wohl sogar Anweisungen von oben an korrupte Polizisten, die Touristen doch bitte in Ruhe zu lassen, da es eh schon so wenige sind. Im Zentrum, wo es ganze Shopping Malls gibt, die ausschließlich auf russisches Luxus-Publikum ausgerichtet sind, herrscht gähnende Leere, was dem Vernehmen nach wohl nicht nur daran liegt, dass wir im März dort waren. Odessa hat ein wichtiges wirtschaftliches Standbein damit verloren, was mittelfristig fatale Folgen auch für die weitestgehend extrem marode Infrastruktur der Stadt haben dürfte.

Tag 8: 24.03.15
Transnistrien

Tiraspol ab 19:20+20
642SH Odesa Glovna - Chisinau
Chisinau an 21:44


Um zu unserem Flug nach Chisinau zu kommen, stand noch etwas zwischen uns und dem "richtigen" Moldawien: Transnistrien. Eine genauere Beschreibung der politischen Situation und alle Bilder dieses Reiseabschnitts packe ich in den zweiten Bericht, da der sich vorrangig um Transnistrien dreht und es sonst glaube ich recht viele Dopplungen gibt.

Von Odessa fahren wir jedenfalls mit einem transnistrischen Mercedes Sprinter gen Grenze. Wir haben den schlimmsten Platz erwischt - den mit null Beinfreiheit, da er direkt über der Achse liegt. Vor Abfahrt geht eine ältere Dame durch den Bus und verteilt Ikonen - als sie dann nochmal durchgeht und Geld dafür will, bekommt sie von den meisten statt Geld ihre Ikonen wieder zurück.

Von Odessa bis zum ukrainischen Grenzort Kurtschugan verläuft die Straße eigentlich ausschließlich gradeaus über Felder. Ab und zu wird mal ein kleines Dorf mit von der Straße sehr weit entfernten Häusern durchquert. Vor dem Ort Kurtschugan steht eine martialische Militär-Straßensperre. Betonblöcke zwingen alle Fahrer zu Schikanenfahrten, Panzersperren sollen verhindern, dass der Russe aus Transnistrien nach Odessa marschiert. Mürrische ukrainische Soldaten pflegen entweder ihren Panzer oder kontrollieren mit festem Blick alle vorbeikurvenden Autos.
Die ukrainische Grenzabfertigung ist dafür ausgesprochen modern, da sie erst vor wenigen Jahren mit EU-Mitteln völlig erneuert wurde. Davor war die Grenze zwischen der Ukraine und Transnistrien quasi offen. Die Abfertigung geht für uns recht schnell.
Die transnistrische Grenze steht wider Erwartens der ukrainischen nichts nach, im Gegenteil. Eine Zöllnerin würde scheinbar gerne unsere Koffer durchsuchen, da niemand von uns beiden aber russisch versteht, gibt sie nach dem zweiten Versuch dann doch lieber einfach auf. Ein Grenzer bittet uns hinaus, da wir die einzigen beiden wirklichen Ausländer im Bus sind. Auf unseren Einreisekarten haben wir Transit angegeben, da wir nur für einige Stunden in Transnistrien bleiben wollten und uns sonst bei den Behörden in Tiraspol hätten registrieren müssen. Der Grenzer versucht auf gebrochenem Englisch von uns zu erfragen, wo wir übernachten, und ist mit Chisinau als Antwort zufrieden. Mit den Worten "Transnistria! Not Moldova. Sixty Kilometers, no photo, no video!" setzt er uns wieder in den Bus.

In Tiraspol, der Hauptstadt Transnistriens, empfängt uns Tanja am Bahnhof. Tanja ist die Assistentin von Andrej Smolenski, dem wandelnden Fremdenverkehrsamt Transnistriens. Er war lange Zeit im Staatsdienst für Radio PMR und ist verantwortlich für so gut wie alles an Tourismus in Transnistrien. Mit Tanja und Andrej machen wir einen kleinen Rundgang durch Bender und Tiraspol, die beiden benachbarten größten Städte im Land.

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Das Zentrum von Bender. Eigentlich wollen wir die Festung Bender besichtigen, leider hat sie aber schon geschlossen. Irgendwie haben wir mit Besichtigungen auf dieser Reise kein Glück...

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Der Tsentralny Rinok in Bender, also der zentrale Markt

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Vor dem Rathaus lädt ein großer Platz zum spazieren, Treffen mit Freunden und Spielen für Kinder ein. Trotz der frischen Temperaturen geht es ziemlich zu. Tanja erzählt uns: wenn du Freunde hast, kannst du in Transnistrien viel Spaß haben. Wenn du alleine bist, nicht.

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Das einzige Zeichen Moldawiens in den Straßen von Bender (und übrigens auch die einzigen lateinischen Buchstaben weit und breit) ist Andy's Pizza, einem moldawischen Kettenrestaurant im Stil amerikanischer Casual-Restaurants. Der Laden ist sogar ganz lecker, sofern man keine Pizza bestellt. Dafür ist die PMR immerhin frei von westlichen Schnellrestaurantketten, wie angenehm.

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Vor dem Parteibüro in Bender

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Zum Dnister hin stehen einige typisch sowjetische Denkmäler. Das untere ist, wie Andrej es formuliert, den Juden gewidmet, die den glorreichen Tag der Befreiung nicht mehr erleben konnten. Das Gebiet der heutigen PMR war damals übrigens von Rumänien als Verbündeter von Deutschland besetzt; dennoch konnten sich grade in der Ukraine zahlreiche jüdische Gemeinden halten, da der Rumäne im Gegensatz zum Deutschen immerhin korrupt war, und dann wurde an die Wehrmacht halt gemeldet, dass in dem Dorf eh schon keine Juden mehr gelebt haben. Die jüdische Kultur ist daher stellenweise erstaunlich präsent.

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Auf der Fahne steht "Alle Macht den Sowjets". Oder wie Andrej es formulieren würde: Das transnistrische Volk ist sehr traditionsbewusst.

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Das ist General Lebed, der eigenhändig den Transnistrienkrieg beendete. Dafür musste er nicht mal mit nacktem Oberkörper durch den Dnister reiten, der konnte das noch so. Mehr zu General Lebed und der Geschichte Transnistrien gibts im zweiten Teil meines Berichtes.

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Wie bei jedem guten Kriesgdenkmal darf auch hier der Panzer nicht fehlen. Die Straße im Hintergrund führt gradeaus auf die Brücke über den Dnister nach Tiraspol zu, welche von russischen Friedenssoldaten bewacht wird; da steht dann auch ein funktionsfähiges Exemplar eines solchen Geräts.

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Andrej zufolge symbolisiert Grün die Landwirtschaft und Rot das Blut, das während des Transnistrienkriegs vergossen wurde. Tanja kommentiert lapidar, dass das aber viel Blut sei - vermutlich wächst deswegen hier nicht so viel. Übrigens gibt es die Flagge schon länger als den Transnistrienkrieg, vermutlich kommt einfach für jeden Krieg ein neuer roter Anstrich dazu.

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25 Jahre PMR. Genau deswegen sind wir auch nochmal runtergefahren.

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Das ist jetzt das Denkmal in Tiraspol - gesammelt für alle Kriege der letzten 100 Jahre zusammen. Nur für den zweiten Weltkrieg gibt es nichts, der Krieg in den 40ern heißt nicht so, sondern "großer vaterländischer Krieg".

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Kiche, Panzer.

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Statt Kirche gäbs auch ne Durchhalteparole.

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Die ewige Flamme sieht etwas traurig aus. Inzwischen ist das alles neu gemacht und saniert worden.

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Fuhrwerkverbot auf der Brücke über den Dnister. Auch hier gehören einige Dörfer rechts des Flusses zur PMR, weshalb die Brücke keine Grenze ist.

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Das ist der unscheinbare Fluss. Unten rechts ist übrigens ein kleiner Sandstrand, an dem man im Sommer baden kann. Leider hatten wir im September keine Badehose dabei.

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Die große Paradestraße in Tiraspol. Hier ist grade die Straßenbaubrigarde am Werk; im September fand hier dann die große Parade statt.

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Die PMR führt als einer der letzten Staaten noch Hammer und Sichel im Staatswappen (von Österreich mal abgesehen...)

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Auch in Tiraspol gibt es Andy's Pizza - rechts daneben auf diesem Foto noch nichts, inzwischen steht dort ein Restaurant der Restaurantkette "Mafia", die angeblich dem ukrainischen Ex-Präsidenten Janukowytsch gehören soll. Sehr passender Name.

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Auch ein großes Kino gibt es in Tiraspol

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Der Tiraspoler Bahnhof. Hier fahren täglich ein Zugpaar Odessa - Chisinau (betrieben durch die CFM, also Moldau) sowie alle zwei Tage der Zug Moskau - Chisinau (bzw. Chisinau - Moskau) (betrieben durch die RZD, also Russland).

Abends reisen wir mit dem Zug nach Chisinau ab. Die Ausreise verläuft problemlos (sie besteht ausschließlich daraus, den zweiten Teil der Einreisekarte wieder abzugeben - mein Mitreisender wurde noch nach dem Namen seines Vaters gefragt, was das soll, haben wir dann erst bei der zweiten Reise verstanden) Im Zug werden wir dann nochmal von einem stattlichen moldawischen Polizisten kontrolliert. Wir konnten uns recht schnell auf Französisch als gemeinsame Sprache verständigen, wobei die Kontrolle sehr locker ablief - als der Grenzer uns fragt, was wir in unserem Koffer hätten, und wir die Koffer gleich aus der Gepäckablage runterhieven wollen, ist er etwas erstaunt dass wir jetzt wirklich unser Gepäck öffnen wollen. Er gibt uns zu verstehen, dass wir uns das sparen sollen, frägt uns, ob wir Waffen oder Drogen dabei hätten und wünscht uns anschließend noch eine gute Reise. Erst als der Grenzer sich verabschiedet hat, merken wir, dass der gesamte Wagen uns beobachtet hat. Der Provodnik (Wagenvorsteher - und da das der Barwagen war gleichzeitig Koch) - kommt zu uns, klopft uns auf die Schulter und gibt uns den Daumen, alle Passagiere die aufs Klo gehen wollen und an uns vorbeigehen grüßen uns mit einem euphorischen "Germania!".

Tag 9: 25.03.15
Chisinau

Wir haben noch einen Tag in Chisinau eingelegt, um auch diese Stadt noch erkunden zu können - und um genügend Zeit zu haben, das Büro für Migration und Asyl im Stadtzentrum aufzusuchen, denn wer über die transnistrische Grenze nach Moldau einreist, hat keinen moldauischen Einreisestempel im Pass. Das kann wohl teilweise zu Problemen führen, und da wir darauf keine Lust und sowieso Zeit haben, gehen wir lieber auf Nummer sicher und lassen uns registrieren. Leider spricht im Amt niemand Englisch, aber mit Aussage "Odessa - Tiraspol - Chisinau" und Pass in der Hand werden wir von jedem verstanden. Es scheint übrigens wirklich egal zu sein - tags darauf stellen wir am Flughafen nämlich fest, dass der Einreisewisch meines Begleiters zwar seine Daten und seinen Vornamen enthält, als Nachname aber mein Nachname drinsteht. Gab aber auch am Flughafen keine Probleme deswegen.

Chisinau an sich wirkt schon beim Verlassen des Bahnhofes um einiges europäischer. Die Stadt macht grade im Zentrum einen jungen und lebendigen Eindruck. Die Innenstadt ist zwar nicht umbedingt schön, aber macht was her - nach einem Erdbeben wurde sie komplett zerstört und wieder aufgebaut, seitdem ist die Hauptachse des Geschehens der Boulevardul Stefan cel Mare si Sfant. Stefan cel Mare si Sfant ist sowieso überpräsent in dieser Stadt; er ist quasi der Nationalheilige und wird von allen politischen Akteuren so hingebogen wie sie es gerne hätten. Der Herr war ursprünglich ein relativ erfolgreicher moldawischer Fürst, der Moldau zwar vor osmanischer Invasion schützen konnte, aber letztlich doch Tribute an die Osmanen zahlen musste. So wurde er für die pro-Rumänier ein Symbol für die Nationale Einheit mit Rumänien, für die Rumänien ablehnenden Kräfte ein Symbol für die Äquidistanz zwischen Moskau und Bukarest; man biegt sich den Herren gerne wie man will.

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Leider sieht nicht alles nett aus

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Im Zentrum der Stadt befindet sich der Kathedralenpark, direkt gegenüber des moldauischen Parlamentsgebäudes

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Auf dem Boulevardul Stefan cel Mar si Sfant geht es eigentlich immer zu

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Das Magasinul UNIC ist das große Kaufhaus der Stadt und erinnert sehr an die Tage, als es in diesem Geschäft zwar alles gab, aber jeweils nur ein Stück davon.

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Bulldogverbot vor dem moldawischen Parlament

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Das Parlamentsgebäude

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Natürlich gibt es für den Retter des Abendlandes auch ein Denkmal. Also den Retter Bessarabiens. Also dem Typen halt, der auf den ganzen Geldscheinen drauf ist.

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Nochmal ein Blick auf den Kathedralenpark

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Abseits des Zentrums

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Hierzulande trinkt man übrigens Bere Chisinau. Ich bin kein Biertrinker, aber dem Vernehmen nach muss es wohl absolut grauenhaft schmecken

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Straßenansicht. Chisinau ist ziemlich hügelig

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Auch in Chisinau gibt es ein Kriegsdenkmal, den Monument-Komplex "Eternitate"

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Der Komplex an sich ist dann doch ein wenig beeindruckender als die Baustelle in Tiraspol; auch wenn sie ganz ohne Panzer auskommt.

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Im Zelt brennt die ewige Flamme, bewacht von zwei strammstehenden Wachsoldaten

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Der zweite Weltkrieg hatte leider geschlossen. Keine Ahnung, warum.

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Auf meterhohen roten Steintafeln wird die Geschichte der moldauischen SSR erzählt. Das letzte Bild zeigt von links nach rechts Weißrussland, Russland und die Ukraine, die das kleine Kind Moldau gerettet haben, wie uns ein älterer Herr, der scheinbar den ganzen Tag am Denkmal verbringt, erklärt. Als er anfängt, die Deutschen zu beschimpfen, geben wir uns als Österreicher aus, was ihn sehr freut.

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Krieg - soviet style. Das 14. Giraffenhals-Battalion marschiert zum Angriff.

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Hinter dem Komplex befindet sich noch ein großer Friedhof. Tipp für alle Besucher: Nein, da hinten ist kein Ausgang. Wir haben es sehr genau kontrolliert.

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Das bedeutet allerdings nicht, dass es nicht interessante Dinge zu sehen gäbe.

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Die Antikorruptionskampagne der Regierung ist in der Stadt sehr präsent; man merkt dann doch die Nähe zu Rumänien. Auch im Büro für Migration und Asyl hingen übrigens überall Hinweise dazu rum.

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Das Chisinauer Fußballstadion. Irgendwie ein besonderer Ort für alle, die Matchball in Moldawien gelesen haben.

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Straßenansicht

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Aus der Reihe "Treppen, die interessanter sind als die Potempkin-Treppen in Odessa", Ausgabe 1

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In Chisinau gibt es zahlreiche Parks, auch einen künstlichen See hat die Stadt relativ zentrumsnah zu bieten. Die Stadt ist erstaunlich grün.

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Deutsch, italienisch, englisch, französisch - egal wo, hauptsache irgendwohin, wo es eine bessere Zukunft gibt.

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Der Chisinauer Bahnhof und ein Mahnmal für die Opfer des Kommunismus

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Vom Kathedralenpark aus führt die Hauptmagistrale in Nord-Süd-Richtung nach Norden weg vom Bulevardul Stefan cel Mare si Sfant. Grade entlang dieser Straße befinden sich zahlreiche Bausünden...

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...munter gemischt mit modernen Bauten

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In der Straßenmitte befindet sich ein kleiner Park. Sogar einen Fahrradweg hat man löblicherweise eingezeichnet.

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Na gut. Verbuchen wir es unter "nice try".

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Auch den Olympia-Athleten der Republik Moldau hat man ein Denkmal gewidmet. Es ist zwar nur eine Handvoll Leute, aber Moldau konnte bereits in seiner jungen Geschichte 7 Medallien erringen, davon 5 Bronze- und 2 Silbermedallien.

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Mit dieser rostigen Werbetafel möchte ich schließen. Die restliche Rückreise - ein Flug mit Ukraine International Airways nach Frankfurt via Kiev-Borispol und anschließende gemütliche Bahnfahrt heim - ist unspektakulär.

Danke an alle die bis hier durchgehalten haben, und falls das noch nicht genug war, gibt es ja noch den zweiten Teil, mit wesentlich mehr Panzern und weiteren Absurditäten aus der PMR.

Viele Grüße,

Dennis

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