Murmansk Teil 2

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Rolandderältere
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Murmansk Teil 2

Beitragvon Rolandderältere » 25.02.2018 - 18:10

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Hallo,

Saint Petersburg hinter- und die Strecke nach Murmansk vor uns:
1.336 Km Straße, also 1 Tag und 2 Stunden auseinander liegen die beiden Städte Saint Petersburg und Murmansk. Meint Google Maps...
Nur wenige Fahrer scheinen diese Strecke wirklich in 26 Stunden hinter sich bringen zu wollen. Wer aber kann der könnte.

Wenn man sich an manche russische Gepflogenheiten im Straßenverkehr erst einmal gewöhnt hat, findet man (wir) diese oftmals sehr logisch.
Bei uns kopieren? Utopisch, oder wahrscheinlich oft tödlich!
Der kleine Teil dieser Strecke im Video zeigt, wenn man so will, eigentlich eine enorme Harmonie zwischen den doch sehr unterschiedlichen Fahrzeugen mit ihren Fahrern: Ich empfinde das in Anspruch nehmen und Anspruch geben funktioniert fast schon perfekt!
Kein Entgegenkommender scheint (wie ich es bei uns oft empfinde) sich darauf zu berufen „Das darf der doch gar nicht...“ und besteht dann auf „sein Recht“.
Auf solch einer zweispurigen Schnellstraße stehen dann auch schon einmal schnell vier oder auch mehr Fahrspuren zur Verfügung.

https://vimeo.com/256788914

Seit einiger Zeit kursieren Videos von brutalen Verkehrsunfällen auf russischen Straßen im Internet.
In Russland gibt es prozentual offensichtlich viel mehr Dashcams in den Autos als bei uns.
Es scheint auch eine viel größere Fangemeinde von Sensationsaufnahmen in einschlägigen Foren zu geben.
Wir finden dass durch diese Informationen, wenn sie dann aus dem Zusammenhang heraus angeschaut werden, ein falsches Bild entsteht!
Es gibt mittlerweile überwiegend Fahrsituationen ( überholen allgemein, aber auch an durchgezogenen Linien, verhalten an Zebrastreifen, Ampeln, Bahnübergängen u.s.w.) bei denen wir größere Disziplin beobachten konnten wie daheim! Objektiv.
Mehrfach erfuhren wir, dass die Kontrollen und darauf folgende Strafen in den letzten Jahren mehr und stark empfindlicher wurden.
Nachahmentswert?

Diese gesamte Strecke dürften Gelände- SUV, Offroader oder einfach Nurgeländefahrende wohl nicht mögen.
Da sie aber vom russischen „Kernland“ in eine strategisch recht sensible Gegend führt, ist ihr Ausbaustandart selbstverständlich perfekt.
Sie beginnt für viele Kilometer vierspurig, wird weit vor der Republik Karelien, passend zum Verkehrsaufkommen zweispurig. Immer in einer Qualität, dass sie auch extrem tiefergelegten „Rennern“ genügen könnte.

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Geländeabenteuer: Nicht auf der Hauptstraße.
Russland hat in den letzten Jahren offenbar enorm in den Straßenbau investiert. Für „Offroader“ bleibt aber trotzdem auch in dieser Gegend noch ausreichend „Playground“ satt.
Rechts und links dieser Straße ändert sich die Streckenqualität laufend.

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Dieser Streckenabschnitt war auf unserem Navi nicht als besonderes Problem gekennzeichnet. Wir bekamen auch keines.

Ab und an schalteten wir vorsichtshalber schon unser gesamtes Allradprogramm ein, konnten wir doch vor keinem Loch wissen, wie sein Untergrund beschaffen ist und wie tief er liegt...

https://vimeo.com/256822295

Da auf solchen Wegen auch mal etwas am Fahrzeug kaputt gehen kann, gibt es an den Überlandstraßen immer wieder Parkplätze mit Hinweisschildern, die bei uns undenkbar wären:

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Die hilfreiche Rampe gibt so manches Mal Gelegenheit, die Gewichtigkeit eines ungewohnten Geräusches, Geruches oder Gewackels am Fahrzeug gründlicher zu untersuchen.
2013, auf dem Weg in Richtung Süden, war sie für uns in Russland sehr hilfreich. Hatten wir doch gewaltige (Kühlwasser-) Temperaturprobleme. Dieses Mal genügte sie uns einfach, beruhigend sehen zu können dass „alles im grünen Bereich“ war.

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Dass Wasser nicht alleine zum waschen da ist, wurde schon viel besungen. Mit unserem Reisemobil gilt es immer wieder nachzutanken.
Wenn es „Wasser satt“ gibt, heißt es abzuwägen, wie viel man denn bunkern sollte.
Jeder Liter wiegt ein Kilogramm, ist somit auch von 2 Seiten zu betrachten: Werden die Straßen schlechter, dankt das Fahrwerk geringem Gewicht. Bleiben sie gut, ändert sich fast nur der Bremsweg.
Unsere heilige Kuh hat einen fest eingebauten Tank mit 47 Litern Inhalt. Noch einmal soviel können wir immer in Faltbehältern dazu transportieren.

Manche Wassertankmöglichkeiten findet man einfach so neben der Straße:

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Diese Brunnenwasserentnahme machen wir eigentlich nur, wenn es kein frisches, aus „öffentlichem“ Hahn, oder vielleicht aus einer Quelle fließendes Wasser gibt.
Zum waschen bleibt es dann gerne einmal im Kanister, das „bessere“ für den Wasserhahn jedoch im Festtank.
Letzteres wird bei jedem Tanken mit Silberionen, wir greifen dabei auf (seit vielen Jahrzehnten bewährtes) „Micropur“

https://www.google.de/search?source=hp& ... QU764XYqW4

zurück, beglückt.
In einschlägigen Reiseforen sind zu diesem Thema schon dicke Bände gefüllt worden...

Auf der Hauptstraße nach Russlands Norden gibt es ein paar gekennzeichnete Wasserstellen.

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Normalerweise wird man auf die schon durch eine Anzahl parkender Autos aufmerksam.
Dort wird dann oft auch in größerem Stil getankt.

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Was da alles so im Wasser versteckt sein kann:

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Bei dieser Gelegenheit auch gleich noch einmal zu den Qualitätsstandarts in Russland:
Verpackte Lebensmittel als Selbstbedienungsware besitzt in allen Kaufläden die Kennzeichnung der Mindesthaltbarkeit. Zusätzlich aber auch noch das Datum der Herstellung!
Wäre vielleicht auch bei uns nachahmenswert?


Weiter entlang dieser Hauptstraße in Karelien gab es leider auch eine sehr traurige Sache:

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Wir konnten im ganzen Stress nicht herauskriegen, was da wirklich passierte.

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Zwei total aufgelöste russische Fahrradtouristen, wild telefonierend und ihr bewegungslos im Straßengraben liegender Begleithund.
So richtig verstanden wir nur „Petrosawodsk“, die vor uns liegende karelische Hauptstadt, und „Veterinärklinik“.

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Da wir selbst 30 Jahre lang, nacheinander, mit 2 Hunden herumgereist waren, ging uns diese Situation dermaßen unter die Haut, dass wir den Patienten mit seinem Frauchen in einer recht strammen Fahrt in die Tierklinik brachten.

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Trotz unser aller Aufregung, war offensichtlich aber der Papierkram, Registrierung u.s.w., erst einmal das Allerwichtigste. Somit wollten wir das nicht noch mehr hinauszögern, und wissen jetzt nicht, ob dieser Hund wieder herumtollen kann.


Einen Tag später hatten wir eine weitere Begebenheit mit einem Fahrradtouristen. Diesmal war es ein deutscher.

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Wir treten immer in die Bremse, wenn wir unterwegs Fahrradtouristen ausmachen, die vielleicht aus unserer Ecke der Welt kommen könnten. Das hat uns, neben dem Erfahrungs- und Gedankenaustausch, jedes Mal sehr angenehme und interessante Bekanntschaften gebracht. Hier tauschten wir auch wieder Erlebtes aus und erfuhren so, dass dieser mit mir zwar das selbe Geburtsjahr teilt, aber seine Reiseart unserer stark widerspricht:
Stolz berichtete er, dass er Russland schon oft bereiste und es so mag, weil er hier absolut willkommen ist und immer Erfolg hatte, wenn er am nächstbesten Gehöft anklopfte um nach einem Schlafplatz zu fragen. Immer erlebe er eine totale Gastfreundschaft inklusive Verpflegung, oft auch noch mit gewaschener Wäsche. Kostenlos, wie er uns versicherte!

In Ländern, die noch weit weg davon sind, zu viel von uns Touristen zu haben, kann man für die Zukunft schnell viel kaputt machen, wenn man die Gastfreundschaft überfordert. Meinen wir.
Da wir seit 1971 einige Regionen auf unseren Reisen wiederholt sahen, fanden wir das leider schon bestätigt.


Ein „paar“ Kilometer westlich, im finnischen Rovaniemi, steht 364 Tage im Jahr der Weihnachtsmann parat (Wirklich, irgendwo muss er ja hin, wenn er bei uns nach der Bescherung durch den Kamin entfleucht.) möglichst jeden vorbeifahrenden zu stoppen und ihn schon einmal auf Weihnachten einzustimmen. Tagtäglich!
Hier in Russland, ebenfalls am nördlichen Polarkreis, hat ein Monument gereicht um ebenfalls sämtliche Touristen zu einem Stopp zur Fotosession zu bewegen.

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Vielleicht glauben nicht viele Russen an den Weihnachtsmann. Da an diesem Baum und ringsherum jedoch viele „Opfergaben“ drapiert sind, vermuten wir schon, dass die Spender alle an irgend etwas glauben...

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Hier, nun schon im Norden, trafen wir auf eine touristische Reisegruppe „aus dem Westen“ von denen wir interessantes erfuhren:
Finnische Expeditions-Offroader „On the road“.
Da sieht man wieder einmal, wie man seinen Tourismus auch aussprechen kann. Die Halbinsel Kola hatten wir also auch schon erreicht.

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Ein wenig neidisch wurden wir als wir erfuhren, dass sie als finnische Staatsbürger schon einmal ein Jahresvisa für Russland bekommen und ganz einfach jeden Tag ein- und ausreisen können.
Und manche das auch tun.
Als Anlieger standen ihnen, im kleinen Grenzverkehr, aber auch die beiden nördlichen eigentlich normal internationalen Grenzübergänge zu Russland offen.
Für uns übrige Bürger der EU war da absolut kein rüberkommen!
Wegen der Flüchtlingswelle in Richtung EU und Deutschland waren diese Grenzübergänge für Nichtanlieger aktuell tabu.

Da die Finnen schon einiges von der Halbinsel Kola kannten, gaben sie uns noch den wirklich guten Tipp, doch die Gegend um Teriberka an der Bahrentssee zu besuchen. Doch davon später...

Kurz vor Murmansk wussten wir von einem Country- und Yachtklub „Ristikent“ in Richtung finnischer Grenze, der offensichtlich auch schon mehrfach von deutschen Autotouristen besucht wurde. Wir lasen angenehmes darüber und waren ein wenig neugierig.

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Als einen Platz, an dem man wohl nur, vielleicht auch für ein paar Tage, seine Ruhe haben möchte, inclusive Ver- und Entsorgungsmöglichkeit, Strom und Dusche, kann man ihn weiterempfehlen.
Bei unserem Aufenthalt waren wir leider die einzigen Touristen. Die Infrastruktur war noch im Aufbau. Zu sehen gab es aber nur hochwertigstes. Das Restaurant auf Warteposten. Nur die moderne Marina war schon gefüllt, mit sehr modernen Motorbooten. Hauptsächlich mit Angelausrüstung in Topqualität.
Die Anmeldeprozedur verlief zwar ein wenig stockend, mit einem Telefonat zwischen uns und dem englischsprachigen Besitzer und Beweisfoto vom Verwalter (er von uns- und wir von ihm):

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Der entschuldigte sich dann aber am nächsten Tag perfekt auf englisch. Und zwar elektronisch:
Das Übersetzungsprogramm auf seinem Smartphone war am Vortag „in irgendeiner „Cloud“ oder so auf Warteposten...

Danach war unser erstes Ziel dieser Reise aber auch schon bald erreicht:

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Murmansk stand nicht nur mehr auf unserem Navi.
Eine Großstadt hier ganz oben im Norden. Die größte der Arktis.

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Eigentlich gibt es hier alles zum einkaufen, was man sich als Reisemobilist so nur wünschen kann.
Aber nur fast:
Nach den Einkaufserfahrungen unserer Russlandreise 2013 fuhren wir von zuhause mit einer nur halbgefüllten Gasflasche (Gas brauchen wir nur zum Kochen) los. Sahen wir doch da überall im Lande viele Tankmöglichkeiten jeglicher Art. Brot bunkert man ja auch nicht für die ganze Reise...
Ich glaube, dass ich selbst in Saint Petersburg noch Gastankstellen gesehen hatte. Als ich mir dann aber endlich vornahm, jetzt vor Skandinavien doch wirklich mal nachzutanken, war Schluss. Einfach Schluss mit jeglichem käuflichen Propangas. Hier im Norden.
Als Ergebnis erlebte ich dann schon noch einen leicht „ungeraden Haussegen“...
Wir kochen normalerweise am einfachsten auf dem eingebauten 2 Flammengaskocher, bei schönem Wetter, freier Umgebung und fehlendem Zeitdruck gerne auch auf dem Diesel- Außenkocher. Zur Not aber auch im Auto auf dem kleinen Wander- Gazkartuschenkocher. Letztlich dann auch hier eine Zeit lang bis nach Norwegen. Notstand?

Nun, sämtliche gewünschten Kochzutaten gab es hier jedoch wieder wie gewohnt.
Selbst mit Sushi wollte man uns füttern.

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Laut vieler Informationen stellten wir uns die Umgebung von Murmansk, auch wegen mancher militärischer Sperrgebiete, nicht all zu prickelnd vor und wollten den Tipp der Finnen an der Barentssee aufsuchen. Also konzentrierte sich das Navi auf Teriberka, einem früher einmal recht prosperierendem Werft- und Fischerdorf.

Heute auch nicht gerade vergessen, wird die Straße dahin weiter unterhalten.

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Die letzten 40 km vor Teriberka erinnerten uns dann doch sehr an viele afrikanische Pisten: „Wellblech“!

https://de.wikipedia.org/wiki/Wellblechpiste

Bisher hatten wir auch auf dieser Fahrt auch schon schlechte Straßen und Wege befahren. Die waren aber immer nur für geringe Geschwindigkeiten gut. Über diese, von vielen vorher hier gefahrenen, wellblechartige Oberfläche versucht man nun, mit einer möglichst hohen Geschwindigkeit „drüber zu gleiten“ um die Räder nicht in jedes Loch fallen zu lassen.
Bis man die, dann relativ ruhig zu fahrende, Geschwindigkeit erreicht hat scheppert alles in und am Wagen, was nur ein wenig scheppern kann. Grauenvoll für Auto und Nerven.
Zurück von dieser „hohen“ Geschwindigkeit kommt das Gescheppere dann wieder, bis man, z. B. vor einer engeren Kurve wieder ausreichend langsam wird.
Für unseren Fahrradträgereigenbau war das die Zerreißprobe, auf die ich schon lange wartete. Eine Ungewissheit weniger. Es gab einfach nichts zu schweißen.

Man erfuhr ja schon zuhause, dass oben an der Barentssee ein gewaltiger Schiffsfriedhof viele Reste der sowjetisch- und jetzt russischen, teils atomar betriebenen, Flotte seine letzte Ruhestätte gefunden hat.
Ich springe jetzt wohl schon über meinen Schatten, wenn ich Euch doch noch meine konspirativ aufgenommenen Fotos davon hier einstelle:

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In Teriberka selbst sieht man noch diverse Zeugnisse seiner glücklicheren Epoche.

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Die existieren noch, neben denen der Zukunft.

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Wenn auch vieles nicht unseren westlichen Standarts entspricht, die Leute hier machen das Bestmögliche daraus!

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Ich war schon recht beeindruckt von dieser Konstruktion eines „Bastlers“ der ein normales, einfaches, russisches Straßenmotorrad, mit Hilfe breit aufliegender LKW Reifenschläuche und Förderbandbänder als Traktionshilfe zu einem Schneemotorrad umgebaut hatte. Jetzt, in der Sommerzeit lag es allerdings „ein wenig auf der Seite“.
Moderne Schneemobile sind in diesen Breitengraden überall, so auch hier in ansehnlicher Anzahl vertreten...

Auf unseren beiden Russlandreisen kreuzten wir oft Gebiete, in denen es während des 2. Weltkrieges „Feldflugplätze“ gab.
Die wurden von allen Armeen auf natürlichem Boden mit sogenannten „Luftlandeblechen“ insgesamt über viele Quadratkilometer hinweg gebaut.
Als „Sandbleche“ , vor allem in ihrer luxuriösen, weil für „Offroader“ leichteren Duraluminiumausführung bekannt, helfen sie in vielen Wüsten „eingesandete“ Fahrzeuge wieder flott zu kommen. Überall in Russland wurden, als die Flugfelder nicht mehr gebraucht wurden, Umzäunungen von Grundstücken damit gebaut. Insgesamt viele, viele Kilometer.
Alle, auch die aller anderen als der sowjetischen Armee, schienen aus der selben Presse gestanzt. Sahen wir dieses Strickmuster doch vielfach auch in Europa und Afrika:

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Hier sahen wir ein neues:

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Barentsseefischereihafen:

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Barentsseeblick:

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Barentsseemückenschutzbekleidung:

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Für dieses „Outfit“ war es eigentlich viel zu warm. Die russischen Touristen waren mit ihren Kapuzenshirts, Handschuhen und „Umherschlagbirkenzweigen“ meist besser für die Mückensituation hier eingerichtet. Im Auto blieben deshalb alle Türen zu und die Fenstergaze dicht verschlossen.


Die verbleibenden Tage unserer Russlandvisa werden langsam knapp. Ab hier sehen wir uns eigentlich auf der Ausreise. Fast bereuen wir schon, dass wir keine längeren Visa vorweisen können.

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Hier standen wir am Pistenrand um diese staubige Szene zu fotografieren und sollten wieder einmal erleben, was wir schon aus vielen „entlegenen“ Gegenden kannten: Der entgegenkommende hielt an, um uns nach möglichen Problemen zu fragen. Das ist hier meist selbstverständlich.
„Problem“ heißt auf russisch übrigens ebenfalls „Problem“.
Es gibt viele Lehnwörter, die man einfach so versteht...

Immer näher in Richtung Grenze, politisch nun mal der Grenze zwischen Ost und West, erwarteten wir schon „typische“ Besonderheiten. Gut, wo wir direkt an die Grenze kamen, sahen wir natürlich gewaltige Sicherungsmaßnahmen. Vielleicht sind die ja auch nötig?
Russen werden heute weniger durch diese Grenze an ihrer Ausreise gehindert, wie an der Visapolitik der Zielländer.

Eine wirklich typische Eigenart der aktuellen politischen Ausrichtung empfanden wir dann in Nikel, einer Stadt 7 Kilometer vor der norwegischen Grenze.

http://www.waahr.de/texte/leben-und-tod-nikel

Dass jetzt jeder westliche Tourist diese Stadt, die eigentlich in vielem das Gegenteil einer Vorzeigestadt ist, selbstverständlich ohne Begrenzung besuchen kann, ist nur mit „Glasnost“, also der Offenheit zu erklären.
Hier brachten wir es nicht fertig, die total kaputte Vegetation der Umgebung dieser Stadt zu fotografieren.
Wir waren schockiert!
Was wir dann aber zufällig an diesem Tag im Stadtzentrum erlebten, war anders
beeindruckend:

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Ich liebe Nikel

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Unter den Augen eines Herrn Lenin fand an diesem Tag hier ein großes Fest der Urbevölkerung dieser Region, der Samen, statt.

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Für uns, die wir da nur einfach an das Pfingstvolksfest in unserer Heimatstadt
denken, mit all seinen sensationellen „Immerbesserimmerhöherimmerschnellerimmerexclusiver“ Angeboten der Fahrgeschäfte, gab es ein gewisses trauriges Gefühl der Ungerechtigkeit ob der dortigen Möglichkeiten. Waren wir hier doch mitten in einer Stadt einer Siegermacht. Sogar einer sehr lukrativen.
Das waren aktuell aber sicherlich nicht die Gedanken der vor Freude strahlenden Besucher.

https://vimeo.com/256946114

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Wir waren aber nicht die einzigen, die an diesem Tag Beweisfotos schossen:

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Nikel hat in unserer Erinnerung an diese Jahresreise einen festen Platz.


Natürlich haben wir danach bei der allerletzten Gelegenheit, fahren wir doch zur Grenze in die Richtung Kirkenes/Norwegen, noch einmal gründlich vollgetankt. Diesel!

Im Hinblick auf die immer wieder vernommenen Preise in Skandinavien haben wir uns viele Gedanken gemacht, was wir uns wohl trauen, über diese Grenze einzupacken...
Wie gut oder weniger gut unsere Entscheidung dann war, kommt in der Folge, die sich am Anfang in Skandinavien abspielt.

Den Grenzabfertigungsanlagen auf beiden Seiten sieht man hier schon von außen an, dass beide Seiten Wert darauf legen, einen möglichst besseren Eindruck zu hinterlassen, wie „die da drüben“.
Unsere gesamte Ausreiseprozedur aus Russland war nicht der Rede wert.
Selbst unser, nicht abgestempeltes, Registrierungsformular wurde ganz einfach irgendwo abgelegt.

Спасибо, Россия. До свидания. Danke Russland. Auf wiedersehen.
Als Gastgeber bist Du für uns mit ganz vorne an der Spitze!

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Demnächst geht es dann am Beginn oder Ende des ehemaligen (?) Eisernen Vorhangs weiter.

Auf Rückmeldungen freut sich ab jetzt schon in Niederbayern
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Meine Beschäftigung: VW Bullis schrauben, meine heilige Kuh optimieren.
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terriblue
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Re: Murmansk Teil 2

Beitragvon terriblue » 25.02.2018 - 19:34

Hallo Roland,

wieder einmal tolle Bilder und Informationen , bin schon gespannt, wie es weiter geht !

Gruß Arno
Slow Underpowered Vehicle und ein ProjeGt
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Ulrike
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Re: Murmansk Teil 2

Beitragvon Ulrike » 25.02.2018 - 19:50

Hallo Roland,

danke, dass wir mit Euch reisen dürfen. Eine Ostsee-Umrundundung gehört zu meinen noch unerfüllten Reiseträumen.

Ich freue mich zu sehen, dass es im russischen Norden richtig bunte Städte gibt. Ihr wart im Juli unterwegs - so richtig warm scheint es nicht zu seien. Wir waren im Juni in Grense Jakobselv. Der Frühling begann gerade. Dafür hatten wir auf unserer Reise keinen nennenswerten Mückenkontakt.

Ich bin gespannt, wie die Reise weiter geht.

Liebe Grüße von
Ulrike, die auch noch einen kleinen Reisebericht aus dem hohen Norden zu schreiben hat.....
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Re: Murmansk Teil 2

Beitragvon Matthias » 25.02.2018 - 20:35

Servus Roland!

Willkommen bei uns und danke für den fulminanten Einstieg! Eine schöne Reise erfahrener Reisender sehr gut beschrieben. Macht Spaß, da mitzureisen.

Und ich kann's mir doch nicht verkneifen, Euren Bericht mit einem Bild unserer beiden Mobile (in der Mitte) in Grense Jakobselv "anzureichern":

http://up.picr.de/29629687yd.jpg

Schöne Grüße
Matti
TurboDaily 40.10 4x4 "Dormobil" 1999 183.000 km
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