So, weiter gehts:
Naturreservat Aksu-Zhabagly: 6.-8. Juli 2008
Wir gelangen über Schymkent nach Zhabagly am nordwestlichen Rand des Tien Shan. Das Wetter ist herrlich, und hier gibt es Bäume und Wiesen. Unser Reiseführer verspricht ein interessantes Naturreservat. Die Verwaltung ist im größten Gebäude des Ortes untergebracht. Es ist Mittagspause und wir müssen warten. In dieser Zeit lernen wir einen der Liebe wegen hier gestrandeten Holländer und seine Frau kennen. Bei ihnen können wir Wasser tanken und sie helfen uns später eine „Eintrittskarte“ für das Reservat zu bekommen. Das war wieder mal nicht so einfach. Man ist einfach überhaupt nicht auf Individualreisende eingestellt und es wird uns ein „Aufpasser“ zugeteilt. Am späten Nachmittag fahren wir hinauf auf 1583m und schlagen unser Lager direkt unterhalb des Schlagbaums auf. Abends gehen wir mit Picknick-Korb an den Rand des Canyons um die Aussicht in die Tiefe auf den Aksu-Fluss und in die Ferne auf den Tien Shan zu genießen. Unser Aufpasser sind rechte Taugenichtse und haben nichts Besseres zu tun als eine Schlange zu fangen und in den Abgrund zu werfen. Nach einer halben Stunde werden wir uninteressant und sie lassen uns allein. Später erfahren wir, dass wir froh sein können sie nicht beim Wildern gesehen zu haben.
Am nächsten Morgen steigen wir auf einem gut ausgetretenen steilen Pfad etwa 300 Höhenmeter zum Wasser hinunter. Zum Glück ist unser Aufpasser zu faul zum Laufen und wir haben den schönen Canyon für uns allein.
Später am Nachmittag wandern wir noch mal am oberen Rand des Canyons entlang. Gerne würden wir Steinböcke zu Gesicht bekommen. Daraus wir leider nichts, dafür entdeckt Matthias auf der anderen Seite einen großen Braunbären für uns. Wir sind begeistert: unser 1. Bär auf freier Wildbahn! Danke Matthias!
Am nächsten Morgen besuchen wir noch einmal den Holländer und füllen unsere Wassertanks auf dann ziehen wir weiter in Richtung Almaty.
Almaty und Umgebung: 10.-15. Juli 2008
Nach einer kühlen Nacht im Gebirge dichter Verkehr in Richtung
Almaty. Trotzdem finden wir unseren Anlaufpunkt, den ACBK (Association for the Conservation of Biodiversity of Kazakhstan) ohne Mühe. Man haust in einem netten Hinterhof mit einer kleinen Grünanlage und es gibt wider Erwarten Parkplätze. Wir lernen eine internationale Gruppe kennen, die gerade dabei ist auf engstem Raum bei 36°C drinnen wie draußen einen wichtigen Abschlussbericht zu schreiben. Trotzdem nimmt man sich Zeit für uns. Das Beste ist, dass sie die Registrierung für uns erledigen, mit den richtigen Leuten in Öskemen telefonieren, dass wir Permits für die Altairegion bekommen, und wir 2 Nächte an Ort und Stelle biwakieren und die Toiletten benutzen können. All diese Hilfen sind Gold wert und wir sind sehr dankbar dafür. Wir bekommen einen Haufen Infos über ihre Arbeit und die Schwierigkeiten in Kasachstan ein vernünftiges Naturschutzsystem und ein Bewusstsein dafür zu schaffen. Da können wir mit unseren Erfahrungen aus dem Aksu-Reservat und aus Usbekistan schon gut mitreden. Mit Hilfe des ACBK wurde vor wenigen Tagen das Tengiz-Gebiet bei Qorghaljin, westlich von Astana zum UNESCO-Schutzgebiet ernannt. Im Haus arbeitet außer dem ACBK noch eine Frauengruppe. Sie erhalten das traditionelle Filzhandwerk und stellen schöne Schuhe und andere Kleidungsstücke her.
Am nächsten Tag erkunden wir die Stadt per Straßenbahn, Bus und zu Fuß. Almaty ist eine grüne Stadt mit vielen Bäumen und Parks. So werden viele Bausünden unsichtbar. Wir besichtigen die orthodoxe Auferstehungskathedrale (Holzkirche), das Kriegerdenkmal und das Staatsmuseum. Zwischendurch statten wir dem Grünen Basar (das Gebäude ist außen grün) und der modernen, eher leblosen Fußgängerzone einen Besuch ab.
Auf unserer Wanderung stellen wir fest, dass es in dieser Stadt wahnsinnig viele nagelneue, große Geländewagen gibt. So viele haben wir noch an keinem anderen Ort der Welt auf einmal gesehen.
Abends lernen wir
Edda Schlagerkennen. Sie kommt aus der Lausitz und lebt seit einiger Zeit als freie Journalistin in Almaty. Sie möchte einen
Bericht über unsere Reise zur Sonnenfinisternis schreiben.
Wochenende: Uns zieht es in die Berge. Erst ein Großeinkauf und ein Kaffee mit Michael vom ACBK und seiner Familie, dann verlassen wir die Stadt nach Süden. Wir wollen zum großen Almatiner See und zu den Kosmosstationen. Objekte der Begierde sind der
Himalaya-Ibisschnabel, das Himalaya-Königshuhn und das Purpurhähnchen. Am Schlagbaum zahlen wir Eintritt für das Naturschutzgebiet und tanken frisches Bergwasser. Dann geht es zügig bergauf. Nach einigen Zwangspausen wegen Überhitzung erreichen wir am Nachmittag die obere Kosmosstation – 3345m. Der Wind ist frisch, wir beobachten Königshühner, Bartgeier und Murmeltiere. Auf den Bergwiesen blühen Enzian, Edelweiß, Habichtskraut, Storchenschnäbel und Steinbrech. Abends will das Essen nicht so richtig gar werden, außerdem ist es ziemlich windig und ganz schön kalt, so dass wir sehr früh in die Schlafsäcke kriechen. Zur Entschädigung gab es einen tollen Sonnenuntergang.
klick, wg. Panorama!
Wanderung auf den Almatiner Peak: Nach etwa 300 Höhenmetern geht uns langsam die Luft aus. Wir stellen fest, dass wir an so große Höhen nicht gewöhnt sind… Aber es gibt Steinböcke zu sehen! Weil es wieder so kalt ist, brechen wir unser Hochlager ab und verbringen die Nacht in der Nähe der unteren Kosmosstation auf etwa 2600m Höhe. Hier ist weniger Wind und wir bleiben 2 Nächte. Die Kosmosstationen sind fast verlassen und dem Zerfall überlassen. Das Purpurhähnchen konnten wir nicht sicher ausfindig machen – es scheint um diese Jahreszeit eher grau zu sein. Dafür gab es einige andere nette Vögel.
Am nächsten Tag wollen wir Edda noch mal treffen und fahren langsam wieder ins Tal. Vorher halten wir am Stausee, der erschreckend wenig Wasser hat, um nach dem Himalaya-Ibisschnabel zu sehen. Matthias findet sofort einen, und wir können ihn gemütlich durch das Spektiv beobachten. Wir freuen uns, den sehr seltenen Bewohner dieser Region gesehen zu haben. Dann geht es weiter bergab ins brütend heiße Almaty. Die Leute vom ACBK stöhnen über die Hitze und können kaum glauben, dass es im Gebirge so kalt ist.
Die nächste Nacht verbringen wir bei Pelikanen und Kiebitzen mit Blick auf den weißen Tien Shan am Sorbulak-See, etwa 50km nordwestlich von Almaty. Wir finden interessante Vegetation vor: Wermut, Cannabis und ein paar Bäume. Parkranger meinten, wir sollten unsere Umgebung lieber nicht rauchen und nicht länger als 1 Nacht bleiben. Der Abend hat noch eine Überraschung für uns: Kurz nach dem Essen kommt es starker Sturm auf. Mit vereinten Kräften sammeln wir die fast trockene Wäsche ein, retten die Markise und klappen unser Aufstelldach wieder zu – das war gar nicht so einfach. Nach 3 Stunden wird es ruhiger und auch wir können schlafen gehen.
Zwischen Tien Shan und Altai: 16.- 25.Juli 2008
Durch das Siebenstromland zum Sasyköl, ans Nordufer des Balchash-Sees, zu den Sibinsker Seen nach Öskemen
Wir haben am 24. Juli einen Termin in Öskemen, um unsere Permits für die Altairegion in Empfang zu nehmen.
Wir fahren erstmal am Ille-Fluss nach Norden. Der Ille kommt aus dem Tien Shan und mündet deltaartig in den Balchashsee. Das Wasser hat Badequalität und Temperatur.
der Ort Kasachastan! und noch ein klick für`s Panorama
Auf allen Karten ist bei Aqköl eine Piste nach Osten eingezeichnet. Sie ist leider nicht auffindbar und wir fahren am anderen Ufer wieder ein gutes Stück nach Süden. Dann überqueren wir ein kleines, karges und nur sehr dünn besiedeltes Gebirge in Richtung Osten. Die wenigen Bewohner sind sehr herzlich und wollen uns bei der Frage nach Trinkwasser gleich zu einem "Wässerchen" einladen. In dieser Gegend nimmt eine plötzliche Böe bei der Mittagspause die Markise hoch und wirft sie über das Auto. Markise kaputt, keine weiteren Schäden oder gar Verletzte. Zum Glück haben Matthias und Milan ein großes Tarp dabei, das fortan Schatten spendet.
Bei Taldyqorghan erreichen wir die große Straße nach Norden. Wir befinden uns am Fuße der Gebirgskette, die Kasachstan von China trennt. An ihr reisen wir entlang zum Sasyköl. Hier gönnen wir uns einen Autofreien Sonntag und sitzen faul im Schatten. Es ist windstill, der See ist sehr flach und trüb und lädt nicht zum Baden ein.
Von hier aus ist es auf der Karte nicht weit zum Nordufer des Balchashsees. Weil wir noch viel Zeit haben brechen wir am nächsten Tag dorthin auf. Bis Aqtoghay ist die Straße trotz vieler Schlaglöcher passabel und es gibt fast einen Verkehr. Im Städtchen, das eindeutig schon bessere Tage hatte, kreuzen sich diverse Eisenbahnlinien. Was die Straßen anbelangt, hat man das Gefühl am Ende der Welt angekommen zu sein. Wir quälen uns über staubige Pisten und müssen noch eine Furt über den Fluss finden – dabei wird es Abend, bis wir den Strand des Balchashsees erreichen. Immerhin kann man hier schwimmen gehen. Zum Abend kommen gemeinerweise viele, viele Stechmücken und wir halten es nicht lange draußen aus.
Allmählich kommen wir ins Altai-Vorland und suchen ein weiteres Nachtlager. Die Gegend an den Sibinsker Seen, 60 km südlich von Öskemen, soll schön sein und zum Verweilen einladen. Wir biegen von der Hauptstraße nach rechts ab und schlängeln uns über eine schöne kleine Straße durch die Berge aus Granit. Hier sehen wir den sog. Matratzen- bzw. Wollsackgranit: Die Steinplatten sehen aus wie übereinander gestapelte Matratzen. Die Seen sind glasklar und werden aus unterirdischen Quellen gespeist. Von Weitem sah alles ganz toll aus. Aus der Nähe betrachtet schrecken uns riesige Müllhaufen, in denen Schwarzmilane stochern, herumfliegendes Klopapier und unverschämte, alkoholisierte Gestalten, die für eine Übernachtung 500 Tenge pro Person verlangten erheblich ab. Kurz vor dem Dunkelwerden fand sich ein guter Platz in einem Bachtal auf der anderen Straßenseite.
24.Juli Öskemen: morgens Regen, später Sonne, aber nicht ganz so warm. Termin wegen der Permits im Kirov-Park am späten Nachmittag. Wir gehen einkaufen und vergammeln den Tag am Kriegerdenkmal am Ufer des Irtysch und im Kirov-Park. Um 18.30 Uhr hören wir, dass es mit den Permits heute nichts mehr wird, aber morgen gegen 15.00Uhr sollen sie auf jeden Fall fertig sein. Wir fahren schnell noch ein paar Kilometer in die Berge und braten im Dunkeln fettes Hammelfleisch…
Am Morgen spülen, Wasser zapfen, Gurken geschenkt bekommen und dann ein Telefonanruf: die Permits sind schon fertig und sie kosten weniger als erwartet. Wir fahren gleich zum verabredeten Treffpunkt, dann noch schnell zum Supermarkt und Tanken und ab in den Altai…
Es grüßt Euch Ulrike, die jetzt alle Bilder eingebaut hat.