Hallo Ihr,
Durch Polen sind wir nur durchgefahren, auch die Ukraine war eigentlich nur ein Transitland.
Wir verlassen am Montag Polen bei Przemysl und reisen am Freitag bei Krasnodon nach Russland wieder aus. Auf dem Rückweg passieren wir die Grenze am Samstag aus Russland kommend bei Sudza und verlassen die Ukraine am Donnerstag bei Uzgorod in Richtung Slowakei. Die Leute am Zoll sind freundlich, aber auch spitzfindig. Bei der ersten Ausreise aus der UA wurde eine fehlende bzw. nicht mehr lesbare Fahrgestell-Nummer bemängelt. So könnten wir nicht weiterreisen – nach längerem Zureden und Abwarten ging es dann nach 2 Stunden aber doch. Bei dem ganzen Durcheinander wurde ein Ausreisestempel im Pass vergessen, was auf der Rückfahrt bei der Wiedereinreise zu erneuten Diskussionen führte.
Die Straßen sind ziemlich wellig, besonders am rechten Rand. Wir freuen uns an unseren großen Reifen und lassen etwas Luft ab. So sind die Löcher und Buckel schon besser zu ertragen. Der Ukrainer überholt mit dem Messer zwischen den Zähnen und hofft, dass der Gegenverkehr im entscheidenden Moment Platz macht. Dass das nicht immer klappt sieht man an den vielen Blumengestecken entlang der Straßen. Die etwas kleineren, auf der Karte gelben Straßen sind etwas angenehmer zu fahren. Ihr Zustand ist oft besser und es fahren kaum LKWs. Dafür gibt es mehr Ortsdurchfahrten. Die Stadtdurchfahrten sind mangels Beschilderung abenteuerlich. Die Polizei passt höllisch auf, dass man am Stoppschild lange genug hält und bloß nicht falsch abbiegt. Das kostet dann umgerechnet 10 Euro und eine halbe Stunde Diskussion. Parallel zu den Straßen verlaufen Windschutzstreifen – annähernd die einzigen Bäume weit und breit, von den Karpaten einmal abgesehen. Wir fahren an riesigen Getreide-, Kartoffel- und Sonnenblumenfeldern vorbei und fragen uns wie es hier wohl im Herbst nach der Ernte aussehen mag. Eine Antwort darauf bekommen wir auf der Heimreise. Die Felder werden gemäht, häufig abgeflämmt und sofort gepflügt.
Nicht so leicht war das Auffinden eines schönen Schlafplatzes. Jeder Weg führt auch irgendwo hin, man ist also nie weit von einer Absiedlung entfernt. Außer im Windschutzstreifen kann man eigentlich nicht mit dem Auto verschwinden.
Eine sehenswerte und pulsierende Stadt ist
L’viv , früher Lemberg genannt. Kopfsteinpflaster, Straßenbahnen, chaotischer Verkehr, alte Gemäuer, ein lebendiger traditioneller Markt, ein alter Marktplatz und ein historisches Stadtzentrum (Weltkulturerbe) mit modernen Geschäften. Gerade ist das Verkehrschaos besonders groß, weil die Straße vor dem überdachten Markt gesperrt und aufgerissen ist. Wir staunen nicht schlecht als dort unser Parkplatz von der Hinfahrt nicht mehr vorhanden ist.
Auf der Rückfahrt verbringen wir einen herrlichen Tag in
Kiew, am Unabhängigkeitstag, wie wir erst dort feststellen, als eine Flugschau über uns hinweg zieht. Wir parken am Dnepr und laufen erstmal hinauf zum Höhlenkloster (Heiliges Kiever Mariä-Entschlafens-Höhlenkloster). Auf dem Weg nach oben herrscht großes Gedränge, wir sind in einer riesigen Gartenschau mit Ausstellungs- und unzähligen Verkaufsständen gelandet. Nachdem wir uns durch die Menschenmenge gekämpft hatten, besichtigen wir die sog. Fernen Höhlen. Mit der Kerze in der Hand geht es durch niedrige, schmaler Gänge vorbei an Mumien von Heiligen und Ikonen, die von orthodoxen Pilgern geküsst werden. Im gesamten Klosterbereich ist das Tragen von züchtiger Kleidung, vor allem einer Kopfbedeckung für Frauen angeraten. Später essen wir herrliche sibirische Pelmeni an Bord eines Restaurantschiffs und genießen den Blick über den Dnepr. So gestärkt machen wir uns auf dem Weg zur Andreaskirche. Der Weg bergauf führt über den Andreassteig, ein großer Flohmarkt mit Folkfeststimmung. Hier kann man Kunsthandwerk und vor allem Gemälde in jeglicher Qualität und Kitschstufe erwerben. Das wichtigste Haus ist die Nummer 13. Hier wohnte
Michail Bulgagow . Heute ist dort ein Museum untergebracht, welches leider am Unabhängigkeitstag geschlossen hatte.
Am Stadtausgang finden wir einen Campingplatz. Hier rasten Lkw-Fahrer, ein paar Italiener und Franzosen mit dem Wohnmobil, Holländer mit einem riesigen Zelt und nun auch wir. Zuerst war nur der Herrensanitärbereich geöffnet. Auf meine Nachfrage hin wurde dann auch der Damentrakt aufgeschlossen. Wir waschen endlich alle schmutzige Wäsche, die leider keine Gelegenheit zum Trocknen bekommt, weil es zu regnen beginnt und bis zum nächsten Morgen auch nicht wieder aufhört.
Südlich von L’viv beginnen die Karpaten. Die Landschaft ist genau so, wie wir sie uns vorgestellt haben. Sanfte Hügel, hübsche Dörfer, Heuhaufen auf den Wiesen, es riecht nach Holzfeuern. Mittlerweile ist es ein bisschen herbstlich geworden – tagsüber wird es nicht mehr so warm, die Nächte sind kühl und feucht. Wir sind froh 2 Lagerplätze mit Feuerstellen gefunden zu haben. Um die Gegend von oben betrachten zu können fahren wir auf die Polonina Runa / Rivna. Eine Polonina ist eine als Bergweide genutzte baumlose Gipfellage. Oben (1479m) ist der Berg auch fast kahl. Stellenweise wird versucht wieder ein paar Bäume anzusiedeln. Hier wachsen jede Menge blaue Enziane und Heidelbeeren, die professionell von größeren Gruppen mit dem Beerenkamm geerntet werden. Der Weg nach oben führt erst über einen breiten Forstweg, später über Betonplatten, die als 2 Spuren für breite Fahrzeuge ausgelegt sind. Teilweise gibt es tiefe Löcher zwischen den Platten oder es schauen uns unangenehme Eisenstücke daraus an. Diese Platten wurden vom Militär verlegt, denn bis in die 80iger Jahre befand sich oben eine Militär-Basis, die aber anscheinend nie richtig fertig geworden ist. Die Ruinen vergammeln auf dem Gipfel. Wir sind froh auf dieser Strecke mit unseren Gelände-Womos unterwegs zu sein und sind überrascht, wie viele Leute doch mit normalen PKWs oder Kleintransportern dort oben unterwegs sind. In der Nähe ist ein
Startplatz zum Gleitschirmfliegen (Hier im Link ist ein kurzer Film mit den Betonplatten)
Eigentlich war geplant auf der Rückfahrt ans Schwarze Meer und nach Odessa zu fahren, aber die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Russland und Georgien haben uns davon abgebracht. Dafür haben wir Kiew gesehen und das hat sich sehr gelohnt. Eine Reise durch die gesamten Karpaten mit ordentlicher Wanderkarte könnte ich mir gut vorstellen…
Grüße
Ulrike