Meinypilgyno

ferne Meere, Länder und Völker

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Re: Meinypilgyno

Beitragvon Matthias » 21.07.2016 - 06:46

Lieber Volker,

danke für Blümchen. Es kommen sicher noch mehr "Abwesenheitsnotizen", aber bei der Heimkehr hat mich hier erst mal eine ganze Menge Arbeit überfallen – wie es halt so ist nach fünf Wochen.

Das mit dem Bier war übrigens wirklich hilfreich. Ich hab's genau gespürt, auch mit 11 Stunden Zeitverschiebung. Es war auch deswegen gut, weil wir die ganze Zeit quasi ohne Alkohol gelebt haben – mangels Erreichbarkeit.

Euch eine gute Zeit!
Matti
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Re: Meinypilgyno

Beitragvon Schlappohr » 21.07.2016 - 07:19

Hallo Volker,
das Bild vom Adventskalender im Sommer trifft es wunderbar. :super:
Vielen Dank Matti - ich freue mich schon auf den nächsten Bericht
Gruß
Florian
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Re: Meinypilgyno

Beitragvon Joe » 21.07.2016 - 13:16

Hallo Matti,

ich kann mich den anderen da nur anschließen und mich herzlich dafür bedanken, dass Du uns hier alle an Deinen Erlebnissen teilhaben lässt :super:

Gruß Rolf - der sich auch schon auf eine Fortsetzung freut :grin:
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Re: Meinypilgyno

Beitragvon Matthias » 25.07.2016 - 10:45

Hallo Ihr,

hier wieder ein paar Bilder und Worte.

Schöne Grüße
Matti

Fahrt nach Vaamotschka

Der Kherzhak auf seiner Landzunge bei der Flussmündung wird erst im Winter wieder ins Dorf zurück kommen, wenn das Eis auf dem ersten Fluss dick genug ist. Einen befahrbaren Landweg gibt es nicht und der Fluss hinten beim alten Ölbohrturm ist viel zu tief. Roman denkt manchmal über ein Floß nach ...

Also beladen wir für unsere Expedition ins Vaamotschka-Delta zwei der Quads. Tipi, Schlauchboot, Essen, Kocher, Gewehr, Benzinkanister, Rucksäcke, Fotokram – erstaunlich, was sich da alles festbinden lässt. Spanngurte sind nicht vorhanden, mit den Gummiexpandern und Seilen hält das Ganze so leidlich. Beim alten Rentier-Corral halten wir an, dort liegt noch eine Menge guter Draht: die Fresskiste bekommt eine zusätzliche Sicherung.

Der Weg führt über die Moränenhügel, es gibt eine alte Trasse für Kettenfahrzeuge, auf der schon lange keiner mehr gefahren ist. In den Senken steht tief das Wasser, oft geht es nur weiter, wenn wir nebenher laufen und schieben. Vorher immer „engine cool down“. Dann geht es wieder senkrecht hinauf auf ein steiniges Plateau, durch alte tiefe Panzerspuren, manchmal ist der Weg ganz verschwunden. Ich sitze hinter Jegor und muss mich gut festhalten, damit ich ihm nicht ständig in den Rücken falle. Ein heftiger Ritt!

Nach einer Stunde rufe ich Jegor ins Ohr, ob wir mal einen „little break“ machen können, auch um zu fotografieren. „How little?“ fragt er ungerührt zurück. Er ist ganz und gar in seinem Element, könnte wahrscheinlich noch Tage so weiter fahren. Aber natürlich halten wir an, Tom kramt eine Zigarette hervor und wir schauen über das riesige Delta, das in der Ferne etwas im Dunst verschwindet. Auf den Bergen im Hintergrund sind noch letzte Schneereste zu sehen, es ist alles von einer urweltlichen Weite und Einsamkeit. Die schmale Spur vor uns ist das Einzige was daran erinnert, dass hier schon einmal jemand war. Über eine Mammutherde an einem der Hänge, die jetzt langsam grün werden, würde ich mich nicht wundern.

Nach ein paar steinigen Furten, die nicht allzu tief sind, verlassen wir die Trasse und suchen einen Platz in der Mitte des Deltas. Von dort aus wollen wir unsere Erkundungs- und Nestsuch-Gänge starten. Der erste Platz, an dem wir das Tipi aufbauen, ist grausig feucht. Der Boden schwankt etwas, die Mücken sind präsent, beim Wasserholen am Flussufer bleiben mir die Watstiefel im Schlamm stecken und beim Holzsammeln sehe ich eine Menge „Bärendreck“. Ob ein Lagerplatz gut ist oder nicht, spürt man meist nach ein paar Minuten. Dieser hier ist nicht gut. Morgen werden wir ein paar hundert Meter weiter ziehen auf eine trockene Rippe zwischen einem kleinen See und einem schmalen gewundenen Fluss.

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Re: Meinypilgyno

Beitragvon Matthias » 20.08.2016 - 10:50

Zum Gruße!

Noch ein paar Zeilen und Bilder.

Schöne Grüße
Matti

Auf die Savatskaja

Planmäßig hätten wir gestern mit dem Helikopter zurück nach Anadyr fliegen sollen. Aber Pläne spielen hier eine untergeordnete Rolle. Wichtiger ist die "normative Kraft des Faktischen". In Chadirka, so hören wir, hätten sie schon seit zwei Wochen auf den Heli gewartet, also waren die erst mal dran. Heute ist Samstag, am Wochenende fliegt der Heli nicht, auch nicht bei bestem Wetter so wie jetzt. Nächste Chance also am Montag. Tom hat vor einigen Jahren schon mal vier Wochen irgendwo gewartet und er sagt jetzt: "Die Savatskaja wartet noch auf Dich!"

Die Savatskaja ist ein etwas über 200 m hoher dreigipfeliger "Berg" 10 km von Meino entfernt. Mit ganz viel Fantasie sieht sie wie eine Miniaturausgabe des Piz Palü aus, ohne Schnee und Eis. Naja ...

Es wird eine trockene Wanderung werden, also Wanderschuhe und nicht die verdammten umgekrempelten Watstiefel. Fernglas, Kamera, GPS, leichtes Gepäck, Bärenspray und Svjetas Lunchpaket. Für die Wasserflasche wird sich eine Quelle oder ein Türmpel finden. Ich gehe hinterm Dorf um den Ausläufer des zweiten Flusses herum, dann direkt auf den Berg zu, der beim dritten Fluss erst mal hinter ein paar Vorhügeln verschwinden wird, den "Moränenhügeln". Im feinen Kies ist das Laufen mühsam, auf Bewuchs geht es leichter. So wird meine Linie nicht ganz geradlinig. Da wo ich auf die Hügel stoße, liegt ein toter Bär. Ich habe ihn schon vor ein paar Tagen aus der Ferne gesehen, inzwischen ist er ein paar Meter den Hang runtergerollt. Ein dunkler Fleck zeigt noch, wo er vorher gelegen hat. Bären, die dem Dorf zu nahe kommen, werden erschossen.

Die Tundra ist in den letzten Tagen schnell grün geworden, fast aller Schnee ist verschwunden und als ich die Hügel erstiegen habe und sich eine sanft ansteigende Ebene bis zur Savatskaja vor mir ausbreitet, gehe ich durch schöne Blumenteppiche. Arktischer Mohn blüht jetzt überall, der Germer in den feuchteren Senken, Silberwurz, Läusekraut und viele andere prächtige Blüten. Es gibt natürlich keinen Weg und überhaupt keine menschlichen Spuren bis auf ein kleines Eisengestell, das auf dem noch fernen Gipfel zu erkennen ist. Hier war schon lange keiner mehr, vielleicht seit Jahren. Es gibt hier nichts.

Vor dem eigentlichen Anstieg setze ich mich auf eine trockene steinige Kuppe. Hier sollte es Große Knutts geben, aber solange ich auch über die flirrenden Flächen schaue, ich kann keinen entdecken. Tom wird die Wanderung morgen wiederholen und großartige Fotos des Vogels mitbringen ... Es ist ganz still, ein wenig Wind fängt sich in den Steinen. Keine Vogelstimmen, keine fernen Motoren, das Dorf ist im Dunst gerade noch zu erkennen. "Ticha vakrug ... Stille ringsum", der Anfang von "Na sobkach Mandjurii, Auf den Hügeln der Mandschurei": Die Melodie setzt sich im Ohr fest. Als ich aufstehe, trifft mich ein lauter heiserer Schrei und ich brauche eine Weile, bis ich den großen Fuchs sehe, der jetzt in einem weiten Bogen um mich herum läuft und immer wieder in meine Richtung schreit.

Nach ein paar Serpentinengängen und ein paar Atempausen komme ich auf den Gipfel und zum rostigen und verbogenen "Triangel". Der Rundum-Blick über die Lagunen, Nehrungen, kleinen Seen und fernen Berge ist gewaltig und wieder ein wenig erschreckend. Es ist alles so riesig und menschenleer. Weit weg in Richtung des Dorfes sind Fahrspuren zu sehen, die sich in die Tundra eingezeichnet haben und die üblichen rostigen Fässer. Ich lege mich auf die warmen Flechten und Krähenbeeren und es dauert nicht lange, bis ein junger Seeadler über mir segelt und schaut, ob ich vielleicht essbar bin. Als ich ihm zuwinke, weiß er Bescheid und dreht ab und ich weiß, dass es ein Abschied ist: Hierher werde ich nie mehr zurückkommen.

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Re: Meinypilgyno

Beitragvon Jürgen » 20.08.2016 - 13:26

Danke Matti :wavey:

Für die wunderbaren Bilder und Deinen Bericht. :super:
Viele Grüße aus dem Allgäu,
Jürgen
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Re: Meinypilgyno

Beitragvon terriblue » 11.10.2016 - 22:16

Hallo Matti,

vielen lieben Dank für die schönen Fotos und den Geschichten dazu :super:

Gruß Arno

... der sich immer gewünscht hat, es käme noch etwas ...
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Re: Meinypilgyno

Beitragvon Matthias » 12.10.2016 - 07:16

Danke, lieber Arno!

Ja, es sollte immer noch was kommen. Und kommt sicher auch noch. Aber hier daheim hat mich einiges überfallen, das ich erst mal abarbeiten musste. Und jetzt muss ich wohl auch noch unter meinen Kerzhak kriechen ...

Die letzten Tage habe ich den neuen Newsletter zum Löffelstrandläufer-Projekt layoutet. Wegen dieses fast ausgestorbenen Vögelchens war ich ja in Chukotka. Der Newsletter (in englisch) ist hier downloadbar:
http://www.eaaflyway.net/wordpress/new/ ... 16_Web.pdf

Es ist eine niedrig aufgelöste Web-Version, aber die bunte Vielfalt der weltweiten Aktivitäten kommt denke ich ganz gut raus.

Schöne Grüße
Matti
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Re: Meinypilgyno

Beitragvon Borsty » 13.10.2016 - 03:34

Hi Matti
Sehr interessant das ganze Mal mit viel Ruhe am ganz frühen Morgen anzuschauen und zu lesen.
Den Newsletter habe ich mir ausgedruckt. Da mein Englisch nicht mehr ganz so frisch und gut ist, wird das eine Prima Sofalektüre ganz ohne PC. Jedenfalls was ich so erstmal beim überfliegen bemerkt habe das es Weltweit ist. Das merkt man also sehr gut auch wenn man nicht vertieft gelesen und geschaut hat. :super:
Gruss Uwe
BORSTY
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Re: Meinypilgyno

Beitragvon Matthias » 29.10.2017 - 17:50

Servus Bayern!

Am Freitag, den 17. November um 19 h berichte ich bei der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern über meine Reise nach Chukotka und die Löffelstrandläufer: https://www.og-bayern.de/veranstaltungen/
Die Zoologische Staatssammlung ist in der Münchhausenstraße 21, 81247 München zu finden.

Schöne Grüße
Matti
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Re: Meinypilgyno

Beitragvon Schlappohr » 01.11.2017 - 20:00

Hallo Matti,
wie ärgerlich- ich wäre so gerne wieder vorbeigekommen, aber da bin ich in Kolumbien.
Herzliche Grüße
Florian
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Re: Meinypilgyno

Beitragvon Matthias » 01.11.2017 - 22:18

Servus Florian,

da pass nur gut auf auf Dich! Jedenfalls hast Du dann fast den halben Weg bis zur Beringstraße geschafft ...

Bis bald mal wieder - hoffentlich
Matti
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