Hallo zusammen!
Im Bericht von Sven & Moni klingt ja schon an, daß weder die Straßen noch das Kartenmaterial mitteleuropäischen Vorstellungen entsprechen.
Teil 1: Kasachstan
Gefunden haben wir bei Gizimap
www.gizimap.hu 3 Karten, die jeweils in 2 Ausführungen geografisch und politisch lieferbar sind: Kasachstan 1:3.000.000; Zentralasien mit südl. Kasachstan, Usbekistan und südlichen Nachbarn 1:1.750.000; Seidenstraße 1:3.000.000, bei Nelles Map
www.nelles-verlag.de Zentralasien mit südl. Usbekistan und südlichen Nachbarn, bei International Travel Maps
www.itmb.com Kasachstan 1:2.300.000 und bei
Reise-Know-How Kasachstan 1:2.000.000.
Außerdem erreichte uns über Dagmar Schreiber eine Karte von Ost-Kasachstan 1:1.000.000 kyrillisch aus kasachischer Produktion
kartografia@nursat.kz .
Diese Karte von 2006 überrascht mit einer Mischung von kasachischen und veralteten russischen Namensgebungen. Trotzdem war sie allen anderen überlegen. Mit den Karten von Gizimap lässt sich gut arbeiten. Alle anderen taugen nur als Ergänzung.
Zusätzlich verwendeten wir auf Garmin GPS III+ bzw. V die Worldmap V4.
Für die Zielregion Altai hatten wir noch ein paar Ausdrucke russischer Militärkarten 1:100.000 dabei. Wenn man berücksichtigt, wann diese Karten aufgelegt wurden, sind sie immer noch sehr hilfreich.
Auf dem Rechner hatten wir noch viele davon dabei. Aber so waren sie kaum nutzbar.
Alle Karten enthalten viele Fehler, die sich zum Teil in allen Unterlagen wieder fanden. Ein Einschätzen der Straßenbeschaffenheit anhand der Karte ist nicht möglich.
Besonders unangenehm sind uns Straßen aufgefallen, die in allen Karten aber nicht in der Realität existieren. Auch Nachfragen bei den Anwohnern halfen oft nicht weiter. Da kann es auch mal vorkommen, daß einem nach einem Tag Rumsuchen und vielen Kilometern nur die Umkehr bleibt. Selbst der Wille es ohne Weg zu probieren, hilft bei einer fehlenden Brücke oder Bahnübergang nicht weiter.
Seit Kasachstan unabhängig ist, wurden sehr viele Benennungen geändert. So gibt es für die meisten Orte einen russischen und einen kasachischen Namen in kyrillischer und eine oder mehrere Interpretationen in lateinischer Schrift. Z.B. findet man deshalb auf der Garmin CD die Hauptstadt Astana nicht. Sie kennt zwar die Staatsgrenzen, aber keine neuen Ortsnamen.
Um sich die vorkommenden Qualitätsvarianten der Verkehrswege auszumalen, dürfte normale, mitteleuropäische Phantasie nicht ausreichen. Es gibt die ganze Bandbreite von nagelneuem Edelasphalt bis nicht vorhanden. Die Wahrheit liegt meistens dazwischen. Typisch ist ein Erddamm 2-3mal so breit wie die Fahrbahn. Die Asphaltdecke ist in der Regel nicht vollständig erhalten. Das geht bis zum vollständigen fehlen des Asphalts. Manche Straßen sind auch geflickt. Sie enthält Schlaglöcher, die bis in den Unterbau reichen. Man umfährt sie entweder im Zickzack oder, indem man auf den Damm ausweicht. Bremsspuren auf der Fahrbahn sind ein guter Hinweis auf besonders tiefe oder breite Löcher. Wenn der Untergrund es zulässt, wird auch nach rechts und links neben den Damm ausgewichen. So sind manchmal breite Systeme von Parallelwegen vorhanden. Oft sind diese Erdpisten angenehmer zu befahren, als der vorgesehene Verlauf. Aber auch bei nassem Wetter bleibt dieser befahrbar.
Eine weitere Variante ist die Straße, die sich unter der Belastung plastisch verformt. Die Lkws haben ihre Spuren tief in den Belag eingefahren und rechts und links der Spurgräben sind hohen Asphaltwülste hochgepresst worden. Gepflegt wird eine solche Straße manchmal durch das Abfräsen der Wülste. Wenn man seine Bodenfreiheit sicher einschätzen kann, ist so was problemlos befahrbar. Reicht die Luft unter dem Kiel nicht, wird es schwierig.
Untergeordnete Straße bestehen manchmal nur aus einem Damm. Ist dieser völlig unbefestigt, so ist er in der Regel nahezu unbefahrbar. Die Fahrspuren, die schwere Landmaschinen in der nassen Jahreszeit hinterlassen haben, sind im Sommer noch vorhanden allerdings jetzt steinhart getrocknet.
Es gibt aber auch Straßenbauprojekte, die vor vielen Jahren abgebrochen wurden. Man fährt zuerst auf einer Asphaltstraße, dann auf einem Unterbau, dann auf einem Erddamm und dann hört dieser auch auf. Da sie trotzdem in allen Karten eingezeichnet ist, weiß man bei den Dimensionen Kasachstans vielleicht erst nach über 100km und einem Tag, daß man in der Sackgasse steckt.
Es werden aber auch neue Straßen gebaut und alte wieder fit gemacht. Damit die Arbeiten ungestört stattfinden können, wird in der Regel als Umleitung eine Piste geschoben. Diese sind vom Staub mal abgesehen in trockenem Zustand meist gut befahrbar. Bei solchen Großbaustellen sind Gesamtlängen von über 100km ganz normal. Typischerweise werden als erstes die einfachen Aufgaben erledigt. Brückenbauwerke etc. gibt es erst später.
Straßenreparaturen gibt es natürlich auch. Typischerweise ist dafür eine Fräsmaschine unterwegs, die aus unförmigen Schlaglöchern rechteckige, scharfkantige Schlaglöcher macht. Das Füllen derselben findet zu einem anderen Zeitpunkt statt.
Natürlich können alle diese Varianten jederzeit und ohne Warnung auftauchen.
Sehr tückisch ist die nagelneue Fahrbahn, die unvermittelt in eine Behelfspiste übergeht….
…….typischerweise mit einer 20cm hohen Stufe.
Für das erfolgreiche Navigieren wären Wegweiser eine große Hilfe. Auf freier Strecke kommen sie öfter vor, in Ortschaften und Städten fast überhaupt nicht. Man sollte die Hinweise auch unbedingt mit der Karte vergleichen, sie könnten fehlerhaft sein. Den Ort an der richtigen Stelle wieder zu verlassen, kann zur kaum lösbaren Aufgabe werden. Das GPS ist dafür unverzichtbar. Digitalere Reisende würden vielleicht auf Basis der russischen Militärkarten navigieren.
Unterwegs sieht man öfter mal ein Verkehrszeichen, Geschwindigkeitsbegrenzungen, Baustellenschilder usw. Die innere Logik bleibt aber oft rätselhaft. Aufgehoben werden Verbote und Begrenzungen praktisch nie. Steigungen und Gefälle werden sehr ausgiebig ausgeschildert. Allerdings scheint der Unterschied zwischen ° und %-Steigung nicht bekannt zu sein.
Diese Fahrerei ist also ganz schön anstrengend und entspanntes Dahinrollen kommt kaum vor.
Sehr wichtig ist ein großzügiges Zeitpolster und ein voller Tank, denn es kommt doch anders als man denkt. Der Kasache fährt ziemlich anarchisch aber nicht aggressiv. Die Reisegeschwindigkeiten liegen selten über 70km/h.
