Kiew

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Matthias
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Kiew

Beitrag von Matthias »

My God.

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Damit will ich nicht sagen, dass es mir nur um den Pajero leid tut. Aber da ich mit unserem mal in Kiew war, geht es mir besonders nahe. Wie dieser Krieg dort überhaupt.

Grüße
Matti
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Hirvi
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Re: Kiew

Beitrag von Hirvi »

Hallo Matthias.

Traurig, kleine Rädchen die jemand dreht, der glaubt das große Rad drehen zu müssen.

Recht nachdenklich doch ohne Erkenntnisgewinn grüßt

Volker
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Ulrike
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Re: Kiew

Beitrag von Ulrike »

Lieber Matthias,

Ich denke oft an "unsere" Ukraine. Kiew und L'viv waren vor 5einhalb Jahren tolle Städte. Die Menschen dort waren so optimistisch und die Stimmung insgesamt gelöst und fröhlich. Jetzt bewundere ich die Leute um ihr Durchhaltevermögen und hoffe, dass sie Erfolg haben und auch die darauf folgenden Aufgaben meistern.

Über die Staatsgewalt fassungslos
Ulrike
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Schlappohr
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Re: Kiew

Beitrag von Schlappohr »

Ihr Lieben,

was in Kiew geschieht macht mich auch sehr traurig. Aber es macht mich auch unglaublich wütend. Franzosen und Deutsche verhängen gemeinsam erste Sanktionen, Amerikaner setzen ukrainische Politiker auf die Black List, Steinmeier, Sikorski und Luken verhandeln vor Ort mit Janukovitsch, Kerry verurteilt, Biden droht. Die EU berät auf höchster Eben. Alle tun, machen, sind bemüht und aktiv.

Und auf dem Maidan sterben ein bis zweihundert Menschen. Unsere Medien sind voll mit Berichten, natürlich auch weil der Milchschni-etten essende Klitschko - also unser Vitali - irgendwie dabei ist. Oder vielleicht auch nicht Überall - Zeitungen, Fernsehen, Radio, Internet, Live-Stream, Webcam (nur nicht in Deutschland zu sehen wegen möglichen GEMA-Konflikten :kopfgegenmauer: ) und unzählige Interviews mit irgendwelchen unwichtigen Politikern die sich passend zur Europawahl gerne profilieren möchten. Die ist übrigen am 25.5.2014

Und was macht mich jetzt wütend? Ganz einfach: Am 25.5.2012 wurden in Hula 108 Menschen getötet, davon 49 Kinder, 34 Frauen und 25 Männer - die Mehrheit aus kürzester Entfernung in Ihren Wohnungen erschossen. Hula? Ach ja...Syrien. Das Syrien, in dem laut Schätzungen der Vereinten Nationen bis Sommer 2013 über 100.000 Menschen gestorben sind. Man hat inzwischen nämlich mit offiziellen Zählungen aufgehört, weil es zu unsicher und zu ungenau ist!
Das Syrien, in dem nicht nur Autos verbrennen sondern Weltkulturerbe vernichtet wird - die Altstadt von Aleppo ist nur ein Beispiel. Das Syrien aus dem 2,6 Millionen Syrer geflohen sind und mehr als 6,5 Millionen sind innerhalb Syriens auf der Fluch. Also rund 9 Millionen Menschen sind auf der Flucht, haben Angst, leiden Not.

Zum Vergleich - in der Schweiz leben noch nicht mal 8 Millionen.

Für unsere Medien ist aber der Schlagzeilen-Hype vorbei, man zieht zum nächsten spannenden potentiellen Krieg. Ausserdem isst ja in Syrien auch niemand Milchschni-ette.

Bitte entschuldigt wenn ich meine verzweifelte Wut und mein Entsetzen über diese Dinge hier jetzt mal rausgelassen habe, aber manchmal....

Ich wünsche Euch allen einen friedlichen Tag
Florian
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unbemerkt
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Re: Kiew

Beitrag von unbemerkt »

Hallo Ihr Bewegten,

und einen Dank an Florian. Du sprichst mir aus der Seele. Auch ich bin sehr ungehalten, wie "mainstream" auch unsere öffentlich Rechtlichen, scheinbar nur noch quotensuchend, berichten.

Trotz allem bleibt mir eine gewisse Befriedigung, daß sich etwas bewegt auf der Kugel, und die neuen Möglichkeiten, wie facebook, twitter usw. auch in "unterentwickelten" Ländern, revolutionäre Situationen mit Forderungen nach mehr Demokratie unterstützen.

Meine kindliche Hoffnung, das Bildung, irgendwann zu mehr Vernunft führen muß, lasse ich auch bis zuletzt nicht sterben.

Ich stand damals in Leipzig bei den "friedlichen Demos", mit in einer Reihe von "Friedliebenden", welche versuchten "das Volk" davon abzuhalten, das Stasigebäude zu stürmen, um Gewalt nicht eskalieren zu lassen, und hätte beinahe furchtbar Prügel "vom Volk" bezogen. Die Wut der "Stürmenden" freilich, kann ich sehr gut nachvollziehen.

An dem entscheidenden Abend der Montagsdemos, als gepanzerte Fahrzeuge der Bereitschaftspolizei mitten in der Menschenmenge standen und ich einen Fotoreporter der ARD zum knipsen in ein Hochhaus am Ring geschmuggelt habe, hätte ein einzelner geworfener Stein, ein einziger deshalb ausgerasteter Polizist genügt, um eine ganz gleiche Situation, wie heute auf dem Maidan zu schaffen, davon bin ich überzeugt. Dabei waren wir alle froh, um die paar mutigen Journalisten, welche bereit waren, unsere Situation in der Welt, hoffentlich realistisch darzustellen. Was sie der Welt darstellten, sahen wir erst später im Westfernsehen und konnten keine Einfluss mehr darauf nehmen.

Solche Situationen sind kaum mehr steuerbar und ich werde einen Teufel tun, mir ein Urteil zu bilden, ohne selbst dabei gewesen zu sein.

All die Toten, und die Gewalt in Libyen, Ägypten, der Türkei, in Syrien und all den anderen Ländern in denen das Volk aufbegehrt, sind furchtbar und machen mich zutiefst betroffen.

Und doch machen sie mir Hoffnung, daß sich die Welt so zum Besseren wenden wird und ich den Touaregfreund dessen Kinder unter Gaddafi teilweise noch Schulverbot hatten, wieder besuchen kann.

Vielleicht schaffe ich es dann, durch Vorleben, sogar noch, einen kleinen Beitrag zu leisten, daß er seine Frau nicht mehr nur als Dienerin und "zweite Klasse" begreift.

Damit will ich sagen, daß wir einen Beitrag leisten können, jeder und jederzeit.

Der Tuaregfreund ist in einem Reisebüro angestellt, welches von einer Deutschen geleitet wird. Weil er seinen Monatslohn nicht heim gebracht hat und die restliche Familie Not litt, hat die Bürochefin entschieden, daß er nur noch einen Teil des Lohnes bekommt und der andere Teil an seine Frau weiter geleitet wird. :achselzuck: Holzhammermethode, aber es hilft auf dem Weg zur Gleichberechtigung.... :respekt:

Es grüßt, ein großer EU-Freund, welcher in dieser Idee vor allem die große Chance auf anhaltenden Frieden zwischen den Völkern sieht.

PS: ... und immer wieder dankbar über dieses Forum staunend.
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Matthias
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Re: Kiew

Beitrag von Matthias »

Guten Abend!

Und jetzt, nach den Nachrichten der letzten Stunde, bin ich froh, dass zumindest das Morden erstmal ein Ende hat. Was dort sonst noch gespielt wird, kann und mag ich nicht beurteilen, weil ich weiß, dass ich im Grunde nichts weiß.

Grüße
Matti
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Re: Kiew

Beitrag von terriblue »

Hallo ,

... dann hoffen wir mal , daß wieder Ruhe einkehrt und sich der Herr Milchschinttenverzehrer ,
evtl. zusammen mit unserem AM Frank-Walter zum nächsten Kriesenherd aufmacht ... .

Entliehen aus dem Nachbarforum :

Bild

Mercedes-Benz G- calming revolutions since 1979....

Gruß Arno
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Schlappohr
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Re: Kiew

Beitrag von Schlappohr »

Abend,
glaube ich nicht Arno. Wladimir ist mit seiner Olympiade fertig. Die Krim ist "must" - der Südosten "nice to have".
Und ob die Dame im Rollstuhl die richtige Lösung ist weiss ich nicht...
Gruß
Florian
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Re: Kiew

Beitrag von Schlappohr »

Hallo
Und fünf Monate später ist wirklich nur eine Unwichtigkeit besser geworden: der Milchschni-etten-Esser ist nicht mehr ständig zu sehen. :cry:
Grüße
Florian
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Re: Kiew

Beitrag von Schlappohr »

Schlappohr hat geschrieben: Und was macht mich jetzt wütend? Ganz einfach: Am 25.5.2012 wurden in Hula 108 Menschen getötet, davon 49 Kinder, 34 Frauen und 25 Männer - die Mehrheit aus kürzester Entfernung in Ihren Wohnungen erschossen. Hula? Ach ja...Syrien. Das Syrien, in dem laut Schätzungen der Vereinten Nationen bis Sommer 2013 über 100.000 Menschen gestorben sind. Man hat inzwischen nämlich mit offiziellen Zählungen aufgehört, weil es zu unsicher und zu ungenau ist!
Das Syrien, in dem nicht nur Autos verbrennen sondern Weltkulturerbe vernichtet wird - die Altstadt von Aleppo ist nur ein Beispiel. Das Syrien aus dem 2,6 Millionen Syrer geflohen sind und mehr als 6,5 Millionen sind innerhalb Syriens auf der Fluch. Also rund 9 Millionen Menschen sind auf der Flucht, haben Angst, leiden Not.

Zum Vergleich - in der Schweiz leben noch nicht mal 8 Millionen.

Für unsere Medien ist aber der Schlagzeilen-Hype vorbei, man zieht zum nächsten spannenden potentiellen Krieg. Ausserdem isst ja in Syrien auch niemand Milchschni-ette.
Liebe Mit-Gutmenschen und Augenoffenhabende,
Eineinhalb Jahre später, sieht alles anders aus. Die Medien müssen nicht mehr nach Syrien, weil Syrien zu uns kommt und der IS freundlicherweise Abschiedsfilmchen der letzten Weltkulturerbe via Youtube schickt. Problem gelöst.

Bitte entschuldigt den Zynismus, aber ich pendle ständig zwischen unglaublichem Entsetzen und verzweifelter Wut.

Und in Kiew ist die Gewalt auch wieder zurück...

...weil sie gar nicht wirklich weg war.

Traurige Grüße
Florian
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Re: Kiew

Beitrag von 4x4tourer »

Lieber Florian,

ich kann deine Gedanken gut verstehen. Aber bei all der Traurigkeit darin, dürfen wir uns davon nicht runterziehen lassen. Bei der neuzeitlichen Medienpräsens sind wir ja nun eindeutig ständig über alles Elend in der Welt informiert. Manchmal frage ich mich, ob es auch mit daran liegt, dass man Menschen in weniger entwickelten Ländern, die eben diese vielen Informationen nicht kriegen und somit auch dadurch ein deutlich einfacheres Leben leben, oftmals auch mit aus diesem Grund, viel öfter lachend zu sehen sind!? :achselzuck:

Und die Punkte, die du angesprochen hast, sind ja nur eine kleine Spitze des Eisberges. Wenn man bedenkt, wie vernetzt und globalisiert wir Menschen auf der einen Seite heutzutage sind und über die Vergangenheit und Geschichte der Menschheit wissen und dass dann immer noch solche Dinge stattfinden, dann ist das ein echtes Armutszeugnis!!! :cry: :kopfgegenmauer:

Von anderen Themen wie Umweltverschmutzung und Ressourcenausbeutung will ich gar nicht erst groß anfangen. Gestern lief auf Arte mal wieder der Bericht über die Ausbeutung des Sandes der Welt und den daraus entstehenden Problemen. Es gibt zu den Dingen die wir schon wissen, sicher noch viel mehr, die wir noch nicht wissen und manchmal weiß ich aus oben genannten Gründen auch nicht, ob es gut ist manches nicht zu wissen. Aber dann kann man auch nicht auf seiner kleinen Ebene dagegen steuern....irgendwie bin ich dann manchmal froh, jetzt noch zu leben und nicht erst in 50 oder 100 Jahren auf die dann vermutlich noch kaputtere und krankere Welt zu kommen. Vielleicht werden dann tatsächlich mal ansatzweise so apokalyptische Zustände, wie in manchen Endzeitfilmen dargestellt, doch recht realitätsnah werden!? :achselzuck: :(

Trotzdem ist es auch schön, zu sehen, dass es auf der anderen Seite auch viele positiv denkende und helfende Menschen gibt, die hoffentlich in der Überzahl sind und die Ewiggestrigen damit in die Schranken weisen!

nachdenkliche Grüße Dirk *der bisher im Ausland immer sehr viel herzliche Menschlichkeit kennenlernen durfte!!!*
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unbemerkt
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Re: Kiew

Beitrag von unbemerkt »

Hallo Ihr Lieben,

ein ganz klein wenig tröstet mich bei all dem fassungslosen Elend, daß die Medienpräsenz und die "Flüchtlingswellenhysterie" eine verstärkte Beschäftigung mit dem Thema immer wieder anschubst.

Und in irgend einer fast schon absehbaren Zukunft, werden auch die Chefs durch den "Zwang von außen" begreifen, daß vielen Ländern an Ort und Stelle, und nicht nur durch Nahrungsmittelspenden, geholfen werden muß, um die Völkerwanderung zu "regulieren".

Mit den kriegerischen Auseinandersetzungen hat dies freilich wenig zu tun, aber wie ich mich belehren lassen mußte, haben sich ja eben jene, mit über 10.000 Toten, in den letzten Jahren nahezu halbiert, nur die Medienvermarktung stiege an. :kopfgegenmauer:

mit ansonsten beinahe sprachlosen Grüßen von Kay
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Ulrike
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Re: Kiew

Beitrag von Ulrike »

Hallo Ihr Alle,

vor ziemlich genau 8 Jahren haben wir hier besorgt über Kiew geschrieben. In der Zwischenzeit annektierte Russland Teile der Krim und der östlichen Gebiete. Putins Aussagen werden immer haarsträubender und nun führt er Krieg gegen die Ukraine.

Ich bin wütend und sehr traurig darüber. Deshalb kann ich nicht mehr ruhig bleiben:

Frieden und Freiheit für die Ukraine!
Die Kriegstreiber müssen vor das Gericht in Den Haag gestellt werden. Ich hoffe, dass die russischen Frauen und Mütter dem Präsidenten bald die Hölle heiß machen.

Allen Ukrainern wünsche ich viel Kraft und dass dieser Irrsinn bald zu Ende ist.

Grüße aus Lalo
Ulrike
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Re: Kiew

Beitrag von unbemerkt »

Moin Ulrike,

ich denke mit jedem Tag, den die Ukrainer standhalten, wird es für den selbsternannten Zaren ungemütlicher und hoffentlich hat er es diesmal übertrieben.

Der weltweite Widerstand wächst und jetzt zeichnet sich langsam ab, das der Aggressor viele Dinge bei seiner jahrelangen Planung doch gar nicht bedacht hatte.

So müssen z.B. Ersatzteile für seine westlichen Flugzeuge gar nicht sanktioniert werden, wenn die Aeroflot nirgendwo mehr landen muß.

Mit seiner Jacht kann er zukünftig eher Hafenrundfahrten machen und die Asphaltarbeiten an der neuen Formel 1 Strecke in Sankt Petersburg können dann eingestellt werden.

Hinter einigen Grenzübergängen aus der Ukraine sind schon Wartezonen für die kostenfreien Taxis eingerichtet, welche Mütter mit den Kindern durch die Anrainerländer bringen können.

Ich hoffen sehnlichst, das sich in seiner Umgebung jemand findet, der dem Tyrannen etwas in die Unterhose schmiert....

mit Grüßen von Kay und auf baldige freie Neuwahlen in Rußland hoffend
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Re: Kiew

Beitrag von unbemerkt »

Moin allerseits,

vielleicht müssen wir uns einfach nur an die Nase fassen und einmal darüber nachdenken, was uns in Europa unsere Freiheit und unser Frieden wert ist.

Sollte man sich womöglich Petitionen anschließen, welche uns und Putin vorübergehend den Hahn abdrehen?

Petition: Wegen Angriffskrieg auf Ukraine: Russland sofort von SWIFT ausschließen

Petition : Embargo auf Öl- und Gaslieferungen aus Russland "

Das muß wohl jeder für sich entscheiden. Ein Kommentar....

mit Grüßen von Kay, bereit für den Kleinofen unterm Küchentisch
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Re: Kiew

Beitrag von seppR »

Hallo Leute

Ich befürchte, dass in Russland nicht viele sind, die dem Putin die Hölle heiss machen. 2014 nach der Anexion der Krim stiegen seine Zustimmungswerte im eigenen Land. Das wird diesmal nicht anders sein.

Die russische Mehrheit wird erst dann grantig, wenn die Sanktionen zu Versorgungsproblemen führen. Deshalb sind diese wichtig.

Ich befürchte, die Ukraine ist kurzfristig verloren. Und ich hoffe, der Krieg und die folgenden Repressionen kosten nicht zu viele Menschenleben. Putins ziemlich offene Drohung mit einem Atomkrieg lässt dem Westen aber keine andere Wahl.

Langfristig kann es aber nur über wirtschaftlichen Druck zu einem Systemwechsel kommen, anders nicht. Wir haben keinen Tyrannenmörder im Ärmel.

Ich hoffe, dass Putin das Gleiche nicht auch noch in Georgien anstellt. Auch hier gibt es viele herzliche Freundschaften in unser Land.

An einen Angriff im Baltikum glaube ich eher nicht. Putin = Hitler glaube ich nicht.

ratlose Grüße
Sepp
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Re: Kiew

Beitrag von Schlappohr »

Guten Morgen,
Glauben und Hoffen, dass 2022 besser wird haben sich erledigt. Wir sind wieder in einer Bedrohungslage wie zu meiner Schulzeit und die Hoffnung dass die Ukraine in einem Partisanenkrieg auch nur den Hauch einer Chance hat halte ich für komplett unrealistisch. Wir werden live und in Farbe das Drama miterleben und ich fürchte dass es noch viele tote Helden geben wird.

An eine nukleare Bedrohung mag ich nicht recht glauben, weil alles zu nah ist und Putin genau weiß was passiert wenn der Wind dreht. Was mir viel mehr Sorgen bereitet ist ein zu erwartender digitaler Krieg.

Wenn in ganz Europa die Lichter ausgehen, wird vermutlich auch die Regierung der Schweiz lernen dass man sich nicht immer hinter “Neutralität” verstecken kann und inzwischen jeder verstanden hat dass es nur noch um finanzielle Interessen geht. Die Posts in den Social Media von Schweizern die Bilder von Ihren Reisepässen neben Feuerzeugen zeigen finde ich sehr traurig.

Eine ganz neue Dimension hat für mich, dass man noch auf Flight Radar genau die NATO Flugzeuge und Helikopter über Polen, in Rumänien und Lettland beobachten kann wie sie kreisen und lauern. Aktuell sind die Blackhawks wohl nicht oben, aber das dauert sicherlich nicht lange. Genauso sind gestern sehr viele Privatjets aus und nach Russland unterwegs gewesen.

Besorgte Grüße vom
Florian
Wenn man den Anfang dieses Beitrags liest…
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Re: Kiew

Beitrag von unbemerkt »

Moin Florian,

sorry, doch gerade heute bin ich völlig gegenteiliger Meinung.

In Russland wagen immer mehr Verbände und Gruppen die offenen Gegenworte und sprechen von Scham und Schande. Die Schlangen an den Geldautomaten wachsen, während die Onlinezahlungsverkehre einschlafen.

Das Land erwacht und die Menschen beginnen zu begreifen und ermutigen sich. Ich sehe inzwischen eher über kurz als lang ein Ende der Diktatur durch den Zaren.

In der Ukraine können russische Truppen noch kurzzeitige Raumgewinne (wie heute Nacht in Charkiw) machen, um im Anschluss gleich wieder rauszufliegen. Bald werden die Molotowcocktails zunehmend gegen Panzerfäuste ausgetauscht sein und sich die Abwehr immer besser organisieren.

Mit jedem Tag müssen die Aggressionstruppen demoralisierter sein. Soldaten werden bei Zivilkontakt sofort in Gespräche verwickelt, was Sie hier wollen.

Anonymous Hacker haben Putin den Krieg erklärt und legen immer wieder Server und Websites lahm.

Ich glaube, ganz im Gegenteil, wir müssen uns ganz vorwiegend um die atomaren Waffen Sorgen machen, bis der Mann endlich von den Schaltern der Macht weg ist.

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Re: Kiew

Beitrag von Crazy.max »

Hallo zusammen,
unbemerkt hat geschrieben: 27.02.2022 - 15:48 Mit jedem Tag müssen die Aggressionstruppen demoralisierter sein. Soldaten werden bei Zivilkontakt sofort in Gespräche verwickelt, was Sie hier wollen.
Hier stimme ich dem Kay zu. Ich denke das die Soldaten über kurz oder lang, ebenso wie jetzt schon bei einem Teil der Bevölkerung erkennen was da angerichtet wird. Zumal es ja doch für viele ja noch ein "Brudervolk" ist. Problem dabei wird sein das die Befehlhaber der angreifenden Armee auch erst diese Erkenntis erlangen müssen. Wenn das der Fall ist kann es gut möglich sein das sich die Armee gegen Putin stellt
unbemerkt hat geschrieben: 27.02.2022 - 15:48 Anonymous Hacker haben Putin den Krieg erklärt und legen immer wieder Server und Websites lahm.
Das kann sehr dabei helfen die Befehlskette zu untergraben, denn nichts ist wichtiger als die richtigen Informationen zu teilen über das was wirklich passiert.
Wenn hier auch technisch wohl nicht viel in der Befehlskette "gestört" wird so kann es auch hier sein das über das eigene tung nachgedacht wird, was dazu führt das alles etwas langsamer von statten geht. Das kann auch ein Erfolg sein.
unbemerkt hat geschrieben: 27.02.2022 - 15:48 Ich glaube, ganz im Gegenteil, wir müssen uns ganz vorwiegend um die atomaren Waffen Sorgen machen, bis der Mann endlich von den Schaltern der Macht weg ist.
..und genau das ist das Problem.
Wenn der Mann sich an die Wand gedrückt sieht weil ihm keiner mehr vertrauen will, wenn er sein Gesicht verloren hat und denkt das er nichts mehr Wert ist, wenn ihm die Möglichkeit genommen wird mit erhobenem Haupt aus der Sache herauszukommen kann der Kollege schnell auf den Kopf drücken weil ihm quasi dann alles egal sein kann.

Man sollte dabei nicht vergessen das der Putin ein Macho ist wie er im Buche steht, das er aus dem Geheimdienst kommt und wahrscheinlich deshalb keine Skrupel hat bis zum äussersten zu gehen um das zu bekommen was er will. ....und wenn man sich mal diese ganze Geschichte rund um seine Präsidentschaft auf der Zunge zergehen lässt hat er schon lange auf diesen Tag hingearbeitet.

Mittlerweile ist er von etwa 3/4 der Welt geächtet und selbst China hält sich vornehm zurück und ergreift keine Partei, ich sehe die Verhandlungen mit der Ukraine für die Welt als auch für Putin als Chance mit einem blauen Auge aus der Nummer rauszukommen. die Ukraine wird Blockfrei, die Krim und der Osten fällt an Russland und an der Westgrenze Grenze von Belarus und Russland wird ein hoher Zaun gebaut, ebenso an der Grenze zur Ukraine. Estland, Litauen und Lettland bekommen auch Ihren Zaun und die Enklave Kaliningrad ....naja das wird wohl nicht ganz einfach werden.

Wohlmöglich ist aber auch genau das das treibende Problem in dieser Geschichte. Auf jeden Fall ist das genau das Problem womit wir vor 40 Jahren schonmal zu tun hatten, damals waren wir unbedarfter, blauäugiger und nicht so gut vernetzt und hatten wohlmöglich deshalb keine Angst.

Olaf - befürchtet aber das schlimmste...
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Hirvi
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Re: Kiew

Beitrag von Hirvi »

Hallo ihr Lieben!

Furchtbar was wir gerade mitverfolgen müssen. Furchtbar auch wie lange wir uns nur um uns selbst gekümmert haben. Das die Ukrainer sich bis jetzt so gut behaupten können, was ich eigentlich schon erwartet, aber in dieser Stärke bei weitem nicht erhofft habe, ist wohl Fluch und Segen. Ein Volk das sein Land verteidig ist in einer ganze anderen Motivation und Haltung geeint, als ein Volk dessen Soldaten ein als fast schon brüderlich verbundenes Land angreifen sollen.
Putin sichert seine innere Macht mit Gefälligkeiten und schnöden Mammon. (Die äußere Macht immer mehr mit seinem Militärischen Drohpotenzial) Jetzt, wo viele seiner Vasallen merken, das ihr ganzes oder große Teile ihres Geldes eben durch Putins Handeln unerreichbar geworden oder sogar gänzlich verloren erscheinen, könnte diese "Gefolgschaft" ein schnelles Ende finden. Dies ist zumindest mein kleines Fünkchen Hoffnung. Sorgen bereitet mir aber eigentlich genau diese Ausgangslage auch wieder. Wer nichts mehr zu verlieren hat, neigt nicht unbedingt dazu anderen etwas zu gönnen.
Das Putin wohl aktuell nur recht alte Militärtechnik einsetzt ist auch ein zweischneidiges Schwert. Entweder er hat wirklich gedacht es wird ein Spaziergang (dies wäre wohl die positive Interpretation) oder er will sein Pulver für später trocken halten. Was er wirklich plant, wenn er den plant werden wir wohl leider noch erfahren.

Es grüßt

Volker

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Re: Kiew

Beitrag von Schlappohr »

Hallo Miteinander,
ich weiss ja nicht wie es Euch geht...man möchte was schreiben, aber man wird während des Schreibens von der Realität links und rechts überholt und es fällt einem nichts - aber auch gar nichts - Optimistisches ein. Ja, inzwischen sind wir vermutlich alle ausreichend aufgeklärt worden, dass das was gerade geschieht seit Jahren vorhersehbar war und aus Putins Perspektive nur konsequent ist. Wir wissen alle dass wir es nicht aufhalten können. Wir wissen dass da noch viel mehr nachkommen kann.
Und wir wissen dass die Ukraine eigentlich keine Chance hat und jeder kleine - über Social Media maximalgefeierte - Erfolg nur eine kleine Verzögerung ist. Unsere Medien stürzen sich drauf weil man die Hoffnung befeuern oder einfach nicht resignieren will. Oder weil die Stärke der Ukrainer selber ansteckend ist.

Das russische Volk wird nicht aufstehen, die Soldaten nicht aufgeben und Blümchen an die Panzer hängen. Die Panzer werden nicht alle auseinander fallen - es sind einfach zu viele. Und es gibt auch keinen starken Mann mehr, der Putin die Stirn bieten kann. Da hilft nicht die medienwirksame Million Kopfgeld von Alex Konanykhin, nicht das Abramovic seine Hobbies aufgeben muss und wie lange Alexej Nawalny noch hat weiss auch niemand. Vermutlich hätte er noch mit am meisten bewirken können, wenn er nicht zurückgegangen wäre.
Inzwischen sind fast alle Informationsquellen für russische Bürger gekappt und niemand bekommt mit was passiert - also gibt es auch keinen Aufstand. Im Gegensatz zu den Bodentruppen ist die Luftwaffe wohl auf modernem Stand - die Bombardierung von Kiew und Odessa wird kurz und heftig und wir werden keine Traktoren sehen die Kampfflugzeuge abschleppen.

Ich habe Angst vor dem Moment, wenn die drei berühmtesten Ukrainer als Märtyrer in Kiew sterben werden und das ganze Internet Trauerbalken in Profilbildchen haben wird. Ich habe Angst davor, wenn wir später im Jahr Panzer durch die historische Altstadt von Tiflis und/oder Tallinn rollen sehen. Und ich habe Angst vor dem Moment, in dem der Westen das Kapitel im Geschichtsbuch einträgt und dann zur Normalität zurückkehrt. Show must go on.

Lieber Kay, der rote Knopf...ich glaube immer noch nicht daran. Putin will mit einem großen starken Russischen Reich respektiert werden. Wenn es niemand mehr gibt der ihn respektieren kann, oder vor ihm Angst hat macht das alles keinen Spaß.
Sollte die NATO sich auf einen Krieg einlassen ist vermutlich ein kurzes helles Licht noch das Beste was uns passieren kann?

Aber hey - sehen wir es positiv...immerhin ist das Champions-League Finale dieses Jahr in St. Denis und nicht in St. Petersburg. Ist doch auch toll.

Ich gehe jetzt mal wieder mit dem Hund in den Wald,
umgefallene kranke Bäume haben ja auch was beruhigendes.
Florian
PS: @Volker - Artikel ist leider hinter Paywall
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Re: Kiew

Beitrag von Beda »

Hirvi hat geschrieben: 28.02.2022 - 15:16 Hallo ihr Lieben!

Es grüßt

Volker

Interessanter Text zum Meinungsbild in Russland.
Hallo ihr Lieben,
mir fehlen die Worte.
Aber hier der von Volker verlinkte geradezu hellseherische Text:
Russische Bevölkerung: Ich schäme mich
Die russische Gesellschaft ist angesichts Wladimir Putins Angriff auf die Ukraine gespalten. Es herrschen Trotz, Stolz, Panik, Angst oder wie bei unserer Autorin: Scham.
Von Alissa Ganijewa, Moskau
28. Februar 2022, 15:51 Uhr 135 Kommentare
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"Die Diskussion, ob wir Scham empfinden sollten, ist heute innerhalb liberaler Kreise in Russland von zentraler Bedeutung", schreibt Alissa Ganijewa. Auf dem Bild sieht man eine Frau, die am 24. Februar an einem Protest gegen die russische Invasion der Ukraine teilnimmt und Blumen in den ukrainischen Nationalfarben hält. © Alexander Nemenov/​AFP/​AFP/​Getty Images

Eine Anmerkung zum Gebrauch der Begriffe "russländisch" / "Russländer" und "russisch" / "Russen" in diesem Text: Im Russischen gibt es zwei verschiedene Begriffe für die Staatsangehörigkeit (russländisch) und die ethnische Zugehörigkeit (russisch). Dies wurde bei der Übersetzung berücksichtigt.

Russlands Überfall auf die Ukraine kam unerwartet, obwohl viele Menschen auf der ganzen Welt ihn erwartet hatten; auch ich gehöre zu denjenigen, die überzeugt waren, dass es so kommen würde. Es war klar, dass Wladimir Putin, der "Sammler der russischen Lande", seine Panzer in das Land schicken würde, das er aus Eifersucht auf den kollektiven Westen am liebsten in Stücke reißen würde. Und obwohl ich wusste, dass Putin dazu imstande ist, obwohl in der Ukraine schon seit Jahren Krieg geführt wird und ich in dieser Zeit mit meinen bescheidenen Kräften gegen das, was mein Land anrichtet, Widerstand geleistet habe, verspüre ich nun eine unglaubliche Scham.

Alissa Ganijewa

geboren 1985, ist eine russländische Schriftstellerin und Publizistin. In deutscher Sprache sind ihre Romane "Die russische Mauer" (Suhrkamp, 2014), "Eine Liebe im Kaukasus" (Suhrkamp, 2016) und "Verletzte Gefühle" (Wieser Verlag, 2021) erschienen. Ganijewa lebt in Moskau.


Ich schäme mich unendlich, Teil der russländischen Gesellschaft zu sein. Dieser schweigenden, geduldigen, leichtgläubigen, fügsamen Gesellschaft, die unfähig ist, Ursache und Wirkung zu erkennen; die jedes Blutvergießen rechtfertigt; die an gekränktem, erniedrigtem, revanchistischem Großmachtstreben leidet. Die Diskussion, ob wir Scham empfinden sollten – immerhin haben wir diese Regierung nicht gewählt, echte Wahlen gibt es seit Mitte der Neunzigerjahre nicht mehr und wir sollten die Verantwortung nicht mit der Regierung teilen, um deren Schuld nicht zu vermindern –, ist heute innerhalb liberaler Kreise in Russland von zentraler Bedeutung.

Die Kulturanthropologin Alexandra Archipowa hat russländische Posts in den sozialen Netzwerken auf Wendungen wie "wir schämen uns / ich schäme mich" in unmittelbarer Nähe zu Schlüsselwörtern wie "Putin / Donbass / Ukraine / unser Land / DNR / LNR" (letztere beiden Abkürzungen stehen für die sogenannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk) untersucht. Sie fand heraus, dass am 22. Februar, dem Tag, nachdem die sogenannten Volksrepubliken von Putin anerkannt wurden, rund 8.000 solcher Äußerungen neu aufgetaucht sind, bei denen etwa 1.000 Postende versuchten, sich zu distanzieren ("ich habe ihn nicht gewählt"). Ich kann aus meinen Beobachtungen hinzufügen, dass die Zahl derartiger Aussagen am 23. Februar noch einmal um ein Vielfaches angestiegen ist.

Als die Invasion in die Ukraine dann in den frühen Morgenstunden des 24. Februar tatsächlich begonnen hatte, erfuhr unsere träge russische Gesellschaft einen Schock. Die Bürgerinnen und Bürger, die den Einmarsch von Truppen in die sogenannten Volksrepubliken befürworteten, damit die russischsprachige Bevölkerung vor der vermeintlich tückischen Nato und den "faschistischen Bandera-Ukrainern" geschützt würde, hatten nicht damit gerechnet, dass russländische Truppen direkt auf Kiew zusteuern und unterwegs Wohnhäuser beschießen und Zivilisten töten würden.

Ukrainer und Russen sind durch ein weites, verworrenes Netz verwandtschaftlicher Beziehungen verbunden, und die Handlungen unseres russländischen Staates zu erklären oder gar Freude darüber zu empfinden, fiel einem einfachen Menschen spätestens ab da außerordentlich schwer. Umso mehr, als die Kriegsvorbereitungen von hanebüchenen Lügen des Kremls und Außenministeriums begleitet wurden: etwa der Lüge, es seien gar keine Truppen an den Grenzen des Nachbarlandes zusammengezogen worden, oder der, Russland habe "während seiner ganzen Geschichte nie ein anderes Land überfallen". Auch der Letzte durchschaut jetzt diese Lügen.

Eine Umfrage des renommierten Levada-Zentrums, das in Russland als "ausländischer Agent" verunglimpft wird, erbrachte Mitte Dezember 2021 folgende Ergebnisse: 38 Prozent der Befragten glaubten damals, dass es einen Krieg geben würde; doch die Hälfte gab für den Fall den USA und der Nato die Schuld daran, weitere 16 Prozent der Ukraine und nur vier Prozent Russland. Nach einer Umfrage des – staatlichen – Allrussischen Meinungsforschungszentrums, die am 23. Februar veröffentlicht wurde, unterstützten drei Viertel der russländischen Bürgerinnen und Bürger die Anerkennung der sogenannten Volksrepubliken, also von Gebieten des ukrainischen Staates.

Doch diese Umfragen wurden vor dem Überfall auf die Ukraine durchgeführt. Gemessen daran, was ich auf Social Media seit Beginn der Invasion beobachte, scheint nun aber sogar in den Köpfen treuer Putin-Anhänger der gesunde Menschenverstand einzukehren. Es gibt Äußerungen wie "Ich weiß nicht, wie ich das Ganze bewerten soll, aber ich bin gegen jeden Krieg", und die Leute posten Tauben und andere Friedenssymbole. Die Aggression wurde auch von vielen russischen Stars verurteilt, von Rappern, Sportlern, Sängern, die früher geschwiegen oder den Präsidenten aktiv unterstützt haben. Ein Moskauer Theaterchef gab aus Protest gegen den Krieg seinen Posten auf.

Nun wird alles nur noch schlimmer

Bei Kundgebungen gegen den Überfall auf die Ukraine gab es, wie mir Freunde erzählten (ich konnte wegen meiner Omikron-Infektion nicht teilnehmen), sehr viel weniger Passanten als üblich, die die Protestierenden beschimpften und ihnen Verrat an der Heimat vorwarfen. Im Gegenteil, viele vorbeifahrende Autos hupten zum Zeichen der Unterstützung, und in einigen dieser Fälle wurden die Fahrer nach neuester russländischer Mode von Angehörigen der Sonderpolizei Omon eingekreist und festgenommen. In Dutzenden Städten Russlands wurden Antikriegsaktionen durchgeführt, rund 6.000 Personen wurden bislang festgenommen. Die Siegeseuphorie, die nach der russischen Annexion der Krim 2014 sehr verbreitet war, ist jetzt viel weniger zu spüren. Andererseits demonstrieren auch weniger Menschen. Verständlich – der Preis, den man als Protestierende, Protestierender zahlen muss, ist in den vergangenen acht Jahren extrem gestiegen. Es geht nicht mehr um kleine Geldstrafen, sondern um große Summen, um Stunden oder Tage in Arrestzellen; und wenn man Pech hat, wird man verprügelt, verletzt, verliert den Arbeits- oder den Ausbildungsplatz, riskiert eine Strafanzeige, Lagerhaft und sogar das Leben.

Nun wird alles nur noch schlimmer. Der 24. Februar 2022 wird einmal als Anfang vom Ende in Russland wahrgenommen werden: kompletter wirtschaftlicher Kollaps, die weitere Isolierung Russlands von innen und von außen, ein immenser Anstieg politischer Repressionen, die früher oder später zu sozialer Gärung, dem Ausbruch eines Bürgerkriegs und dem Zerfall des Landes führen könnten. Mit der Kriegserklärung gegen die Ukraine hat Putin sich selbst das Urteil gesprochen. Seine ersehnte Rolle in den Geschichtsbüchern als Sieger und Retter von Brudervölkern wird er wohl kaum spielen. Nach dem hinterhältigen Überfall auf ein friedliches Land wurde sogar von manchen Leuten, die den russischen Präsidenten bis dahin für einen Ehrenmann gehalten hatten, der Vergleich mit Adolf Hitler herangezogen. Viele Vertreter der Elite sind plötzlich aufgewacht und haben gemerkt, dass der "kollektive Putin" das Böse ist. Aber kein erhabenes, infernalisches Böses, kein Zar auf einem schwarzen Thron – sondern ein kleines, rachsüchtiges, feiges Böses, eine KGB-Seele, eine Motte im grauen Anzug, mit Gift in der Jackentasche.

Europäische Ex-Politiker verlassen bereits ihre Top-Managerposten in den kriminellen russländischen Rohstoffunternehmen: der ehemalige finnische Ministerpräsident Esko Aho (Sberbank), der ehemalige italienische Ministerpräsident Matteo Renzi (Delimobil), der ehemalige österreichische Kanzler Christian Kern (RZB). Und wie sehr Putin auch versucht, diesen Krieg als militärische Spezialoperation zu maskieren, wie sehr er auch den Russländerinnen und Russländern einreden will, dass wir gezwungen waren, anzufangen, weil sonst die anderen angefangen hätten – seine historische Rolle ist eindeutig, er ist der Aggressor, der nationale und internationale Gesetze und Vereinbarungen bricht und nur seine eigenen Regeln kennt, die des Gefängnisses und der Hinterhöfe.

Es herrscht Panik

In den russischsprachigen Posts auf sozialen Medien und in Chats (so sie noch nicht abgeschaltet wurden) herrscht Panik: Was wird mit dem Swift-System? Werden die Schengen-Visa annulliert? Wird die Mobilmachung befohlen? Vor den Bankautomaten bilden sich Schlangen, die Leute wollen ihre Valuta abheben, aber oft ist das nicht möglich, weil die Valutabestände ausgegangen sind.

Doch die Panik offenbart wohl eher eine Angst vor Krieg und dem Zusammenbruch des vertrauten Lebens als aufrichtige Antikriegsstimmung. Angst haben sowohl einfache Leute als auch hohe Beamte und Abgeordnete, das konnte man in den Sitzungen des Sicherheitsrats, der Duma, des Föderationsrates von ihren Gesichtern ablesen. All diese unglückseligen Menschen, die sich an das System Putin verkauft haben und seit Langem nicht gewählt, sondern ernannt werden, begreifen sehr gut, dass sie mit ihrer Zustimmung zum Krieg all das verlieren, was ihnen so viel wert ist – das luxuriöse Leben, das sie außerhalb Russlands führen können in den demokratischen Ländern, die sie innerhalb Russlands so hemmungslos anprangern.

Gegen diesen Personenkreis müsste es mehr und stärkere westliche Sanktionen geben, davon spricht die noch bestehende Zivilgesellschaft Russlands schon seit Langem. Doch bis heute sind oft im Ausland lebende Kinder und andere Familienangehörige der russländischen Elite (zu der Diebe, professionelle Lügner, Betrüger, Propagandisten und manchmal auch Mörder gehören) glänzend in den westlichen Gesellschaften integriert und genießen dort Bildungsmöglichkeiten, Wohlstand und andere Vorteile. Jetzt fürchten diese Leute offenbar fallende Devisenkurse und geschlossene Grenzen und bemühen sich, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Von einzelnen Abgeordneten hört man schon den Vorschlag, zur Kompensation der Einbußen durch die Sanktionen des Westens die Privatkonten der Bürgerinnen und Bürger zu konfiszieren.

Um die Nation zusammenzuschweißen und antiukrainische Hysterie zu schüren, wird permanent die zentrale ideologische Karte ausgespielt: der Sieg im Zweiten Weltkrieg, dem "Großen Vaterländischen Krieg", und der notorische Vergleich mit der Vergangenheit. "Unsere Großväter haben den Feind abgewehrt – tun wir es ihnen gleich!" Vor der Invasion wurden in vielen russländischen Schulen Unterrichtsstunden zur Anerkennung von "DNR" und "LNR" angeordnet, und Plakate am Rande unserer katastrophalen Straßen und vor unseren heruntergekommenen Häusern (auch daran sind natürlich die Amerikaner schuld, wer denn sonst?) verkündeten Parolen wie "Wir lassen die Unseren nicht im Stich!" oder "Wir haben 1944 unser Land verteidigt, wir werden es auch heute tun!"

Ein Graben verläuft auch zwischen den Generationen in Russland

Wie sich die russländische Gesellschaft zur aktuellen Situation verhält, könnte nur eine differenzierte soziologische Analyse herausfinden, die unter den heutigen Bedingungen von Abschottung und Zensur fast unmöglich ist. Mittlerweile gilt in Russland eine Zensur, die festlegt, dass von den Medien "ausschließlich Informationen und Daten, die sie von offiziellen russländischen Quellen erhalten haben", zur Berichterstattung genutzt werden dürfen; seit Samstag ist den Medien die Verwendung von Begriffen wie "Invasion" und "Angriff" im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg offiziell verboten. Bei Zuwiderhandlung drohen exorbitante Strafen und die Schließung etwa der Website. Antikriegsrhetorik wird mehr und mehr kriminalisiert. Einige Dutzend meiner Freunde und Bekannten wurden von Beamten der Bezirkspolizei aufgesucht, man fragte sie, ob sie sich an Antikriegsaktionen beteiligen wollten, und versuchte, ein "prophylaktisches Gespräch" zu führen.

Auf der Basis von persönlichen Erzählungen und Beobachtungen, von Berichten und Meinungsäußerungen im Netz kann man verschiedene Typen von Reaktionen auf den Krieg zusammenfassen, aber natürlich ist es unmöglich, festzustellen, wie repräsentativ sie jeweils in der Bevölkerung sind:

"Ich habe nicht genug Informationen, ich weiß nicht, wer recht hat, aber ich bin gegen jeden Krieg."

"Ich bin gegen die russländische Aggression in der Ukraine, Putin ist ein Verbrecher."

"Natürlich ist Krieg etwas Schlimmes, aber wir hatten keine andere Wahl, sonst hätte die Nato uns bombardiert."

"Das alles ist eine Provokation der USA und der Ukraine, Russland greift nur militärische Objekte an, Videos mit zivilen Opfern sind Fakes."

"Man hätte Kiew schon 2014 erobern sollen. Endlich ist es so weit!"

Schweigen oder Äußerungen zu beliebigen anderen Themen, nur nicht zur Ukraine (das bedeutet, die Person kann auch gegen den Krieg sein, aber sie hat einen guten Posten und fürchtet, ihn zu verlieren).

Wladimir Putin gehört vor Gericht

Ein Graben verläuft auch zwischen den Generationen in Russland.Die Älteren sind eher bereit, dem zu glauben, was im Fernsehen verbreitet wird, egal was. Einige Bekannte haben mir erzählt, dass ihre für Putin eingestellten Mütter wegen der unterschiedlichen Meinungen zum Krieg den Kontakt zu ihnen abgebrochen haben; ihre Kinder stehen in ihren Augen auf der Seite des Feindes. Wie in der offiziellen Rhetorik wird auch in Familiengesprächen stets die Parallele zum "Großen Vaterländischen Krieg" gezogen, wird die Frage aufgeworfen, wie sich ein fiktiver oder tatsächlicher Großvater, der die Faschisten besiegt hat, in der heutigen Situation verhalten würde. Würde er den Angriff auf das Bruderland gutheißen oder verurteilen?

Die vorletzte der oben genannten Reaktionen ("Man hätte Kiew schon lange einnehmen sollen!") ist radikal und selten, doch leider wird sie auch von Teilen der sogenannten Intelligenzija geäußert: von Schriftstellern, Verlegern, Kritikern. Möglicherweise versteckt sich dahinter pure Angst. Denn im Kessel der Diktatur, dessen Deckel jetzt zuklappt, werden ausnahmslos alle kochen, ob sie nun für die Staatsführung sind oder dagegen. So war es schon nach 1917.

Ich möchte als Letztes betonen, dass Wladimir Putin, der belarussische Diktator Alexander Lukaschenko und ihre ganze Umgebung, ob Sicherheitsapparat oder sonstige Eliten, zwar wie ein Heer von Psychopathen wirken, man ihre Untaten aber nicht etwa auf Wahnsinn zurückführen darf. Sie gehören vor Gericht, sie müssen sich für jedes ihrer heimlichen oder öffentlichen Verbrechen verantworten. Ich hoffe sehr darauf, dass sowohl sie als auch wir das erleben werden.

Aus dem Russischen von Christiane Körner
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Re: Kiew

Beitrag von M1009 »

Moin....

das war ja nun ein Schuss in den Ofen. Russland von Swift ausgeschlossen.... Einige Banken. Stimmt! Wenn "meine" Bank nun ausgeschlossen ist (ist sie auch), wickelt die betreffende Bank, die Auslandsgeschaefte ueber eine Korrespondenzbank ab. Dauern Ueberweisungen halt etwas laenger...

Will ich "normal" weiterarbeiten, ohne den Umweg einer Korrespondenzbank.... Einfache Loesung: Konto bei der Deutschen Bank Moskau, Raiffeisenbank Russland, Citybank Russland etc. eroeffnen. Es gibt zig Kreditinstitute, die von den Swift Sanktionen nicht betroffen sind.

Was ich damit sagen will.... das war nix, mit dem "Ausschluss aus Swift".... Das Sanktionen so einfach zu umgehen sind, haette ich nicht gedacht.... Auch dieser Hype um die "Sperrung" von Facebook in RUS... Versteh ich nicht. Westeuropa blockt russische IP's (vermehrt) seit Januar 2022. So war man eh schon gezwungen, ueber VPN zu surfen. So hab ich es gar nicht bemerkt, das FB in Russland (zum Teil, weil auf den Mobiltelefon funktioniert FB ohne Probleme) gesperrt wurde....

Gruss aus Russland

Jens
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Re: Kiew

Beitrag von Beda »

Guten Morgen ihr Lieben,
es bricht mir das Herz, was in der Ukraine abläuft.
Auf unserer Reise 2008 war sie uns nur eine Randnotiz wert.
Ulrike hat geschrieben: 14.09.2008 - 20:17 Hallo Ihr,

Durch Polen sind wir nur durchgefahren, auch die Ukraine war eigentlich nur ein Transitland.

Wir verlassen am Montag Polen bei Przemysl und reisen am Freitag bei Krasnodon nach Russland wieder aus. Auf dem Rückweg passieren wir die Grenze am Samstag aus Russland kommend bei Sudza und verlassen die Ukraine am Donnerstag bei Uzgorod in Richtung Slowakei. Die Leute am Zoll sind freundlich, aber auch spitzfindig. Bei der ersten Ausreise aus der UA wurde eine fehlende bzw. nicht mehr lesbare Fahrgestell-Nummer bemängelt. So könnten wir nicht weiterreisen – nach längerem Zureden und Abwarten ging es dann nach 2 Stunden aber doch. Bei dem ganzen Durcheinander wurde ein Ausreisestempel im Pass vergessen, was auf der Rückfahrt bei der Wiedereinreise zu erneuten Diskussionen führte.
Die Straßen sind ziemlich wellig, besonders am rechten Rand. Wir freuen uns an unseren großen Reifen und lassen etwas Luft ab. So sind die Löcher und Buckel schon besser zu ertragen. Der Ukrainer überholt mit dem Messer zwischen den Zähnen und hofft, dass der Gegenverkehr im entscheidenden Moment Platz macht. Dass das nicht immer klappt sieht man an den vielen Blumengestecken entlang der Straßen. Die etwas kleineren, auf der Karte gelben Straßen sind etwas angenehmer zu fahren. Ihr Zustand ist oft besser und es fahren kaum LKWs. Dafür gibt es mehr Ortsdurchfahrten. Die Stadtdurchfahrten sind mangels Beschilderung abenteuerlich. Die Polizei passt höllisch auf, dass man am Stoppschild lange genug hält und bloß nicht falsch abbiegt. Das kostet dann umgerechnet 10 Euro und eine halbe Stunde Diskussion. Parallel zu den Straßen verlaufen Windschutzstreifen – annähernd die einzigen Bäume weit und breit, von den Karpaten einmal abgesehen. Wir fahren an riesigen Getreide-, Kartoffel- und Sonnenblumenfeldern vorbei und fragen uns wie es hier wohl im Herbst nach der Ernte aussehen mag. Eine Antwort darauf bekommen wir auf der Heimreise. Die Felder werden gemäht, häufig abgeflämmt und sofort gepflügt.
Nicht so leicht war das Auffinden eines schönen Schlafplatzes. Jeder Weg führt auch irgendwo hin, man ist also nie weit von einer Absiedlung entfernt. Außer im Windschutzstreifen kann man eigentlich nicht mit dem Auto verschwinden.

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Eine sehenswerte und pulsierende Stadt ist L’viv , früher Lemberg genannt. Kopfsteinpflaster, Straßenbahnen, chaotischer Verkehr, alte Gemäuer, ein lebendiger traditioneller Markt, ein alter Marktplatz und ein historisches Stadtzentrum (Weltkulturerbe) mit modernen Geschäften. Gerade ist das Verkehrschaos besonders groß, weil die Straße vor dem überdachten Markt gesperrt und aufgerissen ist. Wir staunen nicht schlecht als dort unser Parkplatz von der Hinfahrt nicht mehr vorhanden ist.

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Auf der Rückfahrt verbringen wir einen herrlichen Tag in Kiew, am Unabhängigkeitstag, wie wir erst dort feststellen, als eine Flugschau über uns hinweg zieht. Wir parken am Dnepr und laufen erstmal hinauf zum Höhlenkloster (Heiliges Kiever Mariä-Entschlafens-Höhlenkloster). Auf dem Weg nach oben herrscht großes Gedränge, wir sind in einer riesigen Gartenschau mit Ausstellungs- und unzähligen Verkaufsständen gelandet. Nachdem wir uns durch die Menschenmenge gekämpft hatten, besichtigen wir die sog. Fernen Höhlen. Mit der Kerze in der Hand geht es durch niedrige, schmaler Gänge vorbei an Mumien von Heiligen und Ikonen, die von orthodoxen Pilgern geküsst werden. Im gesamten Klosterbereich ist das Tragen von züchtiger Kleidung, vor allem einer Kopfbedeckung für Frauen angeraten. Später essen wir herrliche sibirische Pelmeni an Bord eines Restaurantschiffs und genießen den Blick über den Dnepr. So gestärkt machen wir uns auf dem Weg zur Andreaskirche. Der Weg bergauf führt über den Andreassteig, ein großer Flohmarkt mit Folkfeststimmung. Hier kann man Kunsthandwerk und vor allem Gemälde in jeglicher Qualität und Kitschstufe erwerben. Das wichtigste Haus ist die Nummer 13. Hier wohnte Michail Bulgagow . Heute ist dort ein Museum untergebracht, welches leider am Unabhängigkeitstag geschlossen hatte.

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Am Stadtausgang finden wir einen Campingplatz. Hier rasten Lkw-Fahrer, ein paar Italiener und Franzosen mit dem Wohnmobil, Holländer mit einem riesigen Zelt und nun auch wir. Zuerst war nur der Herrensanitärbereich geöffnet. Auf meine Nachfrage hin wurde dann auch der Damentrakt aufgeschlossen. Wir waschen endlich alle schmutzige Wäsche, die leider keine Gelegenheit zum Trocknen bekommt, weil es zu regnen beginnt und bis zum nächsten Morgen auch nicht wieder aufhört.
Südlich von L’viv beginnen die Karpaten. Die Landschaft ist genau so, wie wir sie uns vorgestellt haben. Sanfte Hügel, hübsche Dörfer, Heuhaufen auf den Wiesen, es riecht nach Holzfeuern. Mittlerweile ist es ein bisschen herbstlich geworden – tagsüber wird es nicht mehr so warm, die Nächte sind kühl und feucht. Wir sind froh 2 Lagerplätze mit Feuerstellen gefunden zu haben. Um die Gegend von oben betrachten zu können fahren wir auf die Polonina Runa / Rivna. Eine Polonina ist eine als Bergweide genutzte baumlose Gipfellage. Oben (1479m) ist der Berg auch fast kahl. Stellenweise wird versucht wieder ein paar Bäume anzusiedeln. Hier wachsen jede Menge blaue Enziane und Heidelbeeren, die professionell von größeren Gruppen mit dem Beerenkamm geerntet werden. Der Weg nach oben führt erst über einen breiten Forstweg, später über Betonplatten, die als 2 Spuren für breite Fahrzeuge ausgelegt sind. Teilweise gibt es tiefe Löcher zwischen den Platten oder es schauen uns unangenehme Eisenstücke daraus an. Diese Platten wurden vom Militär verlegt, denn bis in die 80iger Jahre befand sich oben eine Militär-Basis, die aber anscheinend nie richtig fertig geworden ist. Die Ruinen vergammeln auf dem Gipfel. Wir sind froh auf dieser Strecke mit unseren Gelände-Womos unterwegs zu sein und sind überrascht, wie viele Leute doch mit normalen PKWs oder Kleintransportern dort oben unterwegs sind. In der Nähe ist ein Startplatz zum Gleitschirmfliegen (Hier im Link ist ein kurzer Film mit den Betonplatten)

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Eigentlich war geplant auf der Rückfahrt ans Schwarze Meer und nach Odessa zu fahren, aber die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Russland und Georgien haben uns davon abgebracht. Dafür haben wir Kiew gesehen und das hat sich sehr gelohnt. Eine Reise durch die gesamten Karpaten mit ordentlicher Wanderkarte könnte ich mir gut vorstellen…

Grüße
Ulrike
Deshalb gibt es auch nur ein paar Fotos, die ich euch aber nicht vorenthalten möchte:
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Re: Kiew

Beitrag von Matthias »

Danke Beda!

Mehr gibt's eigentlich nicht zu sagen.

Schöne Grüße
Matthias
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Re: Kiew

Beitrag von Beda »

Guten Morgen zusammen,
auf schmerzhafte Weise sehr aktuell:

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https://www.arte.tv/de/videos/065311-00 ... en-landes/
Finnland - Geschichte eines unabhängigen Landes

Über Finnland, das Land im hohen Norden, ist wenig bekannt: Welche Ereignisse prägten seine Geschichte, durch welche Prüfungen ging es auf dem Weg zur Unabhängigkeit, und welche Werte bestimmen seine Identität? Die Doku zeichnet das Porträt der jungen finnischen Republik.

ARTE erkundet die Geschichte Finnlands: Wie ist das im Ersten Weltkrieg entstandene Land zu dem geworden, was es heute ist? Wie erklärt sich die besondere Situation Finnlands in Europa? Wodurch wurde Finnland zu einer friedvollen Demokratie und einem Modell auf vielen Gebieten?
Eingekeilt zwischen mächtigen Nachbarn musste Finnland lange die Folgen von andernorts getroffenen Entscheidungen tragen. Unter Historikern gilt daher 1703 als ein einschneidendes Datum: das Jahr der Gründung von Sankt Petersburg, der neuen Hauptstadt der Zaren. Die Öffnung des Russischen Reiches zur Ostsee sollte Finnlands Schicksal verändern. 1808 annektierte Zar Alexander I. – mit Napoleons Einverständnis – diese schwedische Provinz und machte daraus 1809 das Großherzogtum Finnland. 50 Jahre später gewährte Zar Alexander II. den Finnen eine weitreichende Autonomie. Die Geburt Finnlands als Staat, als Kultur, als Einheit vollzog sich über einen lange währenden kulturellen Separatismus, in Theaterstücken, Gedichten, Romanen, Musik und dem finnischen Tango. Als Zar Nikolaus II. versuchte, sein kriselndes Reich mit harter Hand in den Griff zu bekommen, war es zu spät. Den Finnen gefiel ihre Autonomie, sie widersetzten sich. Die Russische Revolution 1905 zwang den Zaren zu Zugeständnissen. Rasch wählten die Finnen auf der Grundlage des allgemeinen Wahlrechts ein eigenes Parlament. Als die Bolschewiken im Oktober 1917 die Macht in Russland übernahmen, hielten die Finnen den Moment für gekommen, Finnlands nationale Unabhängigkeit zu erklären.
In der jüngeren Vergangenheit bereitete die Finanzkrise von 2008 dem Land Schwierigkeiten, und die wieder hervorbrechenden Spannungen zwischen Russland und dem übrigen Europa.

Regie : Olivier Horn Land : Finnland Frankreich Deutschland

Jahr : 2017

Herkunft : YLE ARTE
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