Zündkerzen/spulen/kabel-Wechsel V20 3.5L Bj. 95 automatik

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lotte
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Zündkerzen/spulen/kabel-Wechsel V20 3.5L Bj. 95 automatik

Beitragvon lotte » 09.09.2008 - 11:52

Guten Abend zusammen,

die Ursache ist nun final festgestellt (siehe Thread Ruckel-O-Matic.)

Es sind die Zündspulen. Genauer deren Isolatoren.
Dadurch das die Kerzen so tief im Kopf stecken, müssen die Gummimuffen (im Bild gut sichtbar) enorme Temperaturen über Jahre hinweg aushalten. Wenn nun ein wenig Funkenflug, also Lichtbögen, hinzukommt, weil die Kerze vielleicht mal schlechten Kontakt hat -
die Kontakte zu den Kerzen sind in diesem "Röhrchen" als Federbelastete Kontakte ausgelegt. Mit einem Federdruck vergleichbar mit einer Kugelschreiberfeder, völlig witzlos - kommt es zu Ozonbildung. Ist normal bei "Blitzen" und Lichtbögen.
Dadurch versprödet aber dieses Gummi und der Kunststoff unheimlich. Als ich heute zwecks Kerzenwechsel (85€, NGK Laser Platinum) die Zündspulen mal genauer betrachtet habe ist mir also aufgefallen, bzw. in die Hand gefallen, das diese Isolatoren alle Kernschrott sind.

Rissig, bröselig, brüchig. Die Spule die scheinbar am längsten am Motor schon verweilt verteilte ihren Isolator direkt mal Stückchenweise in meine Hände.

Lotte muss aber fahren. "Was tun?" sprach der Zörmelbruder in seiner Not?
Klebeband muss her! Das stinknormale Elektrotape, einfacherdings.

Nee ehrlich, das funktioniert wunderbar:
Drei-vier Lagen eng gewickelt um die Bruchstücke des Isolators, bzw. aller Isolatoren, die waren alle rissig, reicht um die 15.000V (und mehr) gegen Masse zu isolieren. Dieses Klebeband hat ja eine gewisse Durchschlagsfestigkeit und die reicht anscheinend für solch eine Hack-Reparatur. Das wäre auch noch so eine Busch-Reparatur...

Lotte läuft danach einwandfrei! Die Kerzen selbst könnens nicht gewesen sein, die waren noch "fahrbar". Zwei davon sahen sogar richtig neu und gut aus. Alle Isolatoren waren sauber und rissfrei. Nichtsdestotrotz sind die raus geflogen (wenn ich schonmal dabei bin)...

Zündkabel kommen morgen, Zündspulen bekomme ich hoffentlich über einen Freund günstiger.
Mein ansässiger Teilehöker (demnächst wird vermutlich der rote Teppich ausgerollt wenn ich komme Laughing ) kann die leider nicht besorgen.

Da ich leider die Drosselklappe zu fest angezogen habe, hakt die bei Nullstellung etwas. Muss also 'eh nochmal ran.


Kurze Demontage-Anleitung, für alles was man freilegen muss, um an die Spulen und Kerzen zu kommen:

Fahrerseite:
Zur besseren Anschaulichkeit:
Man beugt sich über den Kotflügel der Fahrerseite und schaut auf die Zylinderbank FS. Fahrerseite wird folgend mit FS abgekürzt, Beifahrerseite mit BFS.

Die Ansaugbrücke ist auf der FS sowie auf der BFS mit Stahlwinkeln abgestützt gegen den Motorblock bzw. die Köpfe. Der Winkel auf der FS ist mit 3x12er Schrauben befestigt. Der muss nicht zwingend raus, es geht auch mit eingebautem Stützwinkel.
Ausbau des Selbigen erleichtert die Sache aber enorm. Eine weitere 12er hält einen Kabelzug. Einfach demontieren... stört sonst nur.

Fünf Kreuzschlitzschrauben befestigen den Zündspulendeckel (schwarze Plasteabdeckung). Dazu braucht man einen großen Kreuzschlitzschraubendreher. Die Bohrungen in der Plasteabdeckung sind mit Metallhülsen gestützt, die u.U. beim Abnehmen der Abdeckung herausfallen können, also Vorsicht!

Hat man die Plasteschale runter, kann man die Prima zum Ablegen von Schrauben nutzen.

Jetzt wirds ziemlich einfach:
Ihr blickt nun auf die drei Zündspulen. An jeder Spule sind drei Kabel angebracht, zwei davon in einem Stecker mit Hebel zum Draufdrücken (zwecks lösen) und ein Zündkabel (das hinterm Block entlang zur BFS geht). Die Kabel kann man einfach alle abziehen, die Längen der Kabel geben vor, welches später wieder wo hin gehört.
(Es macht aber generell Sinn, nicht gleich alles rauszurupfen, nicht das einem später Schrauben in den Brennraum fallen o.Ä. als Alfredsche Anmerkung gegen "Ich habs ja gesagt..." man merkt, ich war schon in "The Dark Knight".)

Die Zündspulen selbst sind jeweils mit zwei 10er Schrauben befestigt. ACHTUNG: Die sind so in weiches Alu gedreht, also VORSICHT beim rausdrehen sowie reindrehen.

Lösen unbedingt mit nem 10er Ringschlüssel. Etwas beengt, aber es geht. Runterdrehen kann man die dann mit ner 10er Nuss ohne Ratsche. Sind nur seicht handwarm angezogen (15NM vielleicht).

Sind die Schrauben weg kann man die Spulen so abziehen und ggf. in die Tonne kloppen, hack-reparieren oder sorgfältig beiseite legen zwecks durchmessen (Werte siehe weiter oben).

Kerzen austauschen ist dann ganz einfach. Vorsichtig lösen (16er Kerzennuß) und entfernen. Neue Kerze in die Nuß stecken, Verlängerung drauf (das Loch im Kopp ist so tief, das die Nuß samt Kerze darin verschwindet) und die Kerze vorsichtig ins Alu-Gewinde drehen.
Hier unbedingt darauf achten, das die Kerze greift. KEINERLEI GEWALT ANWENDEN sonst ist der Kopf Schrott!

Sind die Kerzen alle getauscht, stopft man die Spulen wieder drauf, verschraubt wieder alles wie gehabt und widmet sich der BFS.

Beifahrerseite:
Hier muss nun ein echtes Puzzle entwirrt werden:
Wir beugen uns also über den Kotflügel der BFS und schauen auf die Zylinderbank BFS.

Zunächst entfernt man den Ansaugluftschlauch. Einmal großer Kreuzschlitz (Drosselklappe), einmal Mittlerer (LMM). Den Kurbelgehäuseentlüftungsschlauch vom Ansaugluftschlauch abziehen und direkt vom Kopf abziehen und beides beiseite legen.

Nun entspannt man den Riemen zur Servo-Pumpe. Dazu löst man mit einem 14er Ring und etwas forciertem Einsatz gegen die Lüfterabdeckung die Kontermutter der Spannrolle. Erst jetzt kann man mittels des Riemenspanners selbigen Entspannen. Hier kommt eine 14er Nuß mit Verlängerung zum Einsatz.

Jetzt erst kann man sinnvoll die zwei Brackets (Stützwinkel) der Servopumpe von der Ansaugbrücke abschrauben, von der Pumpe abschrauben und mit den Schrauben (drei mal 12er am oberen Bracket, zweimal 12 und einmal 14 am unteren) beiseite legen.

Als Nächstes zieht man die weiße Unterdruckdose aus ihrer Halterung, zieht den Unterdruckschlauch von der Ansaugbrücke ab und legt alles auf die Ansaugbrücke aus dem Weg. Bei dem Arbeitsschritt kann man direkt das Kabel von der Servopumpe abziehen und in die selbe Richtung werfen... vorher mal gucken, ob es nicht schon an den leicht scharfkantigen Brackets durchgescheuert ist und ggf. reparieren.

Die nächsten Unterdruckschläuche die nun ab müssen sind die drei an der Drosselklappe (nachfolgend DK genannt), sowie linker Hand der Unterdruckschlauch von dieser "offenen" Membran. Das hängt alles an einem kleinen Metallgeweih, das mit der DK verschraubt ist.

Diese macht jetzt direkt als nächste den Abgang:
Fünf 12er Schrauben (vier um die DK selbst verteilt, eine seitlich an einem Stützbracket für die Ansaugbrücke) halten das relativ kleine Bauteil.

Achtung, zwischen Brücke und DK ist eine Metalldichtung. Nicht knicken, nicht verkratzen, einfach auf die Ansaugbrücke legen und bis zum Wiedereinbau ignorieren. Das Fähnchen muss nach oben links (wenn man direkt in die DK reinschaut).

Die DK kann man nun nach unten links aufs Radhaus legen, da stört sie nicht. Die beiden dicken Schläuche die zu ihr führen sind vermutlich für die DK-Vorwärmung durchs Kühlwasser. Die werden von einer Klammer auf dem Ventildeckel gehalten. Die Klammer wiederum lässt sich von einer 10er Schraube an Ort und Stelle halten. Raus damit, stört nur.

Nun widmen wir uns dem letzten hinderlichen Stütz-Bracket. 4x12 (drei Bracket>Motorblock/Kopf, eine zum AGR-Rohr) und eine 10er (Halter für Servoschläuche, Druckleitung und Rücklauf) machen uns das Leben schwer, denn sie sind alle nur umständlich zu entfernen.

Hat man nun das Bracket aus dem Motorraum gewurschtelt entfernt man quasi prä-final die beiden Schrauben die das AGR-Rohr an die Ansaugbrücke fesseln. Auch hier findet sich eine Metalldichtung. Nicht knicken, nicht verkratzen, merken wie herum die eingebaut wurde und auf die Ansaugbrücke legen...

Getz kann man mit dem großen Kreuzschlitz die Abdeckung der Zündkabel (schwarze Plasteabdeckung, kommt uns von der FS bekannt vor) abschrauben und nach unten wegbewegen. Runternehmen ist schwierig bis unmöglich und unnötig. Leicht anheben und zwischen AGR-Rohr und Ventildeckel schieben.

Tadaaa, war doch gar nicht so schwer. Die Zündkabel und darunter auch die Kerzen liegen nun vor uns.

Tip noch dazu:
Um den mittleren Stecker herausnehmen zu können, führt man das Kabel zwischen AGR-Rohr und der Ansaugbrücke hindurch und hat Platz.


Auch hier Kerzen tauschen, mit 25NM anziehen und Stecker wieder drauf. Alles in der umgekehrten Reihenfolge wieder zusammenbauen... ich weiß, das klingt leichter als es ist.

Passt auf, wie ihr die DK und das zuletzt ausgebaute Bracket anzieht. Am besten das Bracket noch nicht festschrauben, dann die DK drauf und alles nach und nach anziehen. Die Drosselklappe wird wohl durch das Bracket mit ausgerichtet/gestützt/wasauchimmer. Ich halte die Verschraubung da für unnötig.

Die Drosselklappe unbedingt mit dem Drehmomentschlüssel (40NM sollten reichen) anziehen, da sich diese sonst verzieht und es aus der Nullstellung heraus beim Gasgeben hakt!



Grüße,
Alex
lotte hat geschrieben:Manchmal wünsch ich mir so eine richtig simple ranzige Starrachs+Blattfeder-Kiste...

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